Im Elfenbeinturm

30.09.2019 von Marcus Pohlmann

Im Elfenbeinturm

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Erscheinungsdatum: 12.06.2019

Sprache: Deutsch

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Nur wenige Rollenspiele legen mehr Wert auf auf akademische Bildung und die Ansammlung von Wissen wie Cthulhu. Folgerichtig veröffentlichen Pegasus Press daher einen 72seitigen Quellenband zum Thema. Im Elfenbeinturm fällt zwar unter die „Berufe“-Serie, bietet aber, wie schon Die oberen 10.000, darüberhinausgehende Informationen.

Um was geht es?

Das erste Kapitel „Im Innern des Elfenbeinturms“ liefert einige allgemeine Informationen zur Entwicklung der Wissenschaften. Hinzu kommt eine kurze Beschreibung verschiedener Lehr- und Forschungseinrichtungen. So beleuchtet der Band beispielsweise Labore, Universitäten oder Forschungslager. Schließlich reißt das Kapitel (für die 1920er Jahre) ungewöhnliche Wissenschaftszweige an, wie die Sexual- oder Parawissenschaften.
Im Anschluss nehmen die Autoren die universitären Gepflogenheiten näher unter die Lupe. Neben dem alltäglichen Ablauf gibt es Informationen zu Umgangsformen, Freizeitverhalten und Verbindungen der Akademiker. In diesem Kapitel finden sich zudem einige Zufallstabellen um Charaktere oder NSCs zu erstellen.

Wie der Titel „Wahrer Erfindergeist“ schon vermuten lässt, dreht sich in diesem Kapitel alles um die Erlangung und Anwendung von Wissen. Der Leser bekommt hier Informationen zu Recherche und Forschung. Ebenfalls wird behandelt, wie diese konkret auf den Verlauf im Rollenspiel Einfluss haben. Der letzte Teil des Kapitels beschäftigt sich mit Netzwerken und Verbindungen von Wissenschaftlern. Neben den Vorteilen, die solche Kontakte bringen, gehen die Autoren auf Gruppenkonzepte ein. So lässt sich eine Spielrunde nur aus Akademikern spielen, beispielsweise als Forschungsexpedition im Auftrag einer Universität.

Das vierte, und umfangreichste, Kapitel ist den neuen Berufen vorbehalten, denen die Charaktere der Spieler nachgehen können. Insgesamt 18 Professionen werden hier vorgestellt – der Aufbau der Einträge folgt dabei immer dem gleichen Schema. An einen kurzen Einleitungstext schließt sich die eigentliche Beschreibung des Berufes mit seinen Aufgaben, der gesellschaftlichen Bedeutung und etwaigen Besonderheiten an. Ein Extra-Kasten mit regeltechnischen Angaben vervollständigt den Eintrag. Die Bandbreite reicht vom Archivar über den Studienabbrecher bis hin zum Universalgelehrten. Aber auch ungewöhnlichere Charakterkonzepte finden sich hier, wie beispielsweise der Experimentalpsychologe, das Genie oder der Hausmeister.
Daran schließen sich vier Beispiel-Charaktere an. Neben den reinen Spielwerten erhält der Leser Hintergrundinformationen zum jeweiligen Investigator und einige Hinweise zu dessen Werdegang. Abgerundet wird dieses Kapitel mit einem Gruppenkonzept für die vier Investigatoren.

Gehört der Band in die Sammlung?

Die neuen Berufs-Optionen sind zweifellos interessant und liefern den Spielern vielfältige Möglichkeiten, um ihren Charakter auszugestalten. Viel wichtiger sind jedoch, zumindest für mich als Spielleiter, die anderen Kapitel. Vor allem Informationen zu den universitären Gepflogenheiten sind ausgesprochen nützlich, um solch ein Umfeld im Spiel plausibel darzustellen. Die Beschreibungen der verschiedenen Gruppen und Verbindungen lassen sich für Szenarien nutzen und geben weitere Anregungen. Der Absatz über Improvisation liefert zudem einige nützliche Lösungsansätze. Auf dieses, wie es im Text heißt, MacGyvern, können die Spieler im Verlauf eines Abenteuers zurückgreifen. Sehr gelegen kommen mir die Zufallstabellen, mit denen sich schnell interessante Nichtspielercharaktere erschaffen lassen – perfekt, um einen Laborassistent oder Archivar aus dem Ärmel zu schütteln.

Die Gestaltung des Softcover-Bandes folgt dem gängigen Schema der Reihe. Das weitgehend schnörkellose, zweispaltige Layout, wird durch Einschübe immer wieder aufgelockert. Historische Fotografien und Abbildungen aus wissenschaftlichen Abhandlungen ergänzen die Texte und sorgen für eine stimmige Atmosphäre. Mit dem Aufbau und der Zusammenstellung der Kapitel habe ich dagegen stellenweise Probleme. Manche Absätze wirken aus dem Kontext gerissen und wären an anderer Stelle sicherlich besser aufgehoben gewesen. So beispielsweise die „Pakete für erfahrene Akademiker“ im Kapitel zur Charaktererschaffung. Das leicht verstörende Titelbild von Mark Freier rundet schließlich den guten Gesamteindruck ab.

Wer mehr über das Cthulhu-Rollenspiel im Allgemeinen und diesen Band im Besonderen wissen möchte, wird auf der Homepage von Pegasus Press fündig.

Im Elfenbeinturm bringt den Spielern nicht nur neue Berufe näher, sondern liefert einen rundum gelungenen Hintergrundband zu Wissenschaft und Bildung.

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