Bohn to be wild!

26. Oktober 2012 von Marcus Pohlmann

Bohn to be wild!

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Genre: ,

Spieleranzahl: 1 bis 7 Spieler

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Spieldauer: ca. 60 Minuten

Erscheinungsdatum: 01.09.2012

Sprache: Deutsch

15 Jahre ist es mittlerweile her, das Uwe Rosenberg bei Amigo das kleine, unscheinbare Kartenspiel Bohnanza veröffentlichte und es kurz darauf seinen Siegeszug in der deutschen Spieleszene antrat. Mittlerweile sind zahlreiche Erweiterungen erschienen, Meisterschaften werden ausgetragen und das Spiel findet sich in fast jedem gut sortierten Spielerhaushalt wieder. So haben sich Verlag und Autor für das diesjährige Jubiläum auch etwas Besonderes einfallen lassen und liefern, neben vielen anderen Aktionen, mit Bohn to be wild! ein Spiel für bis zu sieben Spielern ab, welches sich zwar stark am großen Vorbild orientiert, sich aber doch in mancher Hinsicht sehr deutlich davon unterscheidet.

Etwas höher ausgefallen als die normalen Kartenspiel-Boxen des Verlags beinhaltet die Schachtel neben einer Übersichtskarte auch 154 Bohnenkarten in elf Sorten, von der gewöhnlichen Pferdebohne bis hin zur exotischen Yin Yang Bohne, sieben Handelskarten als Gedächtnisstütze für Tauschgeschäfte und die, mit 24 Seiten recht umfangreich ausgefallene Anleitung. Bei der Durchsicht der Karten fallen neben den komplett neuen Illustrationen zudem zwei Dinge dem geübten Bohnen-Spieler direkt ins Auge. Zum einen ist dies das Bohnometer, also die Anzeige, wie viele Karten ein Spieler für den Abbau einer bestimmten Bohnenanzahl bekommt. Diese Anzeige geht nun bis fünf Bohnentaler und die Verteilung ist anders als bei den schon bekannten Spielen. Das andere auffällige Merkmal bei einigen Karten sind kleine Piktogramme oben oder unten in der Illustration. Diese Bildchen kennzeichnen die namensgebenden „wilden Karten“ und sind in der Lage den Spielablauf gehörig durcheinanderzubringen. Sind diese Karten nämlich angebaut und das Piktogramm sichtbar, so gelten ihre jeweiligen Sonderregeln. Beispielsweise darf der Spieler Bohnenkarten einfach ablegen, anstatt sie anbauen zu müssen, die Reihenfolge der Handkarten spielt keine Rolle oder ein Mitspieler entscheidet ob der aktive Spieler eine oder zwei Karten anbauen muss. Nicht geändert hat sich dagegen das Spielziel, es gewinnt immer noch der Spieler, der am Ende die meisten Bohnentaler erwirtschaftet hat.
Zu Beginn eines Spieles werden alle Bohnenkarten gemischt und als Nachziehstapel bereit gelegt. Von diesem Stapel erhält jeder Spieler fünf Handkarten, deren Reihenfolge er nicht verändern darf. Ist ein Spieler nun an der Reihe, so besteht sein Zug aus mehreren Phasen. Im ersten Schritt muss er die obersten ein oder zwei Bohnen aus seiner Hand auf seinen Feldern anbauen, wobei immer nur Bohnen der gleichen Art auf einem Feld liegen dürfen. Danach deckt er vom Nachziehstapel drei Karten auf und hat nun die Möglichkeit, diese auf seinen eigenen Feldern anzubauen, oder aber mit den Mitspielern zu handeln und so möglichst wertvolle, aber auch passende Bohnen einzutauschen. Neben den drei aufgedeckten Karten können die Spieler auch mit dem aktiven Spieler Handkarten handeln und sich so unpassender Bohnen entledigen, ebenso ist es möglich, Bohnenkarten zu verschenken. Kann oder möchte der aktive Spieler keine Karten mehr handeln oder anbauen, so zieht jeder Spieler eine Karte vom Stapel und der nächste Spieler ist an der Reihe. Um an die begehrten Bohnentaler zu kommen, kann ein Spieler sich jederzeit dazu entscheiden eines oder beide Felder abzuernten. Je nachdem wie viele Bohnen er gesammelt hat, bekommt er die entsprechende Anzahl an Bohnentalern gutgeschrieben. Je nach Spieleranzahl wird der Ablagestapel mit den Karten mehrmals gemischt und erneut durchgespielt. Ist der Nachziehstapel schließlich das letzte Mal aufgebraucht, so wird die Runde noch zu Ende gespielt und danach die erwirtschafteten Bohnentaler ausgezählt.
Alternativ beinhaltet das Regelheft auch noch Spielvarianten für zwei oder gar nur einen Spieler, die einige Änderungen am Spielablauf notwendig machen, aber nach dem gleichen Grundprinzip funktionieren.

Eine der großen Stärken von Bohnanza war die ständige Interaktion der Spieler untereinander und das Feilschen um die besten Bohnendeals. Daran ändert sich auch bei Bohn to be Wild! nicht wirklich etwas. Das Handeln, Feilschen und Schenken steht weiter im Mittelpunkt und sorgt für großartige Unterhaltung am Spieltisch. Auch angeregte Diskussionen um den relativen und tatsächlich Wert bestimmter Bohnenkarten sind keine Seltenheit, ebenso wie die beharrliche Weigerung mancher Spieler Geschenke anzunehmen. Die neuen Aufdeck- und Zug-Regeln der Karten sind zwar für alte Hasen anfangs etwas ungewohnt, aber schon nach wenigen Runden ist diese Hürde überwunden und der Spielablauf geht leicht von der Hand. Etwas anders sieht es dagegen mit der Handhabung der „wilden Bohnen“ und ihren Zusatzregeln aus. Diese können die Spieler vor schwierige Entscheidungen stellen, bieten aber auch einige strategische Optionen, und können so stellenweise recht großen Einfluss auf das Spiel nehmen. Ob diese Änderung dem Spiel gut tut, muss allerdings jeder für sich entscheiden, letzten Endes tauscht der Autor damit Einfachheit gegenüber erhöhter Einflussnahme.
Das Regelheft erklärt die Regeln recht gut, auch werden die Unterschiede zum Original gezielt hervorgehoben. Die Beispielabbildungen hätten zwar durchaus etwas größer ausfallen können, aber sie sind ausreichend um alle wichtigen Spielmechanismen zu erkennen. Für die Illustrationen der Karten ist wieder einmal Björn Pertoft verantwortlich, der die verschiedenen Bohnenarten gelungen in Szene setzt.

Für Sammler und Fans der Bohnanza-Spiele ist der Kauf sowieso Pflicht, aber auch Liebhaber kommunikativer Handelsspiele kommen mit Bohn to be Wild! voll auf ihre Kosten.

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