Jäger 90 – Fleisch Macht Böse

16. Februar 2012 von Marcus Pohlmann

Jäger 90 - Fleisch macht böse

Musiker:

Label: ,

Genre: ,

Laufzeit: 40 Minuten

Tracklist:
01 – Stärker Als Du Meinst
02 – Beim Ersten Mal Tat’s Nicht Weh
03 – Ich Schwitze
04 – Meine Seele Voller Lust
05 – Wenn Es Euch Nicht Passt Dann Lasst
06 – Immer Dümmer
07 – Ein Sägefisch
08 – An Manchen Tagen
09 – Ein Neuer Tanz
10 – Häuser Abgebrannt
11 – Wir Gehen Unseren Weg

Erscheinungsdatum: 01.08.2011

Sprache: Deutsch

Wenn eine Band namens Jäger 90 ihr Album Fleisch Macht Böse betitelt und sich dann auch noch mit schwarzen Lederjacken und Pilotenhelmen auf dem ansonsten weißen Cover in Szene setzt, kann sich der szeneaffine Hörer schon eine gewisse Vorstellung machen, in welche Richtung die musikalische Reise geht. Ein kurzer Blick in den Begleittext der Plattenfirma Out Of Line bestätigt dann auch den Verdacht, dass es sich bei den Herren um Vertreter der Stilrichtung EBM handelt, jener elektronischen Tanzmusik die in den frühen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihren Ursprung hat.

Der Opener „Stärker Als Du Meinst“ lässt an Musik aus einem vergangenen Jahrtausend denken. Monotoner Gesang, spartanische Instrumentierung und ein eher simpel gestrickter Text ähneln mehr diversen NDW-Perlen als an den angekündigten Old-School-EBM. Wesentlich beschwingter präsentiert sich jedoch das nachfolgende „Beim Ersten Mal Tat’s Nicht Weh“. Schneller und auch musikalisch etwas abwechslungsreicher erzählt Sänger Thoralf Dietrich hier die Geschichte der ersten großen Liebe. Hier nickt der Hörer unwillkürlich mit und auch die Beine zucken fast zwangsläufig. Für mich das beste Stück des Albums und sicherlich ein gelungener Tanzflächenfüller. Ebenfalls für den einschlägigen Dancefloor oder den heimischen Party-Soundtrack eignet sich „Ich Schwitze“, wobei hier eher der Rhythmus der Drums den Hörer wippen lässt, als die spärlichen Keyboard-Töne. „Meine Seele Voller Lust“ macht beim ersten Hören einen langweiligen und drögen Eindruck, gewinnt aber nach mehrmaligem Hören vor allem durch den Refrain einen gewissen Ohrwurmcharakter, bleibt aber sonst ohne größeren Einfluss. Das Intro zu „Wenn Es Euch Nicht Passt Dann Lasst“ könnte auch durchaus einem Computerspiel der 80er Jahre entsprungen sein, verliert sich aber recht schnell in gleichförmigen, monotonen Beats. Mit einem blubbernden, eintönigen und langsamen Sound kommt „Ein Sägefisch“ daher. Lediglich das Schlagzeug und die leichten Tempovariationen sorgen hier für etwas Abwechslung. Selbst nach mehrmaligem Hören kann ich diesem Stück leider so gar nichts abgewinnen. Wesentlich druckvoller beginnt „Ein Neuer Tanz“ und zieht den Zuhörer direkt auf die Tanzfläche. Hier stimmen Rhythmus, Effekte und auch der Text stört nicht weiter, sogar der Gesang variiert im Gegensatz zu den anderen Stücken. Für mich der zweite wirklich gute Track des Silberlings. Zurück zur gewohnten Kost geht es dann wieder bei den beiden letzten Stücken „Häuser Abgebrannt“ und „Wir Gehen Unseren Weg“. Und hier musste ich schon genau hinhören um mir auch sicher zu sein, dass es sich tatsächlich um zwei unterschiedliche Stücke handelt. Tempo, Beat und Gesang sind sich schon fast verblüffend ähnlich.

Jäger 90 versuchen erst gar nicht mit ihrer Musik etwas Neues zu schaffen, sondern huldigen hemmungslos dem frühen EBM, angereichert mit einem ordentlichen Schuss NDW und zitieren dabei immer wieder die übergroßen DAF. Dieses Konzept hält das Duo auch beharrlich und konsequent über die gesamte Spielzeit hinweg durch, ohne vom einmal eingeschlagenen Pfad abzuweichen. Allerdings ist diese Konsequenz für mich auch das größte Manko des Albums. Funktionieren einige der Tracks für sich alleine genommen ganz ordentlich auf Tanzfläche oder Party so bietet die Musik, aber auch der Gesang, auf Albumlänge gesehen einfach zu wenig um den Hörer bis zum Ende zu fesseln. Das Gleiche gilt auch für die Lyrics: pro Track nur wenige, zumeist sinnfreie Textzeilen, die exzessiv wiederholt werden reichen nicht wirklich aus um die Aufmerksamkeit des Hörers zu behalten. Es finden sich zwar auch einige wenige gute Ansätze, die tatsächlich einen Sinn vermuten lassen, diese werden dann aber direkt durch Zeilen wie „Ein Sägefisch kreist um Deinen Tisch“ umgehend relativiert. Auch hier kann ich mir das zwei oder drei Tracks lang anhören, aber dann stellt sich schnell ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Es mag Hörer geben denen diese Art von Musik auf Dauer gefällt, mir jedoch ist Fleisch Macht Böse trotz einiger Lichtblicke zu einfallslos, monoton und langweilig.
Die Ausstattung des Digi-Packs präsentiert sich ähnlich spartanisch wie die Musik. Auf ein Booklet wurde gänzlich verzichtet und lediglich drei Fotos und wenige Zeilen Text geben dem Hörer einen Hinweis auf die Beteiligten. Die Produktion hält sich professionell im Hintergrund, hätte bei dem einen oder anderen Stück aber durchaus noch etwas mehr Einfluss nehmen können.

Elektronische Tanzmusik der alten Schule, der allerdings etwas die Abwechselung fehlt.

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