The Private Collection 1980-1989

22. April 2012 von Marcus Pohlmann

The Private Collection 1980-1989

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ISBN: 978-3822845097

Format: Hardcover

Seiten: 960

Preis: 29,99

Erscheinungsdatum: 01.11.2010

Sprache: Deutsch

Der schwedische Verlag Private ist einer der größten und auch ältesten Anbieter von pornografischen Magazinen die es weltweit gibt. Schon seit Mitte der 60er Jahre, als andere Verlage nur verschämt Brustwarzen zeigten, wurde hier expliziter Hardcore-Sex abgelichtet. Im Laufe der Jahre verschob sich das Hauptgeschäftsfeld zwar immer mehr in Richtung Video- bzw. DVD-Veröffentlichung und auch Internet, dennoch hält der Verlag trotz sinkender Umsatzzahlen weiterhin an seinem ehemaligen Flaggschiff, dem Private Magazine und seinen verschiedenen thematischen Ablegern fest. Der renommierte Kunstverlag Taschen, immer für eine Überraschung gut, veröffentlicht jetzt in einer hübschen, kleinformatigen Box mit fünf Bänden das Beste aus der so genannten „Golden Era of Porn“, den Jahren 1980 bis 1989.

Edel aufgemacht, mit Goldprägung, aufwändig produzierten Umschlägen und einem schicken Schuber präsentieren sich die fünf Bände im Postkartenformat mit ihren insgesamt 960 Seiten optisch durchaus ansprechend. Für den Inhalt wurden die „historischen“ Original-Vorlagen des Verlages genutzt und um einige Archivbilder erweitert, wobei sich hier eine Zusammenfassung trotz des großen Umfangs recht einfach gestaltet: es geht schlicht und ergreifend um Sex und zwar keine erotisch-ästhetische Aufnahmen oder unter dem Deckmäntelchen der Aufklärung vermarktete Schmuddelbilder sondern puren Hardcore mit primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen in Nahaufnahme, gut ausgeleuchtet und in den verschiedensten Situationen. Ergänzt wird dies durch einige einleitende Worte der an diesem Sammelband Beteiligten und mehr oder minder aufklärerischen Texten zu Beginn jedes Bandes, die sich mit Themen wie Analverkehr, Doppelmoral oder Exhibitionismus beschäftigen. Ebenfalls enthalten sind einige erotische Illustrationen sowie knapp 50 verschiedene Cover die im Laufe der Jahre für das Magazin genutzt wurden. Bei genauerer Suche finden sich auch hin und wieder (nachgemachte?) Anzeigen für diverse Produkte die den Leser durchaus zum Schmunzeln bringen. Das Hauptaugenmerk dieser Bände liegt allerdings auf den verschiedenen Fotostrecken. Diese präsentieren sich als eine bunte Mischung aus diversen Szenarien, die von einfachem Pärchen-Sex über Solo-Frauen, lesbische Paare bis hin zu regelrechten Gang-Bang-Orgien reichen. Allerdings geht es zumeist nicht sofort zur Sache sondern es wird zumindest eine Alibi-Story entwickelt und abgelichtet. Hierbei kommen auch die durchaus abwechslungsreichen Kulissen zur Geltung, beinhalten diese doch neben diversen Wohn- und Schlafzimmern, auch Wälder, Burgruinen, Strände und weitere ungewöhnliche Settings. Spätestens nach drei Seiten wird sich allerdings auf den Akt selbst konzentriert und hier gibt es kaum eine Spielart des heterosexuellen Geschlechtsverkehrs die ausgelassen wird.

Tiefgründige Einblicke in die Machenschaften der Pornoindustrie darf der Leser bei diesem Schuber nicht erwarten, auch Informationen über den Verlag und seine Macher sind leider recht kurz ausgefallen. Viel mehr konzentrieren sich diese fünf Bände auf Sex in den verschiedensten Spielarten wobei der Hang des Gründers und Fotografen Berth Milton Sr. zu Szenen mit einer Frau und zwei, drei oder noch mehr Männern gerade in den späteren Veröffentlichungen überdeutlich wird. Die Texte zu Beginn jedes Bandes sind eher als Alibi zu verstehen und die Begleittexte zu den Szenarien sind auch nicht der Rede wert. Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist das fast vollständige Fehlen von Tattoos, Piercings und den mittlerweile allgegenwärtigen Silikonimplantaten der Models, was diesen ein eher realistisches Aussehen gibt. Dafür zeichnen sich die Damen meist durch blondierte und toupierte Frisuren und üppig wuchernde Schambehaarung aus. Die Herren glänzen ebenfalls mit allen Modesünden der 80er Jahre, angefangen bei fiesen Vokuhila-Frisuren über Goldkettchen und fliederfarbene Kleidung.
Die optische Aufmachung ist wieder hochklassig, so wie es der Leser vom Taschen Verlag gewohnt ist, allerdings eignet sich das recht kleine Format nur bedingt für die Produktion von Büchern dieses Umfangs, so dass beim Umblättern schon ein verdächtiges Knirschen aus dem Buchrücken zu hören ist. Auch überrascht die hohe Qualität der doch teilweise 30 Jahre alten Bilder, hier haben die Retuscheure des Verlages offensichtlich eine sehr gute Arbeit geleistet.

Für Nostalgiker und Sammler älterer Erotica ist diese Sammlung sicherlich interessant, als Stimulanz allerdings nur noch bedingt geeignet.

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