Im Schatten der Premiere

8. Mai 2017 von Marcus Pohlmann

Im Schatten der Premiere

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Spieleranzahl: 8 bis 9 Spieler

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Spieldauer: 3 bis 4 Stunden

Erscheinungsdatum: 02.04.2014

Sprache: Deutsch

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Das Spielkonzept der Krimi-Dinner ist nicht mehr ganz neu, allerdings bin ich erst vor kurzem auf diese Art Spiel gestoßen. Die Spieler schlüpfen dabei in die Rolle ihrer vorgegebenen Charaktere und versuchen über mehrere Runden hinweg den Täter in ihrer Mitte zu entlarven.
Der Dresdener Verlag Krimi total kann mittlerweile auf eine über 12jährige Erfahrung in diesem Genre zurückblicken und organisiert nebenbei auch noch aufwändige Live-Events. Das vorliegende Im Schatten der Premiere versetzt die acht oder neun Spieler in das Prag der 1920er Jahre – im Theatermilieu der Stadt gilt es den Mord an einer Schauspielerin aufzuklären.

In der kleinen Schachtel findet sich für jeden Spieler eine Rollenbeschreibung, in der er Hinweise zu seinem Charakter findet. Außerdem gibt es hier eine Zusammenfassung des Falles, eine Übersicht aller Verdächtigen und Informationen über die Charaktere der Mitspieler. Ein zweites Heft enthält Hinweise und Informationen, die der Spieler über mehrere Runden verteilt in die Ermittlung einstreut. Ein Briefumschlag enthält einige Gerüchte, die bei passender Gelegenheit ins Spiel kommen, auch ein Grundriss der Villa, der Ort des Verbrechens, darf nicht fehlen. Die Spielanleitung, sowie zwei weitere Hefte mit der Anklage und der Lösung liegen ebenfalls bei; komplettiert wird das Spielmaterial durch die Einladungen. Auf der Homepage des Verlages gibt es noch zusätzliche Rollenbeschreibungen, mit denen noch mehr Spieler teilnehmen können. Hier finden sich außerdem auch noch Hinweise für die gelungene Durchführung des Krimi-Dinners und zusätzliches Spielmaterial wie einen Sitzplan oder Tischkarten.
Zur Spielvorbereitung werden die Rollen verteilt (am besten schon vor dem eigentlichen Spieleabend), so dass sich jeder Spieler entsprechend vorbereiten kann. Auch für das ganze Drumherum, wie Räumlichkeiten oder Verköstigung, sollte eine gewisse Vorlaufzeit eingeplant werden.

Nach der Premiere des Theaterstückes „Wie ihr es wollt“ hat der Theaterintendant einige ausgewählte Gäste zu einer Premierenfeier in seine Villa geladen. Die Ermordung von Barbara Starova, der Hautpdarstellerin, dämpft allerdings die Partylaune der Gäste – einer der anwesenden Spieler muss der Täter sein. Bei den Verdächtigen handelt es sich um den Gastgeber Josef Tycha, seine Frau Helena und die Tochter des Hauses, Viola. Der Politiker Franz Thormayer hat sich ebenso eingefunden wie der Theaterkritiker Emil Hypschmann, die Baronin von Wolfhagen, die Varieté-Betreiberin Magdalena Husova und der Schriftsteller Tomas Magor. Der neunte Charakter, der herbeigerufene Polizeiinspektor Karol Fischer, fungiert dabei als eine Art Stichwortgeber, liefert neue Hinweise und bringt die Ermittlungen voran sollten diese ins Stocken geraten. Diese letzte Rolle muss nicht zwingend besetzt werden – die wichtigen Informationen können optional auch von den anderen Spielern geliefert werden.
Die Ermittlungen zu Im Schatten der Premiere teilen sich in fünf Runden auf. Die erste Runde ist dabei weitgehend der Vorstellung der Charaktere vorbehalten und dient zur Einführung in das Krimi-Dinner. In den folgenden Spielrunden liefern die Hinweishefte den Spielern Informationen, Gerüchte und Gesprächsanregungen, so dass sich unter den Spielern rasch eine lebhafte Diskussion entwickeln sollte. Praktisch jeder Charakter hat etwas zu verbergen und je weiter der Abend fortschreitet, desto mehr erfahren die Spieler über die anderen Personen am Tisch.
Schließlich ist nach der fünften Runde alles gesagt, alle Hinweise sind aufgedecktt und es folgt die Anklagerunde. Hier können die Spieler entweder schriftlich oder mündlich die vorgegebenen Fragen aus dem Anklageheft beantworten. Am Ende dieser Runde entscheiden die Spieler, wer ihrer Meinung nach der Täter ist – dieser wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Schließlich wird das Lösungsheft geöffnet und der tatsächliche Tathergang vorgelesen. Spieler, die sowohl Täter als auch Motiv richtig benennen konnten gewinnen das Spiel.

Am besten funktioniert Im Schatten der Premiere, eigentlich wie jedes andere Krimi-Dinner auch, wenn sich die Spieler ein wenig Mühe bei der Vorbereitung geben. Dazu gehört die passende musikalische Untermalung ebenso wie entsprechende Kleidung, im Idealfall auch thematisch abgestimmtes Essen und Getränke.
Die Autoren verzichten hier auf ein festes Skript und lassen den Spielern relativ viele Freiheiten in den einzelnen Runden. Unerfahrene Spieler könnten dabei Schwierigkeiten haben sich zurecht zu finden – mir aber gefällt die Flexibilität die sich daraus ergibt sehr gut. Dies erfordert es von den Spielern sich stärker mit ihrer Rolle auseinander zu setzen und nicht einfach einen vorgegebenen Text vorzulesen. Wichtig ist dabei, dass sich die Mitspieler auf die Situation einlassen, sonst wird das Spielerlebnis schnell zur Geduldsprobe für alle Beteiligten. Der eigentliche Kriminalfall und die sich daraus ergebenden Enthüllungen über die Spieler sind spannend und logisch aufgebaut; inklusive einiger überraschender Wendungen und menschlicher Abgründe. Auch die Charaktere sind in sich stimmig und haben nachvollziehbare Motive und Interessen. In der dieser Rezension zugrunde liegenden Spielrunde gelang es übrigens keinem der Spieler den wahren Täter zu überführen.
Das Spielmaterial ist durchweg solide und sollte den Abend ohne größere Blessuren überstehen. Sehr gut hat mir auch das zusätzliche Material auf der Verlags-Homepage gefallen, wertet dieses das Spiel doch noch weiter auf. Vielleicht hätten die Hand-Outs etwas aufwändiger gestaltet sein können, allerdings bin ich als Rollenspieler in dieser Hinsicht etwas verwöhnt.

Mit Im Schatten der Premiere bekommen die Spieler ein sehr schönes, stimmiges Krimi-Dinner, das ihnen viel Freiraum lässt und für einen spannenden Spieleabend sorgt.

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