Die Gutenberg-Bibel von 1454

18.12.2018 von Marcus Pohlmann

Die Gutenberg-Bibel von 1454

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ISBN: 978-3836572453

Format: Hardcover

Seiten: 1400

Preis: 100,00

Erscheinungsdatum: 22.08.2018

Sprache: Deutsch/Latein

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Während meiner Ausbildung zum Schriftsetzer in Mainz, irgendwann im letzten Jahrtausend, gehörten regelmäßige Besuche im Gutenberg-Museum zum Pflichtprogramm. Besonders die beiden dort ausgestellten Bibelexemplare im Tresorraum wurden von unserem Lehrer gerne als Musterbeispiel für herausragende Satztechnik herangezogen. Nun hat der Taschen-Verlag, bekannt für seine ungewöhnlichen Projekte, Die Gutenberg-Bibel von 1454 für das heimische Bücherregal veröffentlicht. Der Druck basiert auf der in Göttingen aufbewahrte Ausgabe der Bibel, die Jahr 2000 aufwändig digitalisiert wurde.

Um was geht es?

Normalerweise würde ich an dieser Stelle kurz auf den Inhalt des zu rezensierenden Buches eingehen. Allerdings sollte dieser, zumindest für die beiden Hauptbände, in groben Zügen bekannt sein. Der erste Band widmet sich dabei dem Alten Testament, der zweite Band enthält noch einen Teil des Alten und das komplette Neue Testament.

Ein ordentliches Päckchen

Ein ordentliches Päckchen

Die beiden Bücher sind als Leinen-Hardcover mit Lesebändchen mit jeweils rund 640 Seiten gedruckt. Eine Goldprägung wertet den Umschlag zusätzlich auf. Zusammen bringen die Bücher gute 8 kg auf die Waage, auch das Format ist mit ungefähr 23 mal 33 cm ungewöhnlich. Der Text ist zweispaltig mit 42 Zeilen (daher auch die häufig genutzte Bezeichnung B42) im Blocksatz in gebrochener Schrift gesetzt. Die Seitenaufteilung folgt dabei dem Goldenen Schnitt. Der Druck selbst ist schwarz, häufig sind kleinere Ausschmückungen und Initialen in Rot, seltener in Blau, nachträglich eingezeichnet. Daneben finden sich einige wenige handschriftliche Satzkorrekturen am Seitenrand. Die Kapitelanfänge wurden nach dem Druck, ebenfalls per Hand, häufig mit aufwändigem Buchschmuck verziert. Gelegentlich ist der Durchdruck der Rückseite zu erkennen, meist fällt das aber nicht weiter auf. Auch einige Verfärbungen und Beschädigungen des Pergaments sind gut erkennbar.
Der Ergänzungsband im Softcover ist dagegen etwas weniger opulent ausgestattet. Er enthält Detailbilder des Buchschmucks mit erläuterndem Text, sowie Stiche und Reproduktionen von zeitgenössischen Dokumenten. Im Mittelpunkt stehen die Ausführungen zur Entstehungsgeschichte der Bibeldrucke von Stephan Füssel, Professor für Buchwissenschaft an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität.

Keine leichte Lektüre

Keine leichte Lektüre

Das erste Kapitel widmet sich dem Leben Gutenbergs, der Entwicklung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, sowie seinen Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Die Entstehung der Bibeln ist Thema des zweiten Kapitels. Der Autor geht auf die handschriftliche Vorlage ebenso ein, wie auf den verwendeten Bedruckstoff, die Schrifttype und viele technische Aspekte der Entstehung. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Einband des Göttinger Exemplars und dessen Herkunft. In dem Helmaspergerschen Notariatsdokument, einem Schriftstück aus dem Jahr 1455, wird die Bedeutung Gutenbergs für den Bibeldruck belegt. Sowohl das Dokument, der Originaltext und die neuhochdeutsche Übersetzung sind in diesem Kapitel abgedruckt. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Göttinger Musterbuch. Dieses diente als Vorlage für den nachträglich per Hand gezeichneten Buchschmuck. Die detaillierte Anleitung zur Ausführung der Illustrationen (im Original und der Übersetzung) wird dabei durch zahlreiche Abbildungen aus dem Musterbuch ergänzt. Abgerundet wird dieses Kapitel durch Anmerkungen zur späteren Ausführung in der fertigen Bibel. Die Anhänge enthalten neben Bild- und Quellennachweisen auch die Standorte der verbliebenen Exemplare der Gutenberg-Bibel, außerdem Links zu digitalen Edition. Beispielsweise zur niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, auf der diese Reproduktion basiert. Ein Glossar mit satz- und drucktechnischen Begriffen ist ebenfalls vorhanden.

Gehört das Buch ins Regal?

Und das alles ohne InDesign

Und das alles ohne InDesign

Inhaltlich kann ich dem Text (mit nur rudimentären Latein-Kenntnisse) nicht wirklich folgen. Allerdings geht es mir in erster Linie um den typografischen, drucktechnischen und ästhetischen Aspekt der Gutenberg-Bibel. Es mag meinem beruflichen Hintergrund geschuldet sein, doch es macht einfach Spaß, die beiden mächtigen Bände durchzublättern. Alleine die Tatsache, dass es den Schriftsetzern und Druckern vor über 550 Jahren gelungen ist, ein solch umfassendes Werk in dieser Qualität zu produzieren ist beeindruckend. Der Blocksatz ist konsequent und sauber durchgehalten. Trennstriche stehen, so wie es sich gehört, außerhalb des Satzspiegels, lediglich die Registerhaltigkeit könnte besser sein. Und das alles ohne hochspezialisierte Software, kameragesteuerten Passer und weitgehende Automatisierung. Als Nachtlektüre eignen sich die beiden Bände alleine durch ihr Format und das Gewicht nicht, allerdings bekommen hier drucktechnisch interessierte Leser einen guten Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses, wahrscheinlich bedeutendsten, Druckwerkes. Der Band mit den ergänzenden Informationen geht nur relativ oberflächlich auf den Lebenslauf Gutenbergs ein. Dafür werden die anderen Aspekte der Bibel umso ausführlicher behandelt. Grade der Zusammenhang zwischen Bibel und Musterbuch, sowie die Entstehungsgeschichte des Einbandes bieten einen guten Einblick in die komplexe Produktion solch eines Werkes, mit einer Vielzahl Beteiligter.
Wie nicht anders von Taschen gewohnt – und dem Thema angemessen – legt der Verlag hier eine beeindruckende Ausgabe der Bibelreproduktion vor. Der Druck ist sauber, die Verarbeitung stabil und Kleinigkeiten wie die Goldprägung oder der stabile Schuber werten die Bände noch zusätzlich auf. Der Ergänzungsband weiß (neben dem Text) auch mit den Abbildungen von Originaldokumenten und den Details des Buchschmucks zu überzeugen.
Mehr Informationen über diese Ausgabe stellt der Taschen-Verlag auf seiner Homepage bereit.

Für mich gehört die Die Gutenberg-Bibel von 1454 immer noch zu den eindrucksvollsten Druckerzeugnissen – selbst wenn es sich hier „nur“ um einen modernen Nachdruck handelt.

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