The Eden House – Songs For The Broken Ones

13.08.2017 von Marcus Pohlmann

The Eden House - Songs For The Broken Ones

Musiker:

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Laufzeit: 68 Minuten

Tracklist:
01 - Verdades (I Have Chosen You)
02 - One Heart
03 - Misery
04 - 12th Night
05 - The Ghost Of You
06 - Ours Again
07 - It's Just A Death
08 - Words And Deeds
09 - Let Me In
10 - Kiss Kiss Bang Bang
11 - Second Skin
12 - The Ardent Tide

Erscheinungsdatum: 16.06.2017

Sprache: Englisch

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Bereits vier Jahr ist es her, dass The Eden House ihr letztes Album veröffentlicht haben – Zeit also endlich einen Nachfolger zu präsentieren. Der Band-Nukleus, bestehend aus Stephen Carey, Tony Pettitt und Simon Rippin, hat für Songs for the Broken Ones wieder eine ganze Reihe illustrer Gäste um sich geschart. So wechseln sich am Mikrofon unter anderem Monica Richards und Lee Douglas ab, während Simon Hinkler in die Saiten greift und Bob Loveday die Violine spielt. Wie schon die Vorgänger so wird auch dieses Album über Jungle Records veröffentlicht.

Monica Richards ist für einen guten Teil des Gesangs verantwortlich, so auch beim Opener „Verdades (I Have Chosen You)“. Mit immerhin viereinhalb Minuten Laufzeit das kürzeste Stück auf Songs for the Broken Ones, mischen sich hier die spanischen Lyrics mit einem englischen Refrain. Vor allem Schlagzeug und Bass bestimmen das (im Vergleich zum restlichen Album) recht hohe Tempo, die Violine kann bei der Geschwindigkeit mühelos mithalten und gelegentlich erinnert das Gitarrenspiel an einen Flamenco. Ein sehr vielschichtige, eingängige Nummer, die als erste Auskopplung vom Album auch als Video veröffentlicht wurde. Für „Misery“ übernimmt Louise Crane die Arbeit am Mikrofon. Während der erste Teil auf Violine und akustische Gitarre setzt sind es im späteren Verlauf die Drums, die die Führung übernehmen. Die Band streut immer wieder orientalisch anmutenden Passagen ein, während Frau Crane beim Gesang viel mit Hall arbeitet. Dadurch wirkt das Lied zwar etwas pathetisch, passt aber gut zur dominanten Violine und kommt ihrem Gesangsstil sehr entgegen. Meghan-Noel Pettitt, Frau von Bassist Tony, folgt bei ihren Vocals zu „The Ghost Of You“ dagegen einem ganz anderen Ansatz. ProgRock-Einflüsse paaren sich hier mit traditionellem Gothic Rock – sehr atmosphärisch, aber weitgehend auf Pathos verzichtend. Auch der Gesang ist deutlich weniger verspielt, vom Refrain einmal abgesehen. Eine sehr entschleunigte Nummer, die schon eine fast meditative Atmosphäre schafft. „It’s Just A Death“ mischt Elektronik, rockige Gitarren, einen hypnotischen Basslauf und getragene Drums zu einem ruhigen Klangbild mit einige härteren Spitzen. Dazu passt ganz hervorragend der schnörkellose Gesang von Lee Douglas, vielleicht als Vokalistin von Anathema bekannt. Deutlich in Richtung „klassischer“ Goth Rock geht „Words And Deeds“, bei dem wieder Monica Richards das Mikrofon übernimmt. Langsam, finster und bedächtig, dann übergangslos hart, energisch und dreckig wechselt die Musik mehrmals ihre Ausrichtung, während die einschmeichelnde Stimme von Frau Richards über dem musikalischen Grundgerüst liegt und alles zusammen hält. Einen krassen Schnitt beim Gesang vollzieht Kelli Ali bei „Kiss Kiss Bang Bang“ ab. Mit ihrer sehr auffälligen, leicht rotzigen Stimme und den gesprochenen Passagen unterscheidet sie sich deutlich vom Stil ihren Vorgängerinnen. Erst beim Refrain nähert sich das Klangbild wieder etwas an. Musikalisch präsentiert sich das Stück zwar sehr ruhig, aber grade die Gitarren bringen trotz der nicht vorhandenen Geschwindigkeit eine gewisse Schärfe. Erst gegen Ende wird die Nummer energischer und das Schlagzeug tritt deutlich in den Vordergrund. Für das letzte, und mit beinahe neun Minuten längste, Stück des Albums „The Ardent Tide“, teilen sich die Damen Pettit und Crane die Arbeit am Mikrofon. Elektronische Klänge und Sprachsamples leiten den Track ein, bevor der zweistimmige, teils verzerrte Gesang einsetzt. Wie schon bei früheren Stücken präsentiert sich die Musik hier langsam, fast träge, aber gleichzeitig durchaus druckvoll und energisch. Immer wieder unterbrechen Samples und längere Instrumentalparts den Track und die Wechsel im Tempo sorgen dafür,dass es dem Hörer nicht langweilig wird. Im Prinzip fassen The Eden House hier sehr passend alle Stilmittel zusammen, die sie über das komplette Album hinweg genutzt haben. Ein sehr ruhiger, entspannter und passender Schlusspunkt!

Für Songs for the Broken Ones nimmt sich der Hörer am besten eine gute Stunde Zeit und zieht sich mit Kopfhörer und einem Getränk seiner Wahl in einen gemütlichen Sessel zurück. Einige Stücke sind zwar durchaus rockig, schwungvoll und beinahe tanzbar, aber wirklich gut wird das Album erst beim bewussten Hören. Ich persönlich hätte mir noch ein bisschen mehr Druck und schnellere Parts gewünscht, so wirkt der Silberling beinahe schon eine Spur zu ruhig. Aber das ist durchaus Jammern auf hohem Niveau – die Band hat wieder ein sehr spannendes, vielseitiges Stück Musik abgeliefert. Die Auswahl der Sängerinnen passt hervorragend zu den Stücken und jede Dame bringt ihren ganz persönlichen Stil ein. Dabei ist es durchaus interessant, sie außerhalb ihrer eigentlichen Bands zu hören. Musikalisch erübrigt sich eine Diskussion sowieso, die Musiker beherrschen ihre Instrumente und beweisen zudem ein Händchen für ungewöhnliche, aber funktionierende Kompositionen und ein virtuoses Zusammenspiel. Es ist schwierig ein Stück besonders heraus zu heben da, auch nach mehrmaligem Hören, jedes Lied seine eigenen Stärken (Schwächen gibt es praktisch keine) hat.
Die Produktion ist extrem sauber – es lässt sich im Prinzip jedes Instrument genau heraus hören. Die Gesangsparts stehen gleichberechtigt daneben, ohne sich übermäßig in den Vordergrund zu drängen, lediglich auf den gelegentlich eingesetzten Hall hätte ich gut verzichten können. Das Digi-Pack kommt leider ohne Booklet und enthält nur eine Auflistung der Musiker und anderweitig Beteiligten.
Wer die Band bei einem ihrer raren Konzerte erleben möchte (was sehr empfehlenswert ist), muss im Spätherbst den langen Weg nach Großbritannien auf sich nehmen. Auf dem europäischen Festland sind derzeit leider keine Gigs von The Eden House geplant.

Auch mit Songs for the Broken Ones bleibt die Band ihrer Linie treu und liefert ein ruhiges, aber keinesfalls langweiliges, Album ab, das sich im weitesten Sinne dem Gothic Rock zuordnen lässt.

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