
Kategorie: Brettspiel
Autor: Angela Vögtli
Zeichner: Glönn
Verlag / Publisher: Kampfhummel Spiele
Genre: Familienspiel, Partyspiel, Ratespiel
Spieleranzahl: 3 bis 4 Spieler
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Spieldauer: 30 bis 60 Minuten
Erscheinungsdatum: 09.09.2025
Sprache: Deutsch
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Der schweizerische Verlag Kampfhummel hat sich innerhalb kurzer Zeit einen Ruf für originelle, schnelle, sehr lustige und nicht immer geschmackssichere Spiele erarbeitet. Bisher handelte es sich dabei in erster Linie um Kartenspiele, die ohne großes Drumherum auskamen. Ultraviolett bricht nun mit diesem Schema und präsentiert sich als „richtiges“ Brettspiel. Bereits im Februar auf der Nürnberger Spielwarenmesse konnte ich einen ersten Blick auf das (fast) fertige Spiel werfen. Mittlerweile ist es, zusammen mit zwei Erweiterungen in der Auslieferung. Grund genug, mir das Zeichenspiel für bis zu vier Künstler etwas genauer anzuschauen.
Was steckt drin?
In der quadratischen, sehr markant gestalteten Schachtel finden sich gleich eine Vielzahl von Komponenten. Den Anfang macht dabei der Spielplan. Auf diesem gibt es vier Reihen, die Platz für je sechs Karten haben. Jede dieser Ablageflächen ist durchnummeriert. Am unteren Ende befindet sich zudem eine Leiste, in der Siegpunkte festgehalten werden können. Die zweite Auffälligkeit sind 300 quadratische Karten, die verschiedene Satzfragmente enthalten. Diese teilen sich grob in Subjekt, Prädikat, Objekt und dazwischen noch ein Adjektiv, auf. Auf der Rückseite ist das Symbol passend zur Position auf dem Spielplan abgebildet. Die Vorderseite beinhaltet die dazugehörigen Satzbausteine. Für jeden der bis zu vier Spieler gibt es eine eigene Ausstattung. Diese besteht aus einem Sichtschirm, auf dessen Innenseite eine Regelkurzfassung abgedruckt ist, einem Satz aus vier sechsseitigen Würfeln in unterschiedlichen Farben, einem Wertungsplättchen nebst abwischbarem Stift und ein Punktmarker für das Spielbrett.
Die Zeichnungen selbst erfolgen später mit einem Faserschreiber, der UV-reaktive, im normalem Lichtspektrum unsichtbare, Farbe nutzt. In diese Stifte ist außerdem eine Lampe integriert, um die „Kunstwerke“ sichtbar zu machen. Das übrige Spielmaterial besteht aus einem Block mit ca. 9 x 9 cm großen Blättern, einer Sanduhr mit knapp 15 Sekunden Laufzeit und der achtseitigen Anleitung.
Wie wird’s gespielt?
Bevor sich die Spieler künstlerisch austoben können, müssen sie sich auf die Dauer der Partie einigen. Das Regelwerk gibt hier zwei Möglichkeiten vor. Für eine kurze Spieldauer werden fünf Runden absolviert. Darf es etwas länger dauern, wird bis zum erreichen der 42 Punkte gespielt. Nun nimmt sich jeder sein Spielmaterial und platziert seinen Wertungsmarker auf der „0“. Die gemischten Karten kommen neben die entsprechende Kategorie des Spielplans und je eine wird auf die leeren Felder gelegt.
In jeder Runde spielen alle beteiligten Künstler zeitgleich. Sie werfen ihre vier Würfel, die angeben, aus welchen Bestandteilen sich der zu zeichnende Text zusammensetzt. Dabei stehen sie vor der Herausforderung, solche Sätze zeichnerisch umzusetzen wie beispielsweise „Ein Mammut parfümiert eine krumme Schlucht.“ Oder „Julius Cäsar streichelt eine giftige Pyramide.“. Dabei gibt es die Möglichkeit, jede der vier Komponenten einzeln zu zeichnen oder alles in ein Bild zu packen – was mehr Punkte bringt. In dieser Phase dürfen die Spieler weder ihre Lampe einsetzen oder Buchstaben und Zahlen zeichnen.
Hat der erste Spieler sein Werk beendet, so dreht er die Sanduhr um. Ist diese durchgelaufen legen auch die restlichen Künstlerihre Stifte beiseite. Nun geht es daran, die Bilder zu interpretieren – dabei beginnt derjenige, der zuerst fertig war und leuchtet sein Kunstwerk mit der UV-Lampe an. Die anderen schreiben die Zahlen, von denen sie glauben, dass sie zu den Satzteilen gehören, auf ihre Wertungstafeln. Schließlich folgt die Punktevergabe. Dafür erhält der Zeichner einen Punkt pro Spieler, der alles korrekt erkannt hat. Einen zusätzlichen Punkt gibt es, wenn alle Teile in einem Bild integriert sind. Die Ratenden bekommen ebenfalls einen Siegpunkt, wenn sie die Zeichnung vollständig richtig erkennen.
Anschließend werden neue Karten ausgelegt und der nächste Durchgang beginnt. Dies wird so lange fortgesetzt, bis entweder die Rundendauer oder die entsprechende Punktzahl erreicht ist. Der Spieler mit den meisten Punkten ist schließlich der erfolgreichste Künstler und damit der Sieger.
Kann das Spiel was?
Ultraviolett kann nicht nur mit einer recht originellen Idee aufwarten, auch die Umsetzung ist gut gelungen. Dabei ist das Spiel denkbar einfach und schnell erklärt – eben ein klassisches Partyspiel. Die Satzkombinationen sind zumeist völlig abstrus, dennoch lässt sich gelegentlich ein gewisser Sinn erkennen. In diesem Fall funktioniert die zeichnerische Darstellung (unabhängig vom künstlerischen Talent) recht gut. Aber selbst zusammenhanglose Sätze lassen sich wenigstens als Einzelbilder in der Regel verständlich umsetzen. Dabei sorgt die Art der Punktvergabe dafür, dass sowohl Zeichner als auch Ratende für ihr kreatives Schaffen belohnt werden. Die Zeitbegrenzung durch die Sanduhr baut Druck auf, so dass jeder Durchgang schnell abgeschlossen ist. In unseren Testrunden zu viert war es der eigentliche Interpretationsteil, der den meisten Spaß gemacht hat – vor allem, wenn der Künstler sein Werk am Ende erklären durfte. Insgesamt hat der Verlag hier ein tolles, spannendes Spiel vorgelegt, das (ungewohnt für die Schweizer) durchaus auch als Familienspiel taugt.
Die Aufmachung mit ihren zahlreichen Komponenten sieht durchweg gut aus. Das Kartenmaterial ist hochwertig, die Illustrationen hübsch anzuschauen, und die Satzfragmente lassen sich praktisch unendlich kombinieren. Die Idee mit der UV-reaktiven Farbe ist ungewöhnlich, aber gelungen umgesetzt. Das Papier des beiliegenden Blocks leuchtet unter UV-Licht ebenfalls hell, glücklicherweise fällt dies wenig ins Gewicht. Der Kontrast zu dem Stift ist immer noch groß genug. Für Spieler, die an technischen Details interessiert sind: Die Stifte decken einen Wellenlängenbereich zwischen 390 nm und 405 nm ab. Die Farbe ist aber auch bei einer Wellenlänge von 365 nm gut sichtbar. Lampen dieser Art sind relativ einfach zu beschaffen und kamen während der Proberunden zum Einsatz. Sind die Stifte leer, eingetrocknet oder hat die Batterie den Geist aufgegeben, so gibt es im Shop des Verlags Nachschub. Das Regelheft kommt mit wenig, durch Bilder ergänztem, Text aus. Wie mittlerweile häufig üblich findet sich HIER ein Video-Tutorial.
Neben neuem Zeichenmaterial gibt es auf der Homepage von Kampfhummel weitere Informationen zum Spiel. Außerdem kann man hier die beiden bereits erschienenen Ergänzungen erwerben. Zum einen handelt es sich dabei um Material für zwei zusätzliche Spieler, zum anderen um die Hardcore-Erweiterung.
Ultraviolett verfügt über ein innovatives Konzept, sieht gut aus, ist einfach zu verstehen und obendrein macht es auch noch Spaß – was will man mehr?
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