Secret of Mana Remake

03.05.2018 von T. Wilde

Secret of Mana Cover Playstation 4

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Spieleranzahl: 1-3 Spieler

Altersempfehlung: ab 6 Jahren

Erscheinungsdatum: 15.02.2018

Sprache: Deutsch

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Remakes können ein Segen sein. Sie ermöglichen einem neuen Publikum die Spielerfahrungen von längst vergangenen Klassikern zu entdecken oder erlauben Kennern nostalgische Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Natürlich kann man seine geliebte Spieleplattform über die obsolete Anschlusstechnik per Adapter an einen 65“ Riesenbildschirm klemmen und das Original spielen. Oder man greift auf Emulatoren und Ports für andere Plattformen zurück. Eventuell sorgt das für eine Enttäuschung, da das Spiel möglicherweise nicht gut gealtert ist oder nicht an die guten Erinnerungen von damals heranreicht. Hier können Remakes mit aufpolierter Grafik, überarbeiteter Steuerung sowie aktualisierter Spielmechaniken auf aktuelles Niveau bringen. Ob dies auch für Secret of Mana gilt?

Remake und Original

Manchmal gibt es Gelegenheiten, Dinge nachzuholen die man verpasst hat. Secret of Mana ist ein Klassiker der RPGs auf dem Super Nintendo Entertainment System (SNES), dessen Spielerfahrung mir damals nicht vergönnt war. Das Original feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum in Japan und Nordamerika. In dem Zuge erhielt es am 15. Februar 2018 ein Remake. In Europa ist das Jubiläum leider nicht so Rund, da es hierzulande ca. 1¼ Jahre später erschien. Auf das Remake brauchen wir aber nicht über ein Jahr zu warten. Dieses ist weltweit für Windows-PC via Steam und PlayStation 4/Vita verfügbar.

Das Original ist dagegen nicht so einfach zu bekommen. Neben dem Erwerb eines gebrauchten SNES-Moduls kann es praktisch nur als Bestandteil der „Nintendo Classic Mini“-Neuauflage des SNES erworben werden. Wer noch ausreichend Wii-Points für den „Shop-Kanal“ der Nintendo Wii hat, kann diese bis 2019 (dann wird dieser eingestellt) für eine „Virtual Console“-Emulation einlösen. Ansonsten bleiben nur die für Touch-Bedienung angepassten Ports aus den Stores von iOS und Android.

Ich habe mich blind am Remake (auf der PS4) sowie nachträglich an dem Original (vom SNES) versucht.

Die Geschichte des in Ungnade gefallenen Helden

Randi: Der Held in Secret of Mana

Randi: Der Held in Secret of Mana

Die Geschichte beginnt mit einem zu benennenden Helden. Ein junger Bursche mit wenig Selbstvertrauen und naiven Gemüt. Er gerät versehentlich an das legendäre Mana-Schwert und bricht dadurch das Siegel, welches dunkele Mächte fernhielt. Dafür wird er aus seinem Heimatdorf verstoßen und muss als Träger des Mana-Schwerts daran arbeiten die alte Ordnung wiederherzustellen. Im Verlauf der Geschichte trifft er dabei auf ein Mädchen und eine Elfe, welche sich dem Unternehmen anschließen und ihn begleiten

Popoi: Die Elfe im Team des Helden. Oder schaut so ein Kobold aus?

Popoi: Die Elfe im Team des Helden. Oder schaut so ein Kobold aus?

Die Geschichte ist inhaltlich gleich mit dem Original. Die Text-Dialoge wurden jedoch neu übersetzt, sodass nicht der gleiche Wortlaut vorliegt. Zum Beispiel wurde die verbündete Elfe im Original als Kobold bezeichnet. Auch für Bezeichnungen von Orten, NPCs, Gegnern und Gegenständen wurden neue Namen gefunden, welche daher nicht immer mit dem Original übereinstimmen. Erstmalig ist die Sprachausgabe in Zwischensequenzen vorhanden. Diese ist in Englisch oder Japanisch mit deutschen Untertiteln verfügbar.

Knackiges Spielgeschehen mit Verschnaufpausen

Wie beim Original handelt es sich um ein Action-RPG aus der Vogelperspektive. Die Kämpfe finden in Echtzeit und direkt in der Spielwelt statt. Im Kampf ist das Timing von hoher Bedeutung. Für effektive Angriffe muss abgewartet werden bis die Ausdaueranzeige wieder 100% geladen ist. Zauber ermöglichen Statuseffekte, Heilung sowie Elementar-Schaden. Ihr Einsatz ist besonders im Kampf gegen Boss-Gegner unabdingbar. Besiegte Gegner lassen Charaktere und die genutzten Waffen und Zauber aufleveln, wodurch diese stärker werden. Außerdem erlauben gelevelte Waffen Spezialangriffe.

Zauber und Gegenstände sind aus einem Ring-Menü zu wählen. Ist dieses geöffnet hält das Spielgeschehen an, welches bei einem hitzigen Kampf mit mehreren Gegnern oder einem Boss eine strategische Pause ermöglicht. Zwischen Charakteren kann jederzeit gewechselt werden, wobei die verbleibenden durch die KI bzw. einem anderen Mitspieler gesteuert werden. Außerhalb von Kämpfen werden verschiedene Waffen und Zauber benötigt, um in der Spielwelt voranzuschreiten. Neben dem Level der Charaktere spielt deren Ausrüstung aus Kleidung, Kopfbedeckung und Armschutz eine entscheidende Rolle. Sowohl das Original als auch das Remake zeichnen sich durch stellenweise hohe Schwierigkeitsgrade aus.

Verbesserungen …

Sofort ins Auge fällt die Grafik. Square Enix hat einen guten Job gemacht den Charme der pixeligen Spielwelt in die dritte Dimension zu überführen. Dabei wurde haarklein das Layout der Spielwelt sowie die Platzierung der Gegner beibehalten. Auch für die Ohren gibt es mehr Details. Die Chiptune-Musik des Originals wurde überarbeitet und klingt entsprechend voluminöser ohne sich zu entfremden. Dieser kann aber auf Wunsch in den Optionen durch den Originalsoundtrack ersetzt werden. Ebenfalls in den Optionen wählbar ist ein höheres Gegenstandslimit. Das Original erlaubt nur den Besitz vier gleicher Gegenstände (z.B. Bonbons zum Heilen). Im Gegensatz zum Original schlägt das Remake mit „Randi“ einen Namen für den Helden sowie „Primm“ für das Mädchen und „Popoi“ für die Elfe vor. Eine Verbesserung für ungeduldige, welche bereits in den Ports für iOS und Android zu finden ist. Unter der Haube ergänzt ein Speicherplatz mit automatischer Fortschrittsspeicherung die Speichermöglichkeiten des Originals.

Secret of Mana - Die Spielwelt im Vergleich zum Original

Die Spielwelt im Vergleich zum Original

… und verschenktes Potenzial

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Das Remake hält sich weitgehend treu am Original. An manchen Stellen zu treu. Wie beim Original startet das Geschehen unmittelbar und ohne Tutorial. Die Grundlagen (wie gespielt wird) werden in keiner Weise erklärt. Das Original brachte dazu das Handbuch mit, welches die Grundlagen erklärt sowie weitere Informationen enthält. Im Remake liegt es weder in Papier noch digital im Spiel vor. Dies trübt die Spielerfahrung, da man auf dieses Wissen angewiesen ist. Dadurch bleibt z.B. unklar, dass ein Spezialangriff durch Gedrückthalten der Angriffstaste aufgeladen und durch Loslassen ausgeführt wird.

Die Menüs des Originals sind mit ihrem ringförmigen Aufbau ein Merkmal, welches das Remake übernommen hat. Das Handbuch des Originals erklärt die Funktionsweise und nach einiger Zeit geht die Bedingung in Fleisch und Blut über. Zwar wurde die Menüs unterstützend um Symbole und Texte ergänzt, diese genügen jedoch häufig nicht, um die Bedienung und Funktionen der Menüs und Menüeinträge sofort verständlich zu machen. Mir war lange Zeit nicht klar, dass häufig mit Auf/Ab zwischen verschiedenen Menüs gewechselt wird. Zumal einige Optionen (z.B. Zauber) abhängig vom Charakter sind, für den das Menü geöffnet ist. Von wessen Charakter das Menü geöffnet ist kann seit Patch 1.01 am Charakterbild im inneren des Ring-Menüs erkannt werden. Zuvor fehlte ein Indikator.

Menü-Chaos in Version 1.00: Zu welchem Charakter gehört das Menü?

Menü-Chaos in Version 1.00: Zu welchem Charakter gehört das Menü?

Quasi selbstverständliche Konzepte fehlen im Spiel. Beim Einkaufen von Ausrüstungsgegenständen bei einem Händler können deren Eigenschaften weder angezeigt noch verglichen werden. Zwar wurde eine Anzeige einer „Mini-Map“ sowie ein Menüpunkt für eine Weltkarte hinzugefügt. Diese sind für die Orientierung jedoch ziemlich nutzlos, da sie keine Markierungen für Aufgabenziele oder Ortschaften enthalten. Auch muss man aufpassen nicht das aktuelle Ziel zu vergessen, da dieses nur durch die NPCs und Zwischensequenzen vermittelt wird und nicht in einem Logbuch nachgelesen werden kann.

„Game Over“ wie im 20. Jahrhundert

Der Schwierigkeitsgrad ist auf Höhe des Originals. Einige Gebiete und Bosse stellen den Spieler vor eine große Herausforderung, die mehrere Anläufe oder ein vorbereitendes grinden von Leveln erfordern können. Auffällig im Remake war das Gebiet des Geisterwaldes, in dem die Helden Bogenschützen-Gegnern gegenüber stehen. Im Original können die Bogenschützen nur in vier Richtungen (oben, unten, links oder rechts) Pfeile verschießen. Dies ermöglicht Treffer einfach zu vermeiden indem man sich Diagonal zu den Gegnern platziert. Im Remake können die gleichen Gegner in jede Richtung feuern. Dies macht es wesentlich schwerer ihnen auszuweichen. Das ist besonders frustrierend, da die KI-gesteuerten Gefährten nicht diesen auszuweichen und bei niedrigem Level und schwacher Ausrüstung schnell kampfunfähig werden.

Kampfunfähige Teammitglieder folgen einem als Geist.

Kampfunfähige Teammitglieder folgen einem als Geist.

Altbacken wirkt bei einem nicht unwahrscheinlichen „Game Over“, die Rückkehr zum Intro und Spielmenü. Das war zur Zeit des Originals üblich, fühlt sich heutzutage aber unnötig frustrierend an. Eine direkte Möglichkeit den letzten Speicherplatz zu laden wäre meiner Ansicht nach angemessener.

Was nicht dem 20. Jahrhundert entspricht sind die Ladezeiten. Das Original kennt diese bedingt durch die Funktionsweise des SNES nicht. Das Remake lädt dagegen bei jedem Gebietswechsel für wenige Sekunden bei einem schwarzen Bildschirm. Nicht wirklich hübsch aber besonders ärgerlich, wenn man versehentlich im Kampf eine der Übergänge betritt. Denn dann darf man zwei Mal warten und alle besiegten Gegner kehren ebenfalls wieder zurück.

Fazit zum Remake von Secret of Mana

Das Remake ist eine solide Aufbereitung des Originals mit liebevoll umgesetzter Grafik und vereinzelten Verbesserungen. Leider haben die Entwickler dabei das Handbuch außer Acht gelassen, so das Neulinge es schwer haben sich die Grundlagen anzueignen. Zusammen mit den stellenweise hohen Schwierigkeitsgraden laufen Spieler Gefahr frustriert zu werden. Damit verspielt Secret of Mana sein Potenzial für ein erstklassiges Remake. Lediglich Veteranen und Fans des Originals kommen so auf ihre Kosten.

Spieler die Secret of Mana nie gespielt haben, empfehle ich daher das Handbuch des Originals zurate zu ziehen. Die englische Fassung kann hier direkt von Nintendo bezogen werden. Auf Deutsch wird es offiziell nicht angeboten, hier helfen die freundlichen Bewohner des Neulands (deutschsprachigen Internet) weiter.

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