Erdenstern – Immortalis

05.08.2018 von Marcus Pohlmann

Erdenstern - Immortalis

Musiker:

Label:

Genre:

Laufzeit: 80 Minuten

Tracklist:
01 - Immortalis
02 - Die andere Seite
03 - Das Land des Täuschers
04 - Das Dorf am Rande der Verdammnis
05 - Säufer, Schurken und Verfluchte
06 - Das Herz eines Helden
07 - Der Nebel
08 - Hexenreich
09 - Auf dem Wege
10 - Feenfürsten
11 - Die Beschwörung
12 - Das traurige Land
13 - Nachtjäger
14 - Das verfluchte Haus
15 - Der Stamm der Barbaren
16 - Tiefer, immer tiefer
17 - Sie wollen doch nur deine Seele
18 - Giganten
19 - Nebelweber
20 - Feuer, Pein und Erlösung
21 - Seelenfänger

Erscheinungsdatum: 08.06.2018

Sprache: Deutsch

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Nachdem Erdenstern mit ihrer Into the-Serie einige thematisch abgestimmte Soundtracks für Rollenspiel-Settings, beispielsweise für Abenteuer auf Hoher See oder für eine Reise durch die Wälder, eingespielt haben, setzt der Verlag mit seinen letzten Veröffentlichungen einen etwas anderen Schwerpunkt. Vermehrt produzieren die Musiker dabei Stücke, die auf ein bestimmtes Rollenspielsystem zugeschnitten sind und die verschiedenen Grundstimmungen des Spielhintergrundes zusammenfassen. Mit Immortalis legt der Verlag nun den Soundtrack für das Dark-Fantasy-Rollenspiel Seelenfänger vor, dass von der Redaktion Phantastik betreut wird. Einen Einblick in das Spiel bekommt der Leser auf der Homepage des Verlags.

Der Opener „Immortalis“ wird im Booklet als einleitend, sich steigernd, beschrieben – und genau das bekommt der Hörer hier auch geboten. Leise Töne und ein verhaltener Chor zu Beginn werden im Verlauf der beinahe fünf Minuten Laufzeit immer intensiver. Vor allem die einsetzende Percussion verleiht dem Stück deutlich mehr Nachdruck. Folkig angehaucht mit Flöten, Harfe und Schlagwerk präsentiert sich „Das Land des Täuschers“. Bei diesem schnelleren Stück kommt ebenfalls wieder ein Chor, diesmal mit Solistin, zum Einsatz. Einige disharmonische Zwischentöne geben diesem ansonsten recht gradlinigen Track eine interessante Note. Wild und ausgelassen eignet sich „Säufer, Schurken und Verfluchte“ hervorragend um eine klassische Fantasy-Kneipen- oder Feierszene zu untermalen. Der Gesang erinnert dabei an die (von mir sehr geschätzten) Dead Can Dance und das Stück würde sich sicherlich auch als Soundtrack für eine Mittelalter-Party geeignet. Deutlich ruhiger, aber auch finsterer, geht Komponist Andreas Petersen bei „Hexenreich“ zu Werke. Keine erkennbare Melodie, dafür ein durchgehendes Thema, welches immer wieder unterbrochen und verzerrt wird liefert eine beklemmende Stimmung am Spieltisch. Ich bin mir sehr sicher, dass ich einige Elemente des Stückes aus dem Soundtrack zu einem Horrorfilm kenne, was bei mir entsprechende Assoziationen hervorruft. „Die Beschwörung“ nimmt im Verlauf ihrer knapp drei Minuten zwar nicht an Geschwindigkeit, jedoch an Intensität zu. Die tiefen Töne stehen hier im Vordergrund, vor allem die Percussion steuert hier den Hauptteil bei. Erst Piano, dann Streicher und zu guter Letzt Bläser bauen um dieses Gerüst eine immer bedrohlichere Atmosphäre auf. Furios beginnt „Nachtjäger“, ausnahmsweise ist diesmal der Chor das bestimmende Element, zumindest zu Beginn des Tracks. Später tritt dieser etwas in den Hintergrund, auch die Geschwindigkeit lässt abrupt nach, nur um sich dann wieder zu steigern. Verschiedene kleine Eigenheiten, beispielsweise Glöckchengeklimper oder psychedelische Keyboard-Akkorde sorgen für eine verstörende Stimmung. Ein Hornstoß leitet „Der Stamm der Barbaren“ ein, auch Flöten kommen verstärkt zum Einsatz. Hier mischen die Musiker gekonnt Folk-Elemente mit druckvollem Orchester, dies alles getragen (und zusammengehalten) von martialischem Schlagzeug. Mit viel weniger Bombast kommt dagegen „Sie wollen doch nur deine Seele“ aus. Hier überwiegen wieder die leisen Töne, vor allem Streicher. Die Stimmung des freundlichen, vielleicht etwas melancholischen, Stückes kippt nach gut einer Minute und bedrückende, zunehmend finstere Töne schleichen sich langsam ein. Nach der Hälfte setzt der Chor im Hintergrund ein und sorgt verstärkt für eine finstere Atmosphäre. Auch die Intensität nimmt gegen Ende hin zu und vertreibt jegliche Leichtigkeit. Das abschließende Stück, und Titel des dazugehörigen Rollenspiels, „Seelenfänger“ lässt sich wohl am ehesten als episch beschreiben. Hier liefert Herr Petersen die passende Untermalung für das große Finale einer Rollenspielrunde. Die bedrohlichen Untertöne sind auch hier vorhanden, dennoch überwiegt das Erhabene des Tracks. Ein gelungener Abschluss von Immortalis – wobei er sich mindestens ebenso gut am Anfang gemacht hätte.
Zusammen mit den anderen Stücken des Soundtracks bekommt der Spielleiter hier die musikalische Untermalung für eine Vielzahl von unterschiedlichsten Szenen geliefert.
Einen kurzen Eindruck von der Musik kann sich der Hörer auf der Erdenstern-Homepage holen.

Natürlich beschränken sich die Nutzungsmöglichkeiten der CD nicht nur auf das Seelenfänger-Rollenspiel. Praktisch für jedes System, dass Horror- und Fantasy-Elemente aufweist eignet sich dieses Album. Dabei sind einzelne Stücke durchaus eindeutig einem bestimmten Genre zuzuordnen, während bei anderen die Grenzen verschwimmen. Vielseitig anwendbar kann der Spielleiter aus dieser (und natürlich den anderen CDs aus dem Verlagsprogramm) ziemlich jede denkbare Situation einer Rollenspielsession musikalisch untermalen und damit die Atmosphäre am Spieltisch deutlich verstärken. Die Arrangements sind abwechslungsreich, treffen die gewählte Thematik meist ziemlich genau und sorgen mit einigen unerwarteten Zwischentönen gelegentlich für Überraschungsmomente beim Hörer.
Jeder Track wird im Booklet mit drei passenden Adjektiven beschrieben, was dem Spielleiter eine erste, schnelle Orientierung ermöglicht. Ansonsten finden sich in dem zwölfseitigen Heft außer wenigen, stimmigen Illustrationen, praktisch keinerlei Informationen zum dazugehörigen Rollenspiel oder den Personen, die hinter Erdenstern stehen.

Wer für seine Rollenspielrunde einen Fantasy-Soundtrack mit reichlich düsteren Untertönen sucht, wird mit Immortalis sicherlich fündig.

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