The Plague Cometh – Hamelin Box Set

22. Juni 2016 von Marcus Pohlmann

Malifaux 2E - The Plague Cometh

Kategorie:

Autor: ,

Verlag / Publisher:

Genre: , , ,

Serie:

Erscheinungsdatum: 01.04.2016

Sprache: Englisch

Bei Malifaux 2E, dem Skirmish-Tabletop des US-amerikanischen Herstellers Wyrd Miniatures, wird gerne auf mythologische Gestalten und Märchen zurückgegriffen; beispielsweise hatten schon die vier Reiter der Apokalypse oder die sieben Todsünden ihren Auftritt. Auch der Rattenfänger von Hameln hat jetzt mit The Plague Cometh – Hamelin Box Set seinen Weg auf das Spielfeld gefunden und lässt zum Klang seiner Flöte Nagetiere, Kinder und gegnerische Modelle tanzen.

Ein Rattenfänger kommt nicht ohne Ratten aus, und so handelt es sich bei vier der zehn Modelle in der Box um Malifaux Ratten. Diese lästige kleine Biester stellen für sich genommen aber für die meisten gegnerischen Figuren keine Gefahr dar. In Massen können sie zwar unangenehm werden, aber ihre Hauptaufgabe besteht lediglich darin, den „Blighted“-Zustand an gegnerische Modelle zu verteilen. Nur wenig gefährlicher sind die drei Stolen, Straßenkinder, die auch als Totem (und Lebensversicherung) für den Master fungieren. Auch sie haben niedrige Werte, verteilen „Blighted“ und können im Austausch gegen mehr Ratten geopfert werden. Ein ganzer Lebenspunkt und ein schwacher Angriff verstärken dabei den Gesamteindruck. Im Prinzip das gleiche gilt für die Obedient Wretch, die immerhin ein wenig bessere Werte hat. Zusätzlich hat sie eine Fernkampfattacke, mit der sie neben geringem Schaden auch mehr Ratten ins Spiel bringt. Nix, der (untote) treue Terrier des Rattenfängers, hat als eines der wenigen Modelle dieser Crew einigermaßen akzeptable Werte und kann sich durchaus im Kampf behaupten. Auch der Hund hat mehrere Möglichkeiten „Blighted“ zu verteilen und verfügt über einige solide defensive Fähigkeiten, die sein Überleben sichern. Das letzte Modell der Box ist schließlich Hamelin selbst, vom Hintergrundher eine der mächtigsten Gestalten in Malifaux. Wie auch dem Rest seiner Crew, so fehlen ihm jedoch die Möglichkeiten es im Nahkampf mit einem Gegner aufzunehmen. Sein Schwerpunkt liegt eher darin die Kontrolle über die Aktivierung eigener und gegnerischer Figuren zu übernehmen und so den Kampf in die gewünschte Richtung lenken. Darüber hinaus kann er problemlos Stolen beschwören und diese opfern, sollte er in Gefahr geraten. Auch seine restlichen Fähigkeiten sind sehr defensiv ausgelegt und sorgen, zusammen mit seinen zwölf Lebenspunkten dafür, dass Hamelin bis zum Ende auf dem Feld bleibt.
Zu der Box gehören noch sechs Ausrüstungskarten, die es erlauben Modelle anderer Fraktionen zu rekrutieren oder die Kontrollmöglichkeiten Hamelins erweitern. In erster Linie dreht sich aber auch bei diesen Zusatzkarten alles um die Verteilung und Nutzung des „Blighted“-Zustandes, der der gegnerischen Crew schwer zusetzen dürfte.

Hamelin und seiner Crew fehlt auf den ersten Blick das Offensivpotential über das viele andere Truppen verfügen. Keines der Modelle, abgesehen von Nix und dem Master selbst, stellt in irgendeiner Form eine direkte Bedrohung dar. Die Stärke der Crew liegt eher darin das Spielfeld mit Ratten zu fluten und damit die Aktivierungen besser steuern zu können. Auch Hamelins Fähigkeit die Aktionen der gegnerischen Figuren zu kontrollieren unterstützt diesen eher defensiven Spielstil. Im späteren Spielverlauf hat der „Blighted“-Effekt dann einen stärkeren Einfluss auf die Figuren und selbst ein Stolen kann damit zu einer ernsthaften Bedrohung werden. Dieser Zustand erhöht sich jede Runde automatisch um eins und verursacht dann Schaden in der jeweiligen Höhe. Da praktisch jedes Modell der Crew diesen Zustand verteilen und weiter erhöhen kann kommen im späteren Spielverlauf recht eindrucksvolle Schadenswerte zusammen. Selbst hochgerüstete Enforcer oder gar Master bekommen so schnell Probleme, wenn sie den zustand nicht loswerden können. Darüber hinaus können einige Modelle „Blighted“ nutzen um neue Ratten zu beschwören, Interaktionen zu verhindern oder Boni im Kampf zu erhalten. Die Crew spielt sich sehr ungewohnt und defensiv, nach einigen Partien hat sich der Spieler jedoch an die Besonderheiten und Möglichkeiten von Hamelin gewöhnt.
Im Gegensatz zu vielen anderen Boxen die für Malifaux 2E erscheinen bekommt der Spieler mit diesem Set nicht annähernd genug Miniaturen um ein Standard-Spiel auszutragen. Für eine vernünftige, spielbare Truppe ist praktisch zwingend die Brotherhood of the Rat-Box nötig – diese hat zahlreich Synergien mit Hamelin und seiner Crew. Auch ein oder zwei Modelle die für Nah- oder Fernkampf ausgelegt sind wären hilfreich.
Die Modellierung der Figuren ist relativ einfach und etwas statisch gehalten, was in diesem Fall sogar ziemlich gut den Charakter der Modelle widerspiegelt. Die Details der Miniaturen sind teils ziemlich verstörend, beispielsweise bei dem kleinen Mädchen, das grade genussvoll auf einer Ratte herumkaut oder dem Terrier, der eigentlich nur noch eine leere Hülle ist. Einzig Hamelin wirkt dynamisch und macht, vor allem Dank seines Stabes, einen äußerst imposanten Eindruck. Der Zusammenbau gestaltet sich erfreulich einfach und sollte auch für den ungeübten Tabletop-Spieler kein größeres Problem darstellen. Einzig die winzigen Rattenfüße erfordern ein gewisses Fingerspitzengefühl.

Die Box von Wyrd Miniatures kann, sowohl was das Design als auch den spielerischen Aspekt angeht, wieder voll überzeugen und bringt einen der beliebtesten Master zurück nach Malifaux.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.