Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Rollenspiel

30.06.2020 von Joanna Lenc

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Am Sonntag (28.06.2020) fand bei OrkenspalterTV im Stream eine Talkrunde zum Thema Rassismus im Rollenspiel statt. Ich hatte die große Ehre als Gast dabei sein zu dürfen und bin sehr dankbar dafür, dass Nico und Mháire mich eingeladen haben.

Vorab möchte ich deutlich machen: ich schreibe und spreche hier als ich selbst, weder als Redaktion roterdorn noch als der Verlag Redaktion Phantastik oder eine andere Organisation oder Gruppierung, der ich angehöre. Das bedeutet aber nicht, dass mein Arbeitgeber, die Redakteure in der Redaktion oder die Verlegerinnen es anders sehen. Wir sind alle gegen Rassismus jedweder Art und sprechen uns gerne offen dagegen aus. Ich gebe einiges hier auch bewusst provokant von mir, da viele Reaktionen ebenfalls sehr provokant daherkommen. Das ändert aber nichts daran, dass ich voll und ganz hinter meinen Aussagen stehe. Und zuletzt: Ich bin nicht unfehlbar. Ich lerne jeden Tag Neues dazu und es kann durchaus sein, dass ich heute etwas anders sehe als morgen. Das bedeutet nicht, dass ich morgen rassistischer denken werde, im Gegenteil! Ich befürchte auch ich denke noch in Schubladen, die ich aber von Tag zu Tag mehr öffne.

Warum Rassismus gerade trendet

Momentan wird in vielen Medien heiß über das Thema diskutiert. Es wird sogar davon gesprochen, dass wir den Rassismus neu entdecken. Das tun wir nicht. Er ist allgegenwärtig, seit vielen Jahrzehnten, aber wir sind von Tag zu Tag besser vernetzt und bekommen mehr mit, was in unserem Land aber auch auf der Welt vorgeht. Mit Auslöser für die Debatte war aber eine Ankündigung des Spieleverlages Wizard of the Coast, die Magic the Gathering herausbringen und dort Änderungen vornehmen wollen. Speziell ging es dabei um die Karte mit der ID 1488 „Invoke Prejudice“ (dt.: Vorurteile beschwören), die aus dem Prgogramm entfernt wurde. Dazu gleich mehr.

Aber es geht auch um verschiedene Systeme, in denen von „Rassen“ gesprochen wird, von Vor- und Nachteilen, die diese „Rassen“ von Haus aus mitbringen und von Spielmechanismen, Abenteuern und Kampagnen, die zum Ziel haben ganze Völker auszurotten.

Was ist Rassismus überhaupt?

Ob wir jetzt über Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit sprechen ist fast schon egal, beides ist nah verwandt. Rassismus selbst ist eine Ideologie, nach der Menschen durch einige (wenige) äußerliche Merkmale in Rassen klassifiziert und beurteilt werden. Klingt zunächst gar nicht so wild, aber: Wichtig hier ist nicht nur die Klassifizierung, sondern auch die Beurteilung, die oftmals mit Verurteilung einhergeht. Außerdem geht es bei Rassismus auch darum sich selbst als überlegen darzustellen, weshalb oft auch die Rede davon ist, dass es Rassismus gegen „Weiße“ nicht geben kann, da „Weiße“ gesellschaftlich nun mal eine höhere Machtposition haben.

Dann gibt es noch die Fremdenfeindlichkeit, die nicht in Rassen unterteilt, sondern sich gegen alles richtet, was nicht so ist wie man selbst. Sei es eine andere Religion, eine andere Sprache, ja sogar ein anderes Bundesland innerhalb des Landes, in dem man wohnt oder geboren wurde. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind sehr nah verwandt. In denselben Topf gehören auch Sexismus und viele anderen Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

Was mich mit dem Thema Rassismus/Fremdenfeindlichkeit verbindet

Ich spreche akzentfreies Deutsch und habe deutsche Vorfahren. Ich bin blond, habe eine helle Haut und wurde katholisch erzogen. Nichts was darauf schließen lässt, dass ich aus dem Ausland komme. Zugegeben, Polen als Nachbarland ist nicht weit weg und vor vielen Jahren war es sogar deutscher Grund und Boden, aber dennoch habe ich 30 Jahre lang in Deutschland mit einem ausländischen Pass gelebt und durfte mir von Neonazis anhören, dass ich minderwertig bin, hier nichts zu suchen habe und ein Wirtschaftsflüchtling wäre. Ja, ich war ein Wirtschaftsflüchtling! Und habe heute ein abgeschlossenes Studium, verdiene mein eigenes Geld, zahle artig meine Steuern, bin nicht vorbestraft und niemand muss sich Sorgen um seine Brieftasche machen, nur weil ich in der Nähe bin.

Und wenn ich das geschafft habe, dann können das die Flüchtlinge aus Syrien (und alle anderen Ausländer dieser Welt) auch. Leider haben sie aber eine noch größere Hürde zu überwinden, denn ihnen sieht man direkt an, dass sie aus dem Ausland kommen, während ich rein äußerlich als Einheimische durchgehen könnte. Dennoch bin ich das Paradebeispiel dafür, dass Integration funktioniert!

Umgekehrt wurde ich aber auch in Polen angefeindet, weil ich als Deutsche die polnische Staatsbürgerschaft gar nicht verdienen würde. Sobald jemand mitbekommen hat, dass ich Deutsch spreche, durfte ich für gewisse Dienstleistungen mehr bezahlen, der Friseurbesuch war automatisch teurer, das Parken an bewachten Parkplätzen ebenfalls, Feilschen hatte keine Chance. Habe ich hingegen im Hotel meinen polnischen Pass ausgepackt zum Einchecken, sah die Welt wieder anders aus. Klar, man kann das auch als Kapitalismus bezeichnen, dennoch wurde ich anders behandelt, nur weil meine Herkunft anders war.

Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind also keine Phänomene, die nur in unserem Land und der USA vorkommen. Es gibt sie überall.

Kommen wir nun zu einigen Aussagen, die ich zu hören/lesen bekommen habe während der Talk lief:

„Rassismus gegen weiße gibt es nicht!“

Laut Definition ist Rassismus eine Ideologie, die Menschen aufgrund einiger weniger äußerlicher Merkmale in „Rassen“ klassifiziert und diese beurteilt. Wie weiter oben beschreiben geht dabei vor allem um Diskriminierung. Diese wenigen äußerlichen körperlichen Merkmale können die Hautfarbe sein, müssen es aber nicht. Die Körpergröße spielt auch eine Rolle und auch die Sprache wird gerne als Klassifizierung hinzugenommen. Entsprechend geht es nicht immer nur um die Hautfarbe und so können durchaus auch „Weiße“ Rassismus erfahren.

Wenn wir von Rassismus im Rollenspiel sprechen und beispielsweise Hobbits, Halblinge oder Gnome nehmen, dann können diese auch eine helle Hautfarbe haben und Rassismus erfahren.

Zudem geht es häufig gar nicht um den Rassismus selbst, sondern um das Anfeinden von anderen Personengruppen als denen, zu denen man selbst gehört. Entsprechend werden Rassismus und Fremdenfeindlichkeit oft synonym zueinander verwendet. Das mag nicht ganz richtig sein, aber in der Regel wollen wir doch eigentlich alle das Gleiche, oder?

Bevor wir weiter über die klare Definition von Rassismus streiten können wir uns doch auch einfach darauf einigen, dass wir hier von Fremdenfeindlichkeit sprechen, denn jeder Rassismus ist auch automatisch Fremdenfeindlichkeit. Dann müssen wir das Thema nicht für jede andere Unterart der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit neu aufrollen.

„Kartoffel-Deutscher ist auch rassistisch! Genauso wie „Schwarzer“!“

Es macht schon einen Unterschied, ob ich mich selbst als Kartoffel-Deutsche bezeichne, oder ob mich jemand anderes so bezeichnet. Das Wort selbst ist zudem vielleicht abwertend gemeint, vielleicht aber auch einfach beschreibend! Wenn ich meiner Mutter von meinen Freund*innen erzähle und ständig Namen in den Raum werfe, weiß sie vielleicht nicht, wen ich direkt meine, wenn ich aber sage „Nadine ist die Blondine, die letztes Jahr auf meinem Geburtstag war. Die Freundin von Sabine, das ist die mit dem grünen Punk-Iro“, dann beleidige ich Nadine nicht automatisch als Dummchen und Sabine wegen ihrer Frisur und politischen Einstellung, sondern beschreibe nur eine Äußerlichkeit, damit meine Mutter gleich ein Bild vor Augen hat und weiß, von wem ich da spreche.

Was das N-Wort betrifft, welches ich hier bewusst nicht ausschreibe: Nur weil sich die Personengruppe untereinander so nennt, heißt es nicht, dass es jeder tun darf. Unter Freund*innen sagen wir auch manchmal „Hey Dicke*r!“, ich würde aber schon etwas bedröppelt schauen, wenn mich ein Fremder so bezeichnet.

 „Aber die Magic-Karte ist doch gar nicht rassistisch?! Warum wird mein Spiel kaputt gemacht?“

Schon die Zahl 1488 ist sehr aussagekräftig, da sie eindeutig mit Rassismus einhergeht, die abgebildeten Personen auf der Karte, die als Ku-Klux-Klan-Mitglieder identifiziert werden können, trägt ebenfalls dazu bei, dass diese Karte umstritten war und ist. Wenn sich eine Firma dazu entschließt diese Karte aus ihrem Spiel zu nehmen, dann wird das seine Gründe haben und ist daher eher zu begrüßen als zu verurteilen. Damit positioniert sich WotC klar gegen den Rassismus.

Hätte das Spiel hingegen eine Karte mit Regenbogenfahne, die für die Befürwortung von Homosexualität steht, und die Firma hätte sich dazu entschieden diese aus dem Programm zu nehmen, wäre das auch ein deutliches Statement. Dadurch wird das Spiel weder seiner Regeln beraubt noch mindert es den Spielspaß, es gibt ja schließlich noch viele andere Karten, die verwendet werden können. Wer wegen einer (belanglosen und recht eindeutig faschistischen) Karte die Lust an einem Spiel verliert, sollte sich vielleicht Gedanken darüber machen, ob er nicht selbst eher faschistisch denkt oder ob ein anderes Spiel nicht viel besser für die Freizeitgestaltung geeignet wäre. Dass sich eine Firma aber klar und deutlich gegen Rassismus und Faschismus positioniert, ist grundsätzlich zu begrüßen!

„Bald muss ich aufpassen, ob ich weiße Schokolade oder dunkle Schokolade esse!“

Seriously? (dt.: Ernsthaft?) Warum? Hast du Angst, dass die dunkle Schokolade sich benachteiligt fühlt weil du weiße lieber magst? Ist ok! Ich entschuldige mich beim Einkaufen auch beim Schokopudding, wenn ich zum Fruchtjoghurt greife. Eines der Gründe, warum manche Menschen mich dabei komisch anschauen. Aber was soll‘s, jeder hat seine Macken.

Hier geht um deinen persönlichen Geschmack beim Naschen! Hingegen: Wenn du das als Analogie dazu nehmen willst, dass du aufpassen musst ob du mit „weißen“ Menschen oder „People of Color“ (dt: Menschen mit einer nicht-weißen Hautfarbe) verkehrst, dann ja: Pass mal auf! People of Color können nämlich deinen Horizont erweitern! Sie haben vielleicht eine andere Kultur und lassen dich über den Tellerrand hinaus blicken. Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit deinen Blickwinkel verändern. Dabei sollte jeder etwas aufpassen, weil er damit etwas fürs ganze Leben (bereichernd und positiv) lernen kann! Außerdem: Wer dich dafür verurteilt, positioniert sich auch deutlich auf der rechten Seite und so weißt du sofort, wer in deinem Umfeld ein Arschloch ist.

Natürlich können auch Menschen mit heller Hautfarbe aus einem anderen Kulturkreis kommen, auch sie können dich bereichern. Fühle dich frei mit den Menschen zusammen zu sein, die du magst und die du gerne um dich hast und die freundlich zu dir sind und lass dich nicht von Hass und negativer Stimmung runterziehen!

„Ich spiele Rollenspiele, um der Wirklichkeit zu entfliehen, ich will keine Politik in meinem Hobby!“

Wie im Talk von Ask bereits gesagt: Man kann nicht nicht-kommunizieren. Auch nichts sagen ist eine Art der Kommunikation. Gleiches gilt auch für die Politik. Man kann nicht nicht-politisch sein. Die Aussage „Ich positioniere mich auf keiner Seite“ ist bereits eine politische Aussage.

Würden wir überall die Politik außen vor lassen, würden keine Konflikte vorhanden sein, weder in Büchern noch in Filmen oder im Rollenspiel. Und wo keine Konflikte sind, muss man auch nicht eingreifen, oder mitfiebern. Entsprechend würden viele Bücher, Filme und Abenteuer ihren Sinn verlieren und das wollen wir doch auch nicht, oder?

Für mich persönlich sind gerade die Phantastik-Welten, in denen Gesellschaftskritik vorkommt, die besonders lohnenswerten, in die ich gerne eintauche. Müsste ich darauf verzichten, würde ich mir vermutlich ein anderes Hobby suchen.

„In meinem bevorzugten System sind die Orks die Bösen. Bin ich jetzt ein Rassist, wenn ich das gerne spiele und sie bekämpfe?“

Wenn du Orks gleichsetzt mit einem Meta-Menschen und du darauf deinen Hass auf eine reale Menschengruppe projizierst, dann würde ich diese Frage klar mit einem „Ja!“ beantworten. Wenn die Orks selbst nicht als Meta-Menschen definiert sind sondern eher wie Tiere (und nicht spielbar sind), dann würde ich mir Gedanken über deinen Gewaltkonsum machen. Aber ich würde jetzt nicht jedes System Wort für Wort auseinander nehmen und gleich rassistische Denke hinter jeder Personengruppenbeschreibung vermuten.

Viele Systeme sind so aufgebaut, dass sie auf realen geschichtlichen Ereignissen basieren. Die Autor*innen sind auch nur Menschen und haben sich bei der Ideenfindung an realen Vorbildern orientiert. Sind diese Personengruppen gleichberechtigt nebeneinander, würde ich den Autor*innen keinen Rassismus vorwerfen, es findet ja keine Diskriminierung statt. Haben sie Stärken oder Schwächen gegenüber den anderen, würde ich schauen, ob das nicht auf alle „Rassen“ zutrifft. Oft ist das nämlich so und dann findet dort auch ein Ausgleich statt. Ansonsten, wenn es um Fähigkeiten geht, die Klischees entsprechen, schau doch einfach mal, ob du sie bei der Charaktererschaffung nicht durchbrechen kannst! Wie? Dazu der nächste Punkt:

„Ich will kein klischeehafter Zwerg sein! Spiele ich einen, bin ich doch automatisch ein Rassist im System, oder nicht?“

Ich glaube es gibt kaum ein System, welches dir nicht erlaubt deinen Charakter anzupassen ohne die Regeln zu brechen. Was spricht denn dagegen ein dunkelhäutiger Zwerg zu sein? Oder ein Albino-Ork? Klingt komisch? Gibt es aber auch in der realen Welt. Es gibt tatsächlich Afroamerikaner mit heller Haut und blonden Haaren, obwohl alle Verwandten dieser Personen dunkle Haut und schwarze Haare haben (Stichwort: Albinismus).

Sollte das System selbst dir vorschreiben, dass du nur eine Hautfarbe haben kannst, spricht mit dem Spielleiter. Es gibt für alles Hausregeln, warum nicht auch dafür? Meistens sind die Beschreibungen der Völker / Rassen / Meta-Menschen nur eine Schablone. Wenn du plausibel erklären kannst, warum der Mensch die gleichen Vor- und Nachteile haben soll wie der Zwerg (beispielweise unter Zwergen unterirdisch aufgewachsen und daher lichtempfindlich) dann ist das total ok! Dazu macht man doch eine Charaktererschaffung! Ansonsten hätten wir je System nur eine Handvoll Charaktere und alle würden mehr oder weniger gleich aussehen.

Durchbreche gerne auch mal die Klischees! Alle Barbaren sind wütend und kämpfen gern? Mag sein, aber es gibt darunter bestimmt auch welche, die Katzenbabys süß finden und sich mit Hingabe darum kümmern. Spiel einfach mal damit. Wende Regeln wie „Ein negatives, ein positives und ein unberechenbares Klischee“ an oder kehre mindestens ein Klischee ins Gegenteil um. Lass den Zwerg kleinwüchsig oder den Elfen stark behaart sein (oder umgekehrt, den Elf kleinwüchsig und den Zwerg haarlos). Oder spiele einfach mal eine genderneutrale Figur in einem System, in dem es das sonst nicht gibt. Funktioniert das nicht aufgrund des Systems, dann such dir ein anders. Erlaubt es die Gruppe oder die Spielleitung nicht, dann such dir eine andere! Willst du aber so weiter spielen wie bisher, dann mach auch das!

„Ich mag böse Charaktere und will genau deshalb einen Rassisten spielen!“

Das kannst du auch gerne tun, wenn du das unbedingt willst. Die Frage, die sich mir nur stellt, warum? Weil du gerne auch mal der/die Böse sein willst? Eigentlich spricht nichts dagegen. Aber bedenke dabei, dass die Gruppe, mit der du spielst, das vielleicht ausnutzen könnte um dir und deinem Charakter das Leben schwer zu machen. Möchtest du es tun, um im Spiel eine Charakterwandlung zu machen (typische Heldenreise mit Gesinnungswechsel im Laufe der Zeit), dann ist das völlig in Ordnung. Willst du hingegen deine eigene Denke in das Spiel hineinbringen und der Charakter passt perfekt dafür, dann bist du nun mal ein Rassist. Lebe mit dem Echo.

Mein persönliches Fazit

Der Talk war sehr interessant und für viele Aspekte viel zu kurz. Man hätte viel detaillierter auf bestimmte Universen eingehen können wie Star Trek oder Numenera. Es war ein erster Versuch mit einer sehr durchmischten und ausgewogenen Gruppe, aus der ich viel für mich rausziehen konnte. Dass es manchmal am Thema vorbei ging (Rassismus vs. Fremdenfeindlichkeit) fand ich nicht schlimm, es gehört mit hinein! Oft wird es sogar synonym verwendet, auch wenn es laut Definition verschiedene Dinge sind. Für mich persönlich geht es bei Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Sexismus übergeordnet um dasselbe: Die Angst des Machtverlustes zugunsten einer Gruppe, der ich nicht angehöre.

Ich fände es interessant das Thema nochmal Anhand eines Systems aufzugreifen mit nützlichen Tipps, wie die Klischees aufgebrochen werden können. Oder mit Mechanismen für eigene Hausregeln, um es diverser zu machen. Ob wieder in Form eines Talks oder noch besser als Workshop ist mir dabei gleich, solange wir nicht aufhören über das Thema zu sprechen. Es ist nämlich nach wie vor relevant.

Abschließend kann ich sagen: Rollenspiel ist ein schönes Hobby, das der eigenen Phantasie kaum Grenzen setzt. Sicherlich finden wir oft viele Klischees, aber es liegt an uns diese zu durchbrechen, die Regeln neu zu interpretieren und da anzupassen, wo wir es für richtig halten. Kein Verlag wird bei uns an der Tür klopfen und uns Strafzettel ausstellen, nur weil wir Hausregeln benutzen. Und wer unbedingt die Klischees ausspielen will, ein Rassist ist und es auch im Spiel sein will: Niemand hindert euch daran in eurem Kämmerlein. Wenn ihr damit allerdings an die Öffentlichkeit geht, dann müsst ihr auch damit leben, dass ihr Gegenwind bekommt.

Je diverser wir aber im Rollenspiel sind, desto mehr ziehen wir daraus auf die Realität. Es bereichert uns, hilft uns bei der Konfliktbewältigung und erweitert unseren Horizont. Lasst eurer Kreativität freien Lauf!

4 Gedanken zu “Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Rollenspiel”

  1. Avatar ghoul sagt:

    Also, ist Rassismus nun ein Problem im Rollenspiel? Oder tritt er nur auf wenn ein Rassist mitspielt? Gibt es problematische Regeln und Regelwerke? Darf man Fantasy-Zwerge als Rasse bezeichnen? Ist es rassistisch, wenn ein Regelwerk Preise für Sklaven auflistet?
    (Wurden solche Fragen konkret mit den Orkenspaltern besprochen oder blieb die Diskussion im allgemeinen?)

  2. Avatar ghoul sagt:

    Ach, und gibt es Meinungen zum aktuellen Grolm-Gate?

  3. Joanna Lenc Joanna Lenc sagt:

    Hallo ghoul,

    ich habe an keiner Stelle gesagt, dass Rassismus nur ein Problem im Rollenspiel ist, im Gegenteil, ich erwähne ja sogar explizit, dass ich als echte natürliche Person Rassismus kennenlernen musste.

    Dass Rassismus auch dann auftritt, wenn kein Rassist mitspielt, wurde mehrfach angesprochen, unter anderem auch deshalb, weil in vielen Regelwerken von „Rasse“ die Rede ist. Rasse ist rein biologisch betrachtet absoluter Nonsens, weswegen viele Verlage und Spieleentwickler mittlerweile auf das Wort „Spezies“ umgestiegen sind.

    Sklaverei hat nur bedingt etwas mit Rassismus zu tun, ich kann ja auch jemanden als Sklaven halten, der zu meiner Spezies gehört (im Rolenspiel, also Menschen können andere Menschen als Sklaven halten in der Theorie). Alles andere ist immer Systemspezifisch was die Weltbeschreibung hergibt.

    Ich persönlich würde niemanden pauschal als Rassist bezeichnen, der Zwerge als „Rasse“ sieht. Selbst wenn wir verschiedene Rassen hätten (in echt, im Rollenspiel, wo auch immer) ist nicht automatisch jeder ein Rassist, der die andere „Rasse“ als andere „Rasse“ wahrnimmt, denn Diskriminierung muss dann zwanghaft nicht stattfinden.

    Es gibt bestimmt Meinungen zum Grolm-Gate, ich habe nur keine. Da ich so gut wie nie DSA gespielt habe und mich dort in der Welt praktisch gar nicht auskenne, weiß ich auch nicht, welche Probleme es mit ihnen gibt/geben könnte.

    Die Talkrunde haben wir versucht sehr allgemein zu halten, auch wenn viel über DSA gesprochen wurde (ich war die einzige Teilnehmende ohne tiefere DSA-Kenntnisse). Ansonsten kann ich dir nur raten dir den Talk selbst einmal anzusehen, ich habe ihn im Beitrag gleich im ersten Absatz verlinkt. Das hier soll keine Zusammenfassung des Talks sein, sondern eine Ergänzung mit meinen persönlichen Ansichten.

    Viele Grüße
    Joanna

  4. Avatar ghoul sagt:

    Danke für die Antwort!
    ‚Spezies“ finde ich OK. Das bei D&D irgendwann aufgekommene „Volk“ dagegen trifft es nicht ganz, weil ja bspw. Zwerge sich auch wieder in Zwergenvoelker unterteilen. Sklaverei ist mehr in den USA ein Reizthema, ich sehe das aber ähnlich wie du.

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