Die Bestie 1: Präludium

26. Mai 2014 von Marcus Pohlmann

Bestie 1

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Erscheinungsdatum: 17.10.2013

Sprache: Deutsch

Vor langer, langer Zeit, genauer gesagt im Jahre 1991, kam der Leiter meiner Rollenspielgruppe auf die Idee von High Fantasy ins Horror-Genre zu wechseln. Nichts lag dafür näher als das damals grade erschienene H.P. Lovecrafts Cthulhu mit dem dazugehörigen Kampagnenband Bruderschaft des Tieres, was bei mir zu einer bleibenden Faszination für den Mythos um die Großen Alten führen sollte. Mittlerweile sind einige Jahre vergangen, der ursprüngliche Verlag existiert nicht mehr, ebenso wie meine damalige Spielrunde. Glücklicherweise hat sich jedoch Pegasus Press der Kampagne angenommen, sie gründlich überholt und massiv ergänzt, so dass aus dem relativ schmalen Heftchen von damals eine dreiteilige Hardcover-Ausgabe geworden ist, deren erster Teil Die Bestie 1: Präludium hier vorliegt.

Die ersten 30 der insgesamt 272 Seiten sind der Einleitung, dem Abenteuerhintergrund und einer Zusammenfassung der Kampagne vorbehalten. Diese, wie auch der Rest des Bandes, sind für den Spielleiter gedacht, lediglich das letzte Kapitel beinhaltet für Spieler zugängliche Informationen.
Daran schließen sich sechs Kapitel an, von denen jedes ein eigenes Abenteuer enthält. Zentrales Thema des ersten Kapitels „Das Geisterhaus“ ist eine mißlungene Seance, welche die Charaktere mit rachsüchtigen Gespenstern konfrontiert. Dies dient jedoch im Wesentlichen nur der Zusammenführung der Charaktere in New Hampshire, legt aber durch das Medium Paul LeMond auch die Grundlage für den weiteren Verlauf der Kampagne. Ebenfalls als Einstieg für eine neue Spielergruppe eignet sich das folgende „Der Vorfall in den Black Hills“, die sich im Auftrag des Konzerns New World Incorporated in South Dakota daran machen soll, mysteriöse Vorfälle in und um eine Mine herum zu untersuchen. Hier begegnen die Charaktere einer ansteckenden Form von Wahnsinn, paranoiden Bergleuten, merkwürdigen Insekten und hilfsbereiten Ureinwohner. Das dritte Kapitel „Das Heiligtum“ ist in Indien angesiedelt und kann ebenfalls dazu genutzt werden neue Charaktere in die Kampagne einzuführen. Im Auftrag eines Notars müssen sie mit dem Guru einer abgelegen wohnenden Sekte Kontakt aufnehmen und lernen dabei, dass nicht jeder Kult unbedingt blutrünstig und feindselig ist. Hat der Spielleiter auf diese Weise seine Spieler zusammengeführt, kann mit „Der Träumer“ endlich die eigentliche Kampagne beginnen. Paul LeMond, das Medium aus dem ersten Kapitel, ist spurlos von der Bildfläche verschwunden und die Charaktere müssen versuchen ihn wieder ausfindig zu machen. Erschwerend kommt dabei die Tatsache hinzu, dass New York gleichzeitig von einem Bandenkrieg erschüttert wird und es den Anschein hat, als wäre der junge Mann irgendwie darin verwickelt. Auf Grundlage einer Traumvision führt das vierte Kapitel „Guy Fawkes‘ Erben“ diesmal nach London wo es gilt die Hintergründe eines Attentates auf einen Lokalpolitiker aufzuklären. Nachdem sich die Charaktere in den vorangegangenen Kapitel schon mit wahnsinnigen Bergarbeitern, friedfertigen Kultisten, und rücksichtslosen Gangstern herumgeschlagen haben, werden sie in die Konfrontation zwischen Faschisten und Anarchisten hinein gezogen, während um sie herum ein gewaltiges Komplott Gestalt annimmt. Das letzte Abenteuer des Bandes, „Die Söhne des Horus“, führt die Charaktere von den Straßen Londons in die finsteren Grabmäler Ägyptens, wo es einzig darum geht, das nackte Überleben zu sichern und vielleicht auch die Auferstehung eines lange begrabenen Priesters zu verhindern.
Bei dem letzten Kapitel des Buches handelt es sich nicht um ein Abenteuer sondern um einen weiteren Eintrag aus der lockeren Reihe „Regionalia Cthuliana“. Hier konzentrieren sich die Autoren auf Indien, das in der Kampagne keine unwichtige Rolle spielt. Neben den üblichen Informationen über Land, Leute und Geschichte widmet sich dieses Kapitel auch den großen Städten Bombay, Kalkutta, Benares und Delhi. Abgerundet wird dieser Teil schließlich durch einige Szenarioideen mit denen der Spielleiter seinen Spielern in Indien die Zeit vertreiben kann.

Wie es bei Pegasus Press üblich ist, liefert der Verlag keine einfache Übersetzung der Original-Kampagne oder eine Neuauflage des alten, deutschen Materials ab, sondern hat alles gründlich generalüberholt, stellenweise massiv ergänzt und mit „Das Heiligtum“, „Die Söhne des Horus“ und „Regionalia Cthuliana: Indien“ sogar drei komplett neue Kapitel beigesteuert. Sehr interessant finde ich dabei die Idee, das jeder Spieler die Möglichkeit hat über die drei Einführungsabenteuer mehrere Charaktere zur Kampagne beizusteuern. Da die Szenarien teilweise eine hohe Sterblichkeitsrate aufweisen, ist so zumindest gewährleistet, das ein Charakter pro Spieler das Finale erreichen sollte. Die Abenteuer decken in unterschiedlicher Ausprägung recht solide das gesamte Spektrum ab, das die Spieler von Cthulhu gewohnt sind: Ermittlungsarbeit, wahnsinnige Kultisten, außerirdische Verschwörungen, mysteriöse Artefakte und eine ordentlich Portion Action. Hierbei ein wirklich herausragendes Szenario zu finden ist schwierig, da sie allesamt spannend sind und generell nur wenige Durchhänger haben. Mein persönlicher Favorit ist allerdings „Das Geisterhaus“ mit seiner beklemmenden Atmosphäre und allen Zutaten einer klassischen Spukgeschichte. Einen wirklichen Eindruck über das Ausmaß der Kampagne bekommen die Spieler in Die Bestie 1: Präludium jedoch noch nicht, sie finden zwar vereinzelt Hinweise auf die Machenschaften der „Bruderschaft“ doch sind sie noch nicht in der Lage diese einzuordnen.
Nicht nur inhaltlich sondern auch optisch unterscheidet sich der Band stark von seinen Vorgängern. Der Hardcover-Band kommt mit Lesebändchen, ausgesprochen stimmigen Fotos aus der Epoche und zahlreichen Handouts. Lediglich die wenigen Illustrationen wollen nicht so ganz zum restlichen Stil des Buches passen und auch das Layout sorgt das eine oder andere Mal für etwas Verwirrung, wenn die Absatzübergänge durch Randbemerkungen unterbrochen werden. Von diesen Kleinigkeiten abgesehen hat die Cthulhu-Redaktion wieder eine hervorragende Arbeit abgeliefert und liefert den Start für eine spannende Kampagne, die für einige lebhafte Spielesitzungen sorgen sollte.

Pegasus Press legt hier die generalüberholte Version einer der klassischen Cthulhu-Kampagnen vor und macht dabei wieder einen ausgesprochen guten Job.

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