Das Buch des Richters

4. September 2016 von Marcus Pohlmann

Das Warhammer 40.000-Universum ist ein lebensfeindlicher, finsterer und in großen Teilen rechtsfreier Raum. Spieler des Schattenjäger-Rollenspiels haben nun mit diesem Quellenband die Möglichkeit unter dem Abschaum der Galaxis für etwas Ordnung und Gerechtigkeit zu sorgen. Das Buch des Richters wird wieder in Kooperation von Ulisses Spiele und dem Heidelberger Spieleverlag herausgebracht und liefert dem Leser auf 172 Seiten Hintergrundmaterial über den Calixis-Sektor, die Kriminalitätsbekämpfung und den Adeptus Arbites, quasi die Polizeitruppen des Imperiums. Zudem bekommt er in dem Band noch ein passendes Abenteuer und Möglichkeiten zur Charaktergestaltung geliefert.

Das erste Kapitel konzentriert sich auf die Präsenz und Struktur des Adeptus Arbites im Calixis-Sektor. Dazu gehört die Vorstellung besonderer Mitglieder der Organisation ebenso wie die Beschreibung der verschiedenen Welten, auf denen die Truppe für die Einhaltung der imperialen Edikte sorgen. Besonderheiten wie Cybermastiffs, Detektive oder die Tatortspezialisten, sowie ein Überblick über herausragende kriminelle Organisationen runden dieses Kapitel ab.
Dem Charakterausbau widmet sich das zweite Kapitel. Hier bekommen die Spieler zusätzliche Hintergrundpakete, wie beispielsweise das Gangmitglied oder den Betrüger, die ihre ganz eigenen Vor- und Nachteile mitbringen. Zudem können Charaktere, wenn sie in der Hierarchie der Adeptus Arbites aufsteigen, Ränge wie Verispex-Adept oder Magistrat bekleiden. Diese Ränge dienen der weiteren Vertiefung der Rolle, sei es nun als Verhörspezialist, verdeckter Ermittler oder Spurensicherer.
Das, zumindest für die Spieler, wichtigste Kapitel beschäftigt sich mit der Ausrüstung der Charaktere. Die Bandbreite reicht hier von Schlagstöcken in verschiedenen Varianten über deutlich komplexere Waffen, wie das Pax Factorem-Scharfschützengewehr für chirurgisch präzise Eingriffe und standardisierte Ausrüstung, beispielsweise die allgegenwärtige Sturmschrotflinte oder die klassische Plattenrüstung. Ebenso stehen den Arbitratoren außergewöhnliche Mittel bei der Ausübung ihrer Pflicht zur Verfügung, so können die Funk-Lauscher unbemerkt Gespräche aufzeichnen, Mag-Schellen einen Verbrecher fixieren oder mit verschiedenen Drogen der Widerstand von Gefangenen gebrochen werden. Sollte es nötig sein, können die Spieler auf eine Reihe von bionischen Implantaten für ihre Charaktere zurückgreifen, ebenso wie Verstärkung durch Servitoren, Cyber-Schädel oder mechanische Greifvögel.
Das vierte Kapitel widmet sich schließlich dem eigentlichen Verbrechen und der grundlegenden Ermittlungsarbeit die zur Aufklärung notwendig ist. Der Spielleiter bekommt hier Ideen für Antagonisten, Mysterien, Probleme und Schauplätze geboten, damit er ein solides Abenteuer konstruieren kann. Die Zufallstabellen in diesem Kapitel ermöglichen darüber hinaus die Erstellung eines Tatablaufes ohne Vorbereitungszeit.
Die Beschreibung der Makropole Subrique mit ihren Vierteln, Bewohnern und Geheimnissen macht einen großen Teil des fünften Kapitels aus. Der Rest ist einigen kriminellen Individuen und Vereinigungen vorbehalten, deren Machenschaften im ganzen Sektor für Aufregung sorgen. Abenteueransätze und -ideen sorgen dafür, dass der Spielleiter diese Aspekte in seine Kampagne integrieren kann.
Abgeschlossen wird der Band durch das kurze Abenteuer „Jurisdiktion“. Hier müssen die Spieler zwischen Adeptus Mechanicus und der Ekklesiarchie vermitteln und versuchen die Hintergründe einer Schmuggelaktion aufzudecken. Neben diplomatischen Fußangeln bietet das Abenteuer aber auch Verfolgungsjagden durch die Schluchten des Mondes Donaris und Feuergefechte in engen Korridoren.

Beschäftigen sich die meisten Quellenbücher für das SciFi-Rollenspiel Schattenjäger mit der Bedrohung des Imperiums durch Mutanten, Ketzer oder Außerirdische, so widmet sich dieser Band der Aufklärung schon fast banaler Verbrechen. Der Spielleiter (aber auch die Spieler) erfahren hier viel über Arbeit und Struktur des Adeptus Arbites, die Feinheiten der Ermittlung in den Makropolenstädten des Calixis-Sektors und natürlich die potentiellen Widersacher mit denen sich die Ordnungsmacht herumplagen muss. Ausrüstung, Hintergründe und Entwicklungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass sich Charaktere ganz der Karriere in dieser Organisation widmen und adäquat ausstatten können. Die vorgestellten Antagonisten und das kurze Abenteuer geben dem Spielleiter genug Inspirationen und Hilfestellungen um seine Spieler vor kriminalistische Herausforderungen zu stellen, die nicht immer, wie sonst üblich, mit Bolter und Kettenschwert gelöst werden können. Aber auch für Spielleiter anderer Systeme in diesem Universum bietet der Band Informationen, die sie problemlos in ihre eigenen Kampagnen und Abenteuer einbinden können.
Layout, Aufmachung und Illustrationen sind, wie gewohnt, sehr ansehnlich. Ein Index fehlt zwar, allerdings macht das umfangreiche Inhaltsverzeichnis diesen Malus größtenteils wieder wett. Die Illustrationen unterscheiden sich im Stil sehr deutlich voneinander und weichen stellenweise weit von der bekannten Warhammer 40.000-Ästhetik ab, was ihrer Qualität allerdings keinen Abbruch tut.

Für Spielleiter, die in ihrer Runde auf Ermittlungsarbeit und kriminalistische Abenteuer Wert legen ist Das Buch des Richters eine hervorragende und beinahe unverzichtbare Ergänzung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.