Die Kammer – EP #01: Minimized

20.08.2018 von Marcus Pohlmann

Die Kammer - EP #01: Minimized

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Laufzeit: 39 Minuten

Tracklist:
01 – Taught To Survive (Minimized Version)
02 – Seeming And Real (Minimized Version)
03 – Till The Break Of Dawn (Minimized Version)
04 – Demon Love (Cover Version - Asp)
05 – Line Of Last Resistance (Minimized Version)
06 – Maybe First We Die (Cover Version - Chamber)
07 – Home (Cover Version – Depeche Mode)
08 – Sick And Tired (Minimized Version)
09 – Intoxication Intravenous (Minimized Version)

Erscheinungsdatum: 09.03.2018

Sprache: Englisch

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Seit ihrer Gründung im Jahr 2011 teilen Die Kammer ihr musikalisches Schaffen in Seasons ein – Season IV soll im Oktober erscheinen. Um diese Wartezeit ein wenig zu überbrücken haben Marcus Testory und Matthias Ambré, die beiden musikalischen Köpfe der Band, mit akustischen Gitarren (und gelegentlicher Unterstützung von Tabea Rotter am Cello) im Frühjahr eine EP mit neun Tracks eingespielt. Dabei handelt es sich drei bereits bekannte Stücke von Die Kammer, drei Stücke vom kommenden Album und drei Cover-Versionen. Der Silberling mit dem folgerichtigen Titel EP #01: Minimized wird, wie bereits die vorangegangenen Alben, über das bandeigene Label Delicious Releases veröffentlicht.

Der Opener „Taught To Survive“ gehört zu den neuen Stücken für die kommende Season IV. Während eine Gitarre die Melodie vorgibt, wird auf der zweiten der Rhythmus eher geschrubbt als gespielt. Der Track präsentiert sich dabei, trotz der spärlichen Instrumentierung, recht schwung- und druckvoll. Der eingängige Refrain bleibt schon beim ersten Hören im Ohr hängen; die restlichen Vocals werden von Marcus Testory phasenweise eher gesprochen als gesungen. Auch „Till The Break Of Dawn“ gehört zu den bisher unveröffentlichten Stücken. Der leicht melancholischen Gesang wird dabei von einer recht tief gestimmten Gitarre unterlegt. Ein relativ langer Instrumentalteil leitet im letzten Drittel einen krassen Bruch in der bisherigen Songstruktur ein und beschränkt sich auf wenige Akkorde – auch die Vocals folgen dieser Stiländerung. Erst gegen Ende nimmt das Stück wieder die Dynamik des ersten Teils auf. „Line Of Last Resistance“, mit knapp über sechs Minuten das längste Stück der EP, verzichtet weitgehend auf die langsamen, atmosphärischen Passagen des Originals. Das schon beinahe wütende Geschrammel auf den Gitarren gibt dem Stück eine ganz andere Richtung. Auch die, häufig zweistimmigen, Vocals kommen mir wesentlich aggressiver vor. Eine ziemlich spannende Interpretation, die für mich auf eine völlig andere Art funktioniert wie das ursprüngliche Stück. „Maybe First We Die“ zählt zu meinen Lieblingsstücken von Chamber, der Vorgängerband von Die Kammer. Der Druck und die Tiefe des Originals fehlen hier, bedingt durch die Beschränkung auf zwei Gitarren. Stattdessen dient die Musik hier nur als Vehikel, um den Gesang hervorzuheben, der gleichzeitig warm und doch spröde aus den Boxen kommt. Erst gegen Ende wird den Gitarren etwas mehr Raum zugestanden, die diesen Platz für einen Ausflug ins Americana-Genre nutzen. Für mich das Highlight der EP und mindestens so gut wie die ursprüngliche Version. Der letzte Track „Intoxication Intravenous“ stammt vom Album Season III: Solace in Insanity und gehörte dort zu meinen Lieblingen. Die beiden Musiker interpretieren die manischen Ausbrüche eines Wahnsinnigen in der Nervenheilanstalt hier als locker-leichte Folknummer. Die Gitarrenmelodie plätschert fröhlich-beschwingt vor sich hin und der Gesang hört sich beinahe normal an, nur gelegentlich blitzt der Wahn durch. Für mich ist diese Version eindeutig zu harmlos und fällt gegenüber dem Original ab – beinahe so, als wäre der Patient mittlerweile geheilt.

Wer bereits ein Konzert von Die Kammer in ihrer Minimalbesetzung besucht hat, dürfte eine recht gute Vorstellung davon haben, was ihn auf der EP #01: Minimized erwartet. Die hier eingespielten Versionen unterscheiden sich teilweise gravierend von den Originalen, was nicht nur der stark reduzierten Instrumentierung geschuldet ist, sondern auch (und vielleicht sogar noch mehr) an der Interpretation des Gesangs. Die Stimme von Marcus Testory präsentiert sich dabei sehr wandelbar, von zartem Geflüster bis zur rauen Reibeisenstimme hat er alles in seinem Repertoire. Die Unterstützung von Matthias Ambré beim Gesang hält sich dabei in einem überschaubaren Rahmen, steigert aber den Effekt, wenn beide zusammen singen. Jedes Stück auf der EP hat für sich genommen durchaus seine Daseinsberechtigung, gewinnt sogar manchmal durch die Reduzierung auf das Wesentliche. Auch durch die Auswahl der Songs ergibt sich dabei ein sehr spannendes musikalisches Konzept, das hoffentlich künftig fortgesetzt wird. Bis auf die Tracklist und das wirklich großartige Cover-Foto enthält das Digipack leider keine weiteren Informationen zur Band oder zu den Stücken.
Wer sich selbst einen akustischen (und optischen) Eindruck von diesen reduzierten Stücken machen möchte, kann dies beispielsweise HIER tun. In voller, achtköpfiger Besetzung ist die Band ab Oktober unterwegs, wenn die Season IV: Some T#ings Wrong veröffentlicht wird.

Die Kammer beweisen auf dieser EP, dass sich auch mit minimalen Mitteln großartige Musik machen lässt.

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