The Private Collection 1970-1979

22. April 2012 von Marcus Pohlmann

Private Collection I

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ISBN: 978-3822845080

Format: Hardcover

Seiten: 960

Preis: 29,99

Erscheinungsdatum: 01.10.2009

Sprache: Deutsch

Gelegentlich kommt es vor, das für den Betrachter die Grenzen zwischen Kunst und Pornografie nicht immer ganz einfach zu erkennen sind und sich die Frage stellt, wo die Ästhetik aufhört und der Schweinkram anfängt. Bei der vorliegenden Veröffentlichung The Private Collection 1970-1979 aus dem bekannten Kunstverlag Taschen stellt sich diese Frage allerdings nicht, handelt es sich doch hierbei um die frühen Ausgaben des schwedischen Hardcore-Porno-Magazins Private die für diesen Sammelband digitalisiert, aufbereitet und um unveröffentlichtes Material ergänzt wurden.

Der stabile weiße, kleinformatige Papp-Schuber präsentiert sich edel, mit goldgeprägtem Einleitungstext und einer dezenten Illustration. Auch die insgesamt fünf Bände der Sammlung kommen mit Goldprägung auf dem Cover und einem festen Einband daher, ergänzt durch ein Portraitfoto einer der Darstellerinnen.
Lediglich im ersten Band gibt es eine etwas ausführlichere Einleitung von Herausgeberin Dian Hanson zur Entstehungsgeschichte des Private Magazine und seinem Gründer, beim Rest der immerhin fast 1000 Seiten handelt es sich dagegen weitgehend um eine Zusammenfassung der damaligen Magazinveröffentlichungen, komplett mit den jeweiligen Titelbildern und einigen einleitenden Worten des Gründers, Fotografen und Herausgebers Berth Milton Sr. Diese beschäftigen sich zumeist mit Moral, Gesellschaft und den sexuellen Bedürfnissen des modernen Menschen. Inhaltlich bieten die Bände wenig Überraschendes: So dreht sich in den Fotostrecken alles um Menschen, die in den unterschiedlichsten Konstellationen und Positionen miteinander kopulieren. Die meisten Szenarien werden jedoch mit einigen Bildern eingeleitet, bei denen nicht die Darsteller im Vordergrund stehen, sondern welche die, teils exotischen, Schauplätze in den Mittelpunkt rücken. Diese reichen vom durchschnittlichen Wohn- bzw. Schlafzimmer, über Gefängniszellen oder den Mainzer Rosenmontagszug bis hin zu verlassenen Sandstränden auf Atlantikinseln. Mit der touristischen Idylle ist es jedoch bald vorbei, da es in der Fotostrecke danach jedoch schnell oral, vaginal, anal oder auch alles gleichzeitig zur Sache geht, ganz gleich ob es sich um normalen Paar-Sex, Dreier oder Gruppen mit mehreren Beteiligten handelt. Die in den Heften verstreuten Illustrationen runden lediglich die Reise in die Anfangsphase der Hardcore-Hefte ab.

Inhaltlich unterscheiden sich diese, immerhin schon fast 40 Jahre alten, Fotostrecken kaum von den heutigen Hochglanz-Pornos. Herausgeber und Fotograf Berth Milton Sr. erwies sich seinerzeit als erstaunlich experimentierfreudig und deckte ein breites Spektrum an sexuellen Aktivitäten ab, sogar leichte Fetisch- und BDSM-Einflüsse finden sich in manchen der Szenarien wieder. Milton stellt zwar einen gewissen ästhetischen Anspruch an seine Fotos, besonders deutlich wird dies bei den recht zahlreichen Landschaftsaufnahmen, doch geht es ihm in erster Linie um den Sex. Der Betrachter soll alles, wirklich alles, sehen können und so wechselt er häufig die Kamerapositionen und lässt auch nicht das kleinste Detail aus. Die Darsteller wirken, gemessen an heutigen Standards im Hardcore-Bereich, ungewöhnlich natürlich, wie normale Leute von der Straße. Es gibt keine grotesk operierten Brüste oder Lippen, keine Piercings oder großflächigen Tätowierungen, auch die meisten Schambereiche stehen noch in voller Haarpracht. Dafür sorgen die Frisuren und die Kleidung der Darsteller für einige unfreiwillige Lacher und liefern nebenbei gute Argumente dafür, dass diese Mode weitgehend in Vergessenheit geraten ist.
Wie von Taschen nicht anders zu erwarten ist die Qualität des Sammelbandes hervorragend. Die Bilder sind, gemessen an ihrem Alter, erstaunlich scharf und wurden mit großer Sorgfalt digitalisiert und nachbearbeitet. Auch die optische Präsentation mit Einband und Goldprägung wertet den Schuber weiter auf. Bedingt durch das kleine Format und die Bindung, lassen sich die Bände allerdings schlecht aufschlagen und der Einband gibt ein verdächtiges Knirschen von sich, wenn der Betrachter die Bücher vollständig aufklappt.

The Private Collection 1970-1979 ist vor allem für die Nostalgiker unter den Hardcore-Porno-Lesern gedacht, die einen Blick auf die Anfänge der Branche werfen wollen, tiefere Erkenntnisse über das Geschäft mit den erotischen Bildchen gibt es hier leider keine.

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