The Dead Brothers – Angst

08.04.2018 von Marcus Pohlmann

The Dead Brothers - Angst

Musiker:

Label: ,

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Laufzeit: 39 Minuten

Tracklist:
01 - Le Sifflet des Mineurs
02 - Les Papillons Noirs
03 - Everything's Dead
04 - Ghost Train
05 - Angst
06 - Pretty Polly
07 - Zeirly
08 - Did We Fail?
09 - Mean Blue Spirits
10 - Angela
11 - Baron Samedi
12 - Marie Mouri
13 - Es isch kei Soelige Stamme

Erscheinungsdatum: 23.02.2018

Sprache: Deutsch/Englisch/Französisch

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The Dead Brothers bezeichnen sich auf ihrer Homepage selbst als „The one and only Death Blues Funeral Trash Orchestra“ – was auch immer sich der Hörer darunter vorstellen kann. Gegründet wurde die Band bereits 1999 in der Schweiz und legt mit Angst ihr mittlerweile siebtes reguläres Album vor. Veröffentlicht wird der Longplayer, wie auch schon seine Vorgänger, über das Label Voodoo Rhythm Records, die offensichtlich eine Vorliebe für obskure Musik haben.

Für das kurze Intro „Le Sifflet des Mineurs“ bedient sich die Band einer Drehorgel, die langsam und ein wenig verloren vor sich hin dudelt. Tatsächlich würde diese Einleitung von der Stimmung her deutlich besser auf eine Beerdigung als auf einen Jahrmarkt passen. Darauf folgt ein Cover des Serge Gainsbourg-Stückes „Les Papillons Noir“. Zeichnet sich schon das Original nicht unbedingt durch sprühende Lebensfreude und Schwung aus, so machen The Dead Brothers daraus eine ziemlich finstere Nummer. Sowohl Tempo als auch Tonlage werden weit nach unten geschraubt und die eher gesprochenen als gesungenen Vocals tragen ihren Teil zur Stimmung bei. Bei den verwendeten Instrumenten bin ich mir nicht wirklich sicher – ich vermute, dass es eine Tuba und eine gezupfte/gespielte Geige sind, die einen Großteil des Stückes tragen, unterstützt vom Schlagzeug. Durch „Everything’s Dead“, beziehungsweise das Video dazu, bin ich überhaupt auf die Band aufmerksam geworden. Ursprünglich geschrieben für eine Theateraufführung von Schuld und Sühne in Hamburg, dreht es sich textlich um den Tod an sich. Eine herausragende Stellung nimmt hier die Percussion ein, die das Stück über die kompletten drei Minuten trägt. Am Anfang ist es die Gitarre, die für einige Country-/Western-Anleihen sorgt, diese wird allerdings gegen Ende von der Violine abgelöst. Der Gesang von Alain Croubalian komplettiert, zusammen mit dem spärlich eingesetzten Chor, die bedrückende Stimmung. Auch nach mehrmaligem Hören mein ganz persönliches Highlight des Albums und eines der eingängigsten Stücke auf Angst. Für den Titeltrack „Angst“, ebenfalls für eine Theateraufführung geschrieben, wechselt die Band ausnahmsweise ins Deutsche. Beginnt das Stück noch als Trauermarsch nimmt es es bald an Tempo auf und erinnert vom Stil eher an schnellere, durchaus tanzbare Klezmer-Nummern. Textlich bleiben die Musiker ihrer Linie treu – die Lyrics drehen sich um Angst, Schmerz und eine kleine Prise Wahnsinn. Das es nicht immer nur langsam und düster zugehen muss beweist „Pretty Polly“, einer neuen Interpretationen traditionellen Liedgutes. Schwungvoll und mit einem sehr eingängigen Rhythmus lädt das Stück sogar zum Mitwippen ein. Die Tuba bildet hier, zusammen mit dem Schlagzeug, den ruhenden Pol des Stückes, während Gitarre und Violine für die Melodie sorgen. Immerhin bleibt sich die Band beim Text treu und erzählt, mit verzerrten Vocals und Chor, die Geschichte eines brutalen Mordes. Bei „Mean Blue Spirits“ handelt es sich um ein weiteres Folk-/Blues-Cover, bei dem der Protagonist davon träumt von Teufeln und Dämonen in die Hölle gezogen und gefoltert zu werden. Der Sänger nutzt für das Stück eine merkwürdig gepresste Kopfstimme und wird dabei erneut von einem Chor unterstützt. Banjo und Bass sorgen im Anfangsteil für den musikalischen Unterbau, werden aber bald von Percussion, Tuba und Violine abgelöst. Ein schönes, entspanntes Stück, vom Text einmal abgesehen. Textlich dreht sich „Baron Samedi“ selbstverständlich um die gleichnamige Voodoo-Figur, die durch die Welt zieht und Tod und Verderben bringt. Der lockere, entspannte Sound erinnert mich dabei an einen Rumba – oder, um die Band zu zitieren „The Future of Death Disco“. Schlagzeug und Percussion haben eine tragende Rolle inne, Gitarre, Violine und Piano sorgen für die Melodie, und im Hintergrund sorgt eine Posaune (vermute ich zumindest) für abwechslungsreiche Akzente. Für das letzte Stück „Es isch kei Soelige Stamme“ greifen die Musiker auf traditionell alpenländische Volksmusik zurück. Hier führt Jane Mumford den Chor an, der durch Dudelsack, Glocken und Pauke unterstützt wird. Ein weiteres Highlight des Albums – und ein Lied, das sich recht krass vom Rest abhebt, aber die Vielseitigkeit der Band unterstreicht.

Nach mehrmaligem Durchhören von Angst habe ich zumindest eine grobe Vorstellung, was die Band mit „The one and only Death Blues Funeral Trash Orchestra“ meint. Tatsächlich zeichnen sich die meisten Stücke nicht unbedingt durch überschwängliche Lebensfreude und Optimismus aus – weder musikalisch noch textlich. Dennoch gleiten sie selten in tiefste Depression ab, vielmehr herrschen gepflegte Melancholie und bedrückte Stimmung vor. Sicherlich keine Musik für ausgelassene Feiern oder lange, nächtliche Autofahrten. Jedoch sorgen die Musiker immer wieder für kleine Lichtblicke, die auch zum Mitwippen einladen und für Abwechslung sorgen. Neben den gängigen Instrumenten sind im Booklet auch einige Exoten wie Drehorgel, Emmentaler Halszither, Harmonium oder „zerbrochene Dinge“ gelistet, die der Band ein breites klangliches Spektrum zur Verfügung stellen. Grade diese Kombination macht für mich viel vom Reiz des Albums aus.
Neben den digitalen Varianten des Albums wurde auch eine Schallplatte (einschließlich einer CD) veröffentlicht. Im beiliegenden Booklet gibt es einige Informationen zur Band, so werden hier beispielsweise elf Musiker mit ihren Instrumenten gelistet. Auch Angaben zur Entstehung und Instrumentierung der Stücke und die Texte sind vorhanden. Der ständige Wechsel zwischen Englisch, Französisch und Deutsch – stellenweise im gleichen Absatz – erschwert das Verständnis allerdings ein klein wenig.

Freunde ungewöhnlicher, abwechslungsreicher Musik, morbider Texte und obskurer Instrumente werden am Album von The Dead Brothers sicherlich ihre helle Freude haben. Für „normale“ Hörgewohnheiten ist der Longplayer dagegen nur bedingt zu empfehlen.

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