Sprengstoff

5. Januar 2015 von Marcus Pohlmann

Sprengstoff

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Erscheinungsdatum: 01.06.2014

Sprache: Deutsch

Im Portfolio des moses. Verlages finden sich zahlreiche Frage- und Quizspiele, alle voran natürlich die black stories-Reihe. In eine ganz andere Richtung geht das hier vorliegende Sprengstoff, bei dem die Spieler in einer Reihe von Spielvarianten teils recht persönliche Fragen beantworten müssen und damit den Mitspielern einen kleinen Einblick in ihr Innerstes gewähren.

Das Spielmaterial besteht aus insgesamt 57 großformatigen Karten, von denen auf fünf die verschiedene Spielvarianten und das Impressum untergebracht sind. Auf den restlichen 52 Karten befinden sich Fragen aus jeweils sechs Kategorien und schließlich ein Würfel, mit dem sich zufällig bestimmen lässt, aus welcher Rubrik eine Frage beantwortet werden muss. Zur Auswahl stehen hierbei die Themengebiete Alltag, Karriere, Sex, Freunde & Familie, Psychoanalyse, sowie Philosophie und Fortschritt.
Die erste Spielvariante enthält lediglich einige erklärende Worte zum Spiel, gibt den Spielern aber keinen wirklichen Hinweis, was sie nun mit Karten und Würfel anfangen sollen. Die zweite Variante sieht vor, dass eine zufällige Frage bestimmt wird und jeder Mitspieler, außer dem Fragesteller, nun eine Antwort darauf geben muss. Anschließend entscheiden alle Spieler gemeinsam, wer die beste, lustigste oder abstruseste Antwort gegeben hat. Auch eine Drinkspiel-Variante darf nicht fehlen, bei der ein Spieler antworten muss, während die Mitspieler dies kritisch hinterfragen. Erscheint die Antwort plausibel, so kann der Befragte seinerseits einem anderen Spieler eine Frage stellen. Sind die Mitspieler jedoch nicht damit zufrieden, so muss der Antwortende ein entsprechendes Getränk zu sich nehmen. Schließlich sollen sich in der vierten Spielvariante alle Spieler gemeinsam auf die bestmögliche Antwort zur betreffenden Frage einigen. Da die Spielregeln bewusst vage gefasst sind können die Runden ganz den Vorlieben der Spieler angepasst werden, auch auf ein Spielziel wurde verzichtet.
Für welche Variante sich die Spieler auch entscheiden mögen, letzten Endes geht es darum, die Fragen zu beantworten. Diese decken ein breites Spektrum ab und erfordern von den Spielern sogar manchmal ernsthaftes Nachdenken, beispielsweise wenn es darum geht welcher sozialen Schicht man angehört, mit welchem Mitspieler man auf keinen Fall in einer WG wohnen würde oder für welchen unnützen Beruf sich die Spieler begeistern könnten.

Über wirklich fest definierte Regeln verfügt das Spiel nicht und von den vier Spielvarianten funktioniert auch nur die dritte einigermaßen ordentlich. Dennoch tut dies dem Spaß beim Beantworten der Fragen keinen Abbruch und zudem es ist kein sonderlich großes Problem sich ein eigenes Regelgerüst zu erstellen. Natürlich gibt es hier einige peinliche oder merkwürdige Fragen, wie beispielsweise nach Geschlechtskrankheiten oder dem pädagogischen Wert einer Ohrfeige. Doch im Gegensatz zu vielen anderen, ähnlich gelagerten Spielen, erfordert Sprengstoff es durchaus, dass sich die Spieler mit den Fragen auseinander setzen, wollen sie eine ehrliche Antwort geben. Dabei halten die Autoren sehr gut die Balance zwischen Nonsens, Tiefgang und normalen Konversationsthemen und die Spieler dürften an den Fragen, und natürlich deren Beantwortung, ihren Spaß haben. Als interessanten Nebeneffekt erfahren die Spieler zudem noch einige Dinge von ihren Mitspielern, was wiederum für manche Überraschung sorgen kann. Voraussetzung dafür ist jedoch eine entsprechende, offene Einstellung und auch Reife aller Spieler, denn nur so kann dieses Spiel für die Beteiligten funktionieren, zudem macht es Sinn, nur im engeren Freundes- und Bekanntenkreis zu spielen, denn wildfremde Menschen geht es wenig an, wie ich zu meinen Schwiegereltern stehe oder mit wem ich besser nicht ins Bett gegangen wäre.
Vor allem die Box, einer überdimensionalen Streichholzschachtel nachempfunden, dient als erster Blickfang. Material und Verarbeitung sind sowohl bei der Schachtel als auch bei den Karten robust und hochwertig und geben keinerlei Anlass zur Kritik. Lediglich bei den Erklär-Karten mit den Spielvarianten hätte ich mir eine präzisere Formulierung oder gar eine praktikabele Variante gewünscht, so dass auch weniger erfahrene Spieler leicht einsteigen können.

Der moses. Verlag legt hier ein recht unterhaltsames und stellenweise durchaus anspruchsvolles Fragespiel vor, das, die richtigen Mitspieler vorausgesetzt, gut zu unterhalten weiß.

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