Lugosi

10.08.2022 von Marcus Pohlmann

Lugosi

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ISBN: 978-3741627910

Format: Hardcover

Preis: 25,00

Erscheinungsdatum: 12.07.2022

Sprache: Deutsch

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Jeder hat seine ganz eigene Meinung, wenn es darum geht, wer die eindrucksvollste Film-Darstellung des blutsaugenden Grafen Dracula abgeliefert hat. Für einige geht diese Ehre an den Briten Christopher Lee, andere finden dagegen Gary Oldman großartig und manche Cineasten loben tatsächlich die Interpretation durch Gerald Butler. Für mich ist dieser Charakter dagegen seit frühester Kindheit mit dem Ungarn Bela Lugosi verbunden.
Trotz dieser prägenden Rolle ist der Schauspieler mittlerweile weitgehend in Vergessenheit geraten. Abhilfe soll nun Lugosi, eine Biografie in Form einer Graphic Novel, schaffen. Koren Shadmi, mir bisher nur bekannt als Zeichner, ist hier nicht nur für die Illustrationen, sondern auch für den Text verantwortlich. Panini Comics veröffentlichen den gut 160seitigen Hardcover-Band, der im Original beim US-amerikanischen Verlag Humanoids erschienen ist.

Was steht drin?

Die Biografie beginnt (fast) am Ende: Der 72jährige Schauspieler weist sich 1955 selbst, nach jahrelanger Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, in eine Entzugsklinik ein. Während des Entzuges erlebt er Halluzinationen, die der Autor für Rückblicke auf herausragende Momente im Leben Bela Lugosis nutzt.
Erste Schauspielversuche des jungen Ungarn führen zum Zerwürfnis mit der Familie. Anschließend erarbeitet er sich in Budapest einen Ruf als talentierter Theater-Schauspieler. Daneben engagiert sich Lugosi als Gewerkschafter und versucht, die Kulturszene Ungarns neu zu gestalten. Nach dem Sturz der Sowjetrepublik fürchtet er um sein Leben, und flüchtet in Richtung Wien. Seine erste Frau, Ilona Szmick, bleibt zurück und reicht später die Scheidung ein. Bela Lugosi arbeitet weiter am Theater, spielt aber auch in einigen deutschen Stummfilmen, beispielsweise Hypnose.

1921 hat es ihn nach New York verschlagen, wo er an einem ungarischen Exil-Theater spielt und erste Kontakte ins Filmgeschäft knüpft. In diese Zeit fällt auch seine zweite Ehe mit Ilona von Montagh, die allerdings nach nur drei Jahren in die Brüche geht. Mit 45, im Jahr 1927, hat der Schauspieler seinen ersten großen Erfolg mit einer Hauptrolle – in der Theater-Version von Dracula. Das Stück tourt durch die Vereinigten Staaten und erhält ausgesprochen gute Kritiken. Dem steht das turbulente Privatleben von Lugosi gegenüber. So hält die nächste Ehe mit Beatrice Weeks nur wenige Monate.

1931 folgt schließlich die Verfilmung von Dracula – wobei der Schauspieler ursprünglich nur die zweite Wahl ist. Erst nach dem frühen Tod von Lon Chaney erhält Bela Lugosi die Rolle. Der Film ist ein gewaltiger Erfolg, verbindet den Schauspielern allerdings auch mit dem Blutsauger. Die Rolle des Monsters in Frankenstein lehnt er daraufhin ab, bleibt aber dem Horror-Genre weiter treu. Die meisten seiner Streifen sind heute mittlerweile in Vergessenheit geraten. Nur einige wenige, beispielsweise White Zombie oder Die schwarze Katze sind Filmfreunden noch ein Begriff. Mit der deutlich jüngeren Lillian Arch folgt Ehefrau Nummer Vier. Diese Beziehung hält immerhin 20 Jahre und bringt einen Sohn hervor.

Alkohol- und Drogenprobleme, chronischer Geldmangel und ausbleibende Rollenangebote machen die Situation für die Familie zusehends schwerer. Mit durchweg schlechten Filmen, einer Tour nach Großbritannien und diversen Radio-Engagements hält sich Lugosi in dieser Zeit über Wasser und finanziert seine Sucht.
1952 kommt es am Set von Bela Lugosi meets a Brooklyn Gorilla zum Treffen mit Edward Wood Jr. – einem der schlechtesten Regisseure aller Zeiten. Es folgen einige wirklich miese Filme, die dem Schauspieler aber eine gewisse finanzielle Sicherheit bringen. Mit der Entlassung aus der Entzugsklinik 1955 enden schließlich die Rückblicke.

Der Epilog befasst sich mit den letzten Monaten von Bela Lugosi, seiner fünften Ehe und den Dreharbeiten zum posthum veröffentlichten Plan 9 from Outer Space. Das letzte Bild ist schließlich der Bestattung im Vampir-Kostüm vorbehalten.

Einige Charakterstudien, Cover-Entwürfe sowie eine Bibliografie schließen den Band ab.

Gehört das Buch ins Regal?

Autor und Zeichner Koren Shadmi hat mit Lugosi eine sehr eindrückliche, berührende Biografie geschaffen. Natürlich haben auch einige Szenen aus den Filmen ihren Weg in die Graphic Novel gefunden. Der Fokus liegt jedoch auf dem Privatleben des Schauspielers, das von mehr Tiefen als Höhen geprägt war. Bei einem Vergleich mit der Wikipedia-Biografie fallen einige Lücken und Differenzen auf, beispielsweise die Mitarbeit bei frühen österreichischen und deutschen Stummfilmen. An der Intensität des Buches ändern diese Kleinigkeiten jedoch nichts. Der Band wirft einen schonungslosen Blick auf seine Hauptfigur und spart auch keine unschönen Details aus.

Der Zeichenstil ist meist nicht übermäßig detailliert. Umso mehr fallen daher die wenigen, ausgesprochen realistisch gezeichneten, Panels auf. Die Charaktere sind, selbst in ihrer reduzierten Form, dennoch sehr gut zu erkennen. Besonders haben mir die Verwendung der Kontraste und das Spiel mit Schatten gefallen. Dies unterstreicht zum einen die düstere Atmosphäre der meisten Filmrollen, aber auch die Licht- und Schattenseiten im Leben von Bela Lugosi. Die Verwendung leicht unterschiedlicher Farbpaletten für die Gegenwart und die Rückblenden funktioniert ebenfalls sehr gut.

Mehr Informationen zum Band gibt es auf der Verlagsseite von Panini. Eine (englische) Leseprobe findet man bei Humanoids. Wer mehr über den Schöpfer des Bandes wissen möchte, bekommt auf dessen Homepage alles Wissenswerte.

Wer sich für den (meiner Meinung nach) besten Vampirdarsteller interessiert, bekommt mit Lugosi eine stimmige, unterhaltsame und eindringliche Lektüre.

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