Stronghold: Undead

02.03.2022 von Marcus Pohlmann

Stronghold Undead

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Spieleranzahl: 2 Spieler

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Spieldauer: 90 bis 120 Minuten

Erscheinungsdatum: 27.10.2021

Sprache: Deutsch

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Zum zehnjährigen Jubiläum von Stronghold: Undead haben Portal Games dem Spiel eine zweite Edition spendiert. Wie so viele andere Spieleschmieden auch, hat der polnische Verlag die Finanzierungsmöglichkeit des Crowdfundings genutzt. Nach dem Abschluss der Kampagne haben es Pegasus Spiele auf sich genommen, das Zwei-Personen-Spiel zu übersetzen und für den heimischen Markt zu veröffentlichen.

Was steckt drin?

Ein Blick in die Schachtel kann durchaus einschüchternd wirken. Unzählige Papp-Marker für die verschiedensten Spieleffekte fallen direkt ins Auge. So gibt es Plättchen für Giftwolken, Holzpflöcke, geweihte Erde oder Verwesung. Kartendecks für verschiedene Kriegsmaschinen (für beide Seiten) zeigen Treffer und Fehlschüsse.

Der Spieler des Nekromanten verfügt darüber hinaus über 24 Zauberkarten. Auf diesen ist ein Spieleffekt gelistet, die Kosten in Mana und gegebenenfalls Ablagefläche für Marker. Drei Übersichtskarten geben Hilfestellungen im Spielverlauf. Plättchen für Friedhöfe, Sümpfe oder einen Galgenwald kommen mittels der Zauber ins Spiel und werden auf den Spielplan gelegt. 30 Mana-Kristalle stellen die Ressourcen des Nekromanten dar, während 15 Aktivierungskristalle der Übersicht dienen. Die untote Armee unterteilt sich in drei Truppentypen: Gespenster, Skelette und Vampire. Diese werden durch verschiedenfarbige Holzquader dargestellt. Die Monster unterschieden sich in ihrer Stärke und haben eventuell noch weitere Besonderheiten, beispielsweise im Zusammenspiel mit bestimmten Geländeausbauten oder anderen Untoten. Ein Beutel für die Holzquader sowie ein Hilfsbogen komplettieren das Spielmaterial für den Angreifer.

Ein großer Tisch sollte es schon sein

Ein großer Tisch sollte es schon sein

Für den Verteidiger gibt es ebenfalls zahlreiche Marker, mit denen er seine Truppen stärken und die Festung ausbauen kann. Betten für das Spital, Holzpflöcke zur Vampirabwehr oder Stege verbessern die Verteidigung der Burg. Ähnlich wie bei den Untoten gibt es Kartendecks, mit denen sich Treffer der Kriegsmaschinen bestimmen lassen. Panikkarten spiegeln die Moral wieder und kommen am Ende der Runde zum Einsatz. Meist haben diese negative Auswirkungen auf die Verteidiger. Auch hier gibt es für die Truppen Holz-Spielsteine – allerdings sind diese als Schützen, Soldaten und Veteranen zu erkennen. Mauer-Segmente, ebenfalls aus Holz, verstärken die Befestigung und geben einen Bonus bei der Verteidigung. Als Ressourcen fungieren hier die Sanduhren, mittels deren Kriegsmaschinen gebaut, Soldaten rekrutiert und der Gegner geschwächt wird. Für den Verteidiger gibt es ebenfalls einen Hilfsbogen mit der Spielübersicht.

Der "nackige" Burghof

Der „nackige“ Burghof

Das Spielmaterial wird vervollständigt durch die 24seitige Anleitung, Panik- und Rundenmarker und das große Spielbrett. Auf diesem sind die Befestigungsanlagen der Burg und das Lager der Untoten zu sehen. Weiter unterteilt wird in Mauerabschnitte, Pfade, Schutzwälle und das Vorgelände. Im Innern der Burg sind eine Kirche und ein Spital vorhanden, aber auch eine Kaserne oder eine Werkstatt für die Konstruktion von Kriegsmaschinen. Es gibt außerdem eine Übersicht wie viele Ressourcen den Spielern pro Runde zur Verfügung stehen und eine Panikleiste, die die Moral der Verteidiger zeigt.

Wie wird’s gespielt?

Haben sich die Spieler darauf geeinigt, wer welche Rolle übernimmt, beginnt der Aufbau. Dafür platzieren beide die entsprechenden Marker, Truppen und Ressourcen. Außerdem werden die verschiedenen Kartendecks gemischt und bereitgelegt. Ist dies abgeschlossen, kann die Belagerung beginnen. Dabei teilt sich jede der bis zu acht Spielrunden in fünf Phasen auf – die ihrerseits nochmals gegliedert sind.
In der ersten Phase beginnen die Spieler mit der Vorbereitung für die Runde. Dazu sammeln sie ihre Ressourcen (Mana für die Untoten, Sanduhren für die Verteidiger) ein. Abhängig von der jeweiligen Runde erhalten beide Spieler hier ein festgelegtes Kontingent. Anschließend zieht der Nekromant eine Manakarte. Diese liefert zusätzliche Mana-Kristalle, kann aber auch Monster ins Spiel bringen oder dem Verteidiger helfen.

Außerdem kann der Angreifer nun mittels des Todesaltars Geister opfern, um Mana zu generieren. Nutzt er diese Option, erhält der Verteidiger eine Sanduhr. Der Nekromant kann Zaubersprüche ablegen und neue vom Stapel ziehen. Zum Abschluss der Phase gibt der Verteidiger alle Sanduhren aus, die er bis jetzt gesammelt hat. Er kann dafür Truppen rekrutieren oder aufwerten, die Befestigungsanlagen verstärken, Kriegsmaschinen bauen oder Gebäudeeffekte nutzen.

Das Arsenal des Nekromanten

Das Arsenal des Nekromanten

In der zweiten Phase spricht der Nekromant seine Zauber aus. Dabei kann jede Karte nur einmal aktivieren und ihre Kosten in Mana bezahlen. Der Verteidiger erhält auch hier die entsprechende Anzahl Sanduhren, die er direkt einsetzen muss. Die Zaubersprüche bringen dabei entweder einen sofortigen Effekt, beispielsweise kommen neue Untote ins Spiel oder lässt den Spieler vorhandene Monster in Mana zurückverwandeln. Mit anderen Sprüchen lassen sich Plättchen auf dem Spielfeld platzieren. So liefert ein Sumpf jede Runde zusätzliches Mana, eine Giftwolke verstärkt die eigenen Truppen oder ein Regenschauer behindert die gegnerischen Schützen.

Die Spieler bewegen ihre Figuren in der „Manöver“-Phase. Diese beginnt damit, dass der Nekromant 14 zufällige Einheiten aus dem Beutel zieht und in seinem Lager platziert. Nun kann er diese mit einem kleinen und einem großen Manöver über die Pfade und an die Burgmauern bewegen. Hier unterscheidet sich die Anzahl der Figuren, die gezogen werden darf. Für ein Manöver erhält der Verteidiger wiederum Sanduhren. Sind am Ende der Phase noch Untote im Lager, gibt es auch dafür Sanduhren. Diese müssen nun ausgegeben werden.

Der Flankenangriff

Der Flankenangriff

Der eigentliche Angriff auf die Festung findet in der vierten Phase statt. Zuerst wird der Fernkampf abgehandelt. Die verschiedenen Waffentypen schießen in festgelegter Reihenfolge. Den Beginn machen dabei die Armbrüste, den Abschluss bilden die Skelettschützen. Diese attackieren in einem einfachen Stärkevergleich den jeweiligen Gegner – entsprechend werden Figuren entfernt. Für Kriegsmaschinen wird eine Karte des dazugehörigen Stapels aufgedeckt. Zeigt diese einen Treffer, werden entweder Gebäude oder Ausbauten beschädigt.

Ist der Fernkampf abgehandelt, beginnt der Sturm auf die Mauern. Hierbei wird die Stärke des Angreifers und des Verteidigers an einem Mauerabschnitt verglichen. Hinzu kommen Modifikationen durch Zauber, Gebäude oder etwaige Synergieeffekte; so verdoppelt beispielsweise ein Vampir die Stärke der Gespenster, die zusammen mit ihm kämpfen.

Der Spieler mit der höheren Gesamtstärke fügt dem Unterlegenen Schaden in Höhe der Differenz zu. Vernichtete untote Einheiten kommen auf den Todesaltar, menschliche Verteidiger ins Spital. Durchbrechen dabei die Horden des Nekromanten die Befestigung, also wenn keine Verteidiger mehr auf einem angegriffenen Mauerabschnitt sind und es noch überzähligen Schaden gibt, endet die Partie sofort mit einem Sieg der Untoten. Ist dies nicht der Fall, ist die Phase zu Ende. Der Verteidiger kann seine Truppen umgruppieren, muss aber auch etwaige Panik-Karten anwenden.
In der fünften und letzten Phase wird das Spielfeld aufgeräumt. Temporäre Marker werden entfernt, erschöpfte Karten bereit gemacht und der Rundenzeiger rutscht ein Feld vor.

Anschließend beginnt die nächste Runde, die nach dem gleichen Schema abläuft.

Das Spiel endet auf zwei Arten. Die heroischen Verteidiger halten acht Runden durch – die Sonne geht auf und die untoten Horden zerfallen zu Staub. In diesem Fall geht der Sieg an die menschlichen Burgbewohner. Gelingt es den Truppen des Nekromanten jedoch, die Mauern zu überwinden, endet das Spiel mit einem Sieg der Untoten.

Kann das Spiel was?

Durch die schiere Menge an Material und Aktionsmöglichkeiten ist der Einstieg in Stronghold: Undead nicht grade einfach. Lässt man sich jedoch darauf ein erwartet die Spieler ein sehr taktisches, durchaus anspruchsvolles und vielschichtiges Spiel. Die eigentliche Mechanik, die zugrunde liegt ist dabei recht einfach, allerdings ist die Lernkurve ist steil. Erst im Verlauf mehrerer Partien erschließen sich alle Möglichkeiten. Entsprechend handelt es sich hier um ein Spiel, das deutlich davon profitiert, wenn es regelmäßig auf den Tisch kommt. Erst so können die Spieler die Effekte der einzelnen Optionen richtig einschätzen, Strategien entwickeln und ihrer Seite zum Sieg verhelfen.

Nach einer ganzen Reihe von Partien entdecke ich immer noch neue Kombinationen und taktischen Feinheiten. Wirklich jede Schlacht läuft unterschiedlich und durch die wenigen Zufallselemente (die Treffer der Kanonen und die Verstärkung der Untoten) hängt der Ausgang praktisch ausschließlich von der Strategie der Spieler ab. Wirklich gelungen ist das Ressourcenmanagement – das außerdem dafür sorgt, dass beide kontinuierlich agieren und reagieren. So entfallen Wartezeiten und es ergibt sich ein unmittelbarer Einfluss auf die Handlungsmöglichkeiten des Gegenspielers.

Ressourcen, Marker & Truppen

Ressourcen, Marker & Truppen

Die Gestaltung des Spielmaterials ist ausgesprochen stimmig. Dabei schaffen es die Illustratoren zumeist einen Mittelweg zwischen Übersichtlichkeit und Atmosphäre zu finden. Die Qualität gibt keinerlei Anlass zur Kritik, sowohl was die gedruckten Marker angeht, als auch die der Holzkomponenten. Einzig die Quaderform der Untoten empfinde ich als nicht so stimmig – was aber an der Spielmechanik und nicht am Design liegt. Das Regelwerk gibt sich Mühe, den komplexen Spielablauf gut zu erklären, aber alleine durch den Umfang sollte man das Heft während der ersten Partien nicht zu weit weglegen!

Die deutschen Spielregeln gibt es als PDF auf der Homepage von Pegasus Spiele. Mehr Informationen zum Spiel, unterm anderen auch ein Tutorial, gibt es in englisch auf der Seite von Portal Games.

Spieler, die ein strategisch anspruchsvolles Spiel vor fantastischem Hintergrund suchen, sind mit Stronghold: Undead fraglos sehr gut bedient.

 

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