Nobody Knows – Folkslieder

08.01.2018 von Marcus Pohlmann

Nobody Knows - Folkslieder

Musiker:

Label:

Genre:

Laufzeit: 43 Minuten

Tracklist:
01 – Intro - Sommerhitze
02 – Es waren drei Gesellen
03 – Nun will der Lenz uns grüßen
04 – Es dunkelt schon in der Heide
05 – Es wollt' ein Bauer früh aufstehen
06 – In kummervollen Tagen
07 – Der Mond ist aufgegangen
08 – Wenn alle Brünnlein fließen
09 – Zogen einst fünf wilde Schwäne
10 – Die Gedanken sind frei
11 – Lustig, lustig
12 – Heidenröslein
13 – Nobody Knows The Trouble I've Seen

Erscheinungsdatum: 01.09.2017

Sprache: Deutsch

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Dass die Stendaler Band Nobody Knows gerne die Grenzen des Folk-Genres auslotet (und dabei auch dehnt), haben die Musiker auf ihren letzten Alben öfters unter Beweis gestellt. Auf ihrem aktuellen Silberling Folkslieder widmen sie sich dem (größtenteils) heimischen Liedgut und legen 13 Coverversionen altbekannter Stücke neu auf. Veröffentlicht wird das Digi-Pack wie gewohnt von Prosodia, die auch für die Produktion verantwortlich sind.

Für das nur einminütige „Intro – Sommerhitze“ stand Antionio Vivaldi Pate. Entsprechend klassisch ist auch die Instrumentierung des Stückes mit Violine, Klavier und akustischer Gitarre. Deutlich energischer präsentiert sich dagegen das folgende „Es waren drei Gesellen“. Ein eingängiger, treibender Rhythmus bringt das Stück voran und zwingt den Hörer zum Mitnicken; besonders fallen jedoch die beiden Violinen-/Schlagzeug-Solos auf. Beim Text dieses Trinkliedes wechselt sich die gesamte Band ab – jeder darf einen Part dazu beisteuern. Die Mundharmonika bei „Nun will der Lenz uns grüßen“ würde auch einer Country-Nummer gut zu Gesicht stehen; der restliche musikalische Unterbau erinnert eher an Bar-Jazz. Ein sehr interessanter Kontrast, der sich auch beim Gesang von Tabiha Harzer und Max Heckel fortsetzt. Eine sehr schöne Interpretation, der es gelingt meine traumatischen Schulerinnerungen an dieses Lied wieder wett zu machen. „Es wollt‘ ein Bauer früh aufstehen“ dürfte wohl den meisten Hörern aus der eigenen Kindergarten- oder Grundschulzeit bekannt sein. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass seinerzeit auf die letzte Strophe verzichtet wurde. Musikalisch am Irish Folk orientiert, wird die Geschichte eines gehörnten Ehemanns erzählt, angereichert mit Rap-Elementen und verteiltem Gesang der Bandmitglieder. Eine lustige, lockere Nummer, die sich wahrscheinlich hervorragend in einem Live-Set macht. Die fröhliche Grundstimmung der bisherigen Stücke weicht bei „In kummervollen Tagen“, dessen Text von Wilhelm Busch stammt, purer Melancholie. Ausnahmsweise übernimmt diesmal Frau Harzer den führenden Gesangspart, während sich auch die Instrumente ungewöhnlich zurückhalten. Aus irgend einem (mir unerklärlichen Grund) hat es mir bei diesem Stück das gedämpfte Schlagwerk von Aron Thalis besonders angetan – vielleicht als Ausgleich zur arg zurückhaltenden Gitarren- und Klavierbegleitung. Eine wilde Mischung aus Country und Klezmer liefern Nobody Knows mit „Die Gedanken sind frei“ ab. Wahrscheinlich liegt dieser Eindruck am Einsatz der Flöte und, zumindest würde ich darauf tippen, dem Banjo. Eine schmissige, fetzige Nummer, die dazu animiert, das Tanzbein zu schwingen. Dabei hat der über 250 Jahre alte, durchaus kritische, Text über die Meinungsfreiheit immer noch nichts an Relevanz verloren. Für mich sicherlich eines der besten Stücke des Albums. Schon bei ihrem ersten Auftritt anno 2001 spielten die Musiker bereits „Nobody Knows The Trouble I’ve Seen“ – was letzten Endes auch Pate für den Bandnamen stand. Das Piano klimpert entspannt vor sich hin und die Mundharmonika quäkt sehr charakteristisch. Von einem Gitarrensolo im Mittelteil abgesehen dienen die anderen Instrumente lediglich als Hintergrunduntermalung. Max Heckels etwas knarziger Gesang steht auch hier wieder in starkem Kontrast zu Tabiha Harzer klarer Singstimme – was auch diesmal recht gut funktioniert. Ein passender Schlusspunkt für ein Album voll althergebrachten (beinahe ausschließlich) deutschen Volksliedern.

An einige der Stücke kann ich mich noch (sehr) dumpf aus meiner Grundschulzeit erinnern – keine wirklich angenehmen Erinnerungen. Der Band gelingt es jedoch, diese Erinnerungen vollständig vergessen zu machen! Die Musik ist mal ruhig und melancholisch, dann wieder mitreißend, schwungvoll und tanzbar – immer passend zum Text. Die Musiker beschränken sich nicht auf eine Stilrichtung sondern mischen verschiedene Genres wild durcheinander, was erstaunlicherweise, wie schon bei den Vorgängeralben, recht gut funktioniert. Wirklich gut gefällt mir auch der mehrstimmige Gesang, der über genug Kontrast verfügt und den Stücken einen besonderen Reiz verleiht.
Das umfangreichen Booklet konzentriert in erster Linie auf Texte der Stücke, liefert aber zu jedem Lied auch eine launige Einleitung. Zur Band selbst und zur Produktion des Album finden sich dagegen leider nur rudimentäre Informationen. Diese, zusammen mit der einen oder anderen Hörprobe, gibt es jedoch auf der Internetpräsenz von Prosodia.

Nobody Knows schaffen es mit ihrer Interpretation altbekannten deutschen Volksliedern neues Leben einzuhauchen und sie wieder hörbar zu machen.

5 Gedanken zu “Nobody Knows – Folkslieder”

  1. Max Heckel sagt:

    Danke, Marcus. Ich werde wohl im Namen aller Musiker sprechen, wenn ich sage, dass es immer wieder ein Hochgenuss ist, eine Rezension zu lesen, für die sich der Autor die Zeit genommen hat, alles zu hören und inhaltlich zu reflektieren. Ein fettes DANKE!

    1. Ihr habt euch die Arbeit gemacht, die Sachen neu zu arrangieren und aufzunehmen.
      Da ist es dann doch nur fair, wenn man (also in diesem Falle ich) sich dafür auch entsprechend Zeit zum Anhören nimmt!

      Es gibt halt Gründe, warum Musik-Rezensionen bei mir immer ein „klein wenig“ länger brauchen… 😉

  2. Marcel sagt:

    Vielen Dank für die tolle Rezension!

  3. Angelika sagt:

    Volkslieder,… wer hört die noch, geschweige denn, singt sie noch… Nobody knows hat sie wieder duch IHRE musikalische Art und Weise neu zum Leben erweckt. Folkslieder!!! genial!

  4. Tabiha Harzer sagt:

    Vielen lieben Dank! Es ist wirklich eine tolle Rezension. Nochmal vielen lieben Dank!

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