
Kategorie: Brettspiel, PC / Konsole, Tabletop
Autor: Jack Caesar, Matt Gilbert
Zeichner: David Lanza, team17
Entwickler: Caesar Ink., Riverhorse
Verlag / Publisher: Mantic
Genre: Partyspiel, Shooter, Strategie
Spieleranzahl: 2 bis 6 Spieler
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 45 Minuten
Erscheinungsdatum: 03.10.2024
Sprache: Deutsch / Englisch
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Es gibt wahrscheinlich wenige Computer- oder Konsolenspiele, die mich bereits so lange begleiten, wie die unterschiedlichen Ableger der Worms-Saga. Schon seit 1995 haben meine Mitspieler und ich (damals noch auf dem Commodore Amiga), die Würmer der gegnerischen Teams in die Luft gesprengt, mit Maschinenpistolen durchlöchert, durch Granaten eliminiert oder hinterhältig ins Wasser geschubst. Im Laufe der Jahre ist dies leider immer weniger geworden und nur noch selten wage ich mich an eine Solo-Partie auf der Konsole.
Einen Versuch das Spiel als Tabletop umzusetzen, gab es bereits Anfang der 2000er Jahre. Allerdings ohne den Segen von Team17, mit wenig durchdachten Regeln und lediglich einer Handvoll Figuren. Dennoch kam das Ganze häufiger auf den heimischen Spieltisch. Erst gut 20 Jahre später, im Sommer 2023 kündigten Mantic eine lizenzierte Umsetzung an. Worms – Das Brettspiel wurde mittels einer Crowdfunding-Kampagne realisiert und Anfang 2025 ausgeliefert.
Diese Rezension und die Inhaltsangabe beziehen sich auf die Standard-Variante des Spiels. Ich habe die „Collector’s Edition“ im Regal stehen. Der Spielablauf ist unverändert, allerdings enthält diese Version erheblich mehr Material. So sind beispielsweise Würmer in unterschiedlichsten Posen, neue Hexfelder, zahlreiche zusätzliche Karten und die Regeln für Spiele zu fünft oder sechst zu finden. Daneben gibt es noch eine deutlich abgespeckte Variante, die zur SPIEL ’25 in Form eines Adventskalenders veröffentlicht wurde.
Was steckt drin?
Es schadet nicht, sich vor der ersten Partie ausführlich mit dem Spielmaterial und besonders den Regeln auseinanderzusetzen. Die Grundlage bilden hier die doppelseitig bedruckten Kartenteile, die sich jeweils aus vier oder fünf Hexfeldern zusammen setzen und aus denen das Schlachtfeld entsteht. Neun einzelne Felder stellen die Wasserflächen dar. Ein weiteres Feld dient, mit einem Marker, der Anzeige der Windrichtung. Verschiedene Kartentypen kommen zum Einsatz, so beispielsweise die Abwurfkarten, die neue Kisten ins Spiel bringen oder auch Fallen enthalten. Die Waffenkarten ermöglichen den Würmern den Einsatz von , aus dem Computerspiel bekannten, Waffen und anderen Ausrüstungsgegenständen. So gibt es Granaten, Bazookas, Stahlträger oder Uzis. Auf diesen Karten finden sich neben einer Illustration auch Angaben zum Einsatz und zu den Auswirkungen. Schließlich gibt es noch die Sudden-Death-Karten, von denen eine pro Partie genutzt wird und die das Spielende deutlich beschleunigen.
Für jeden stehen vier Kunststoff-Würmer mit unterschiedlicher Ausrüstung (die keinen Einfluss aufs Spiel hat) und mit farbiger Kennzeichnung bereit. Ebenfalls in Form von Miniaturen gibt es Fässer, Minen und Nachschubkisten. Papp-Marker für Krater, Feuer, ein Fadenkreuz und eine Gefahrenmünze dienen dazu, verschiedene Spieleffekte zu dokumentieren. Insgesamt fünf zwölfseitige Würfel kommen bei der Ermittlung von Treffern und Abweichungen zum Einsatz. Diese tragen je einmal die Ziffern „1“ bis „6“, drei Treffer- und drei Windsymbole. Die deutschsprachige Anleitung umfasst 24 Seiten und wird von einigen Referenzkarten unterstützt.
Wie wird’s gespielt?
Vor Beginn einer Partie muss das Spielfeld aufgebaut und bestückt werden. Dazu nimmt sich jeder Spieler ein Kartenelement und legt dies so, dass es entweder an den Windanzeiger oder ein anderes Element anliegt. Jeder bekommt außerdem ein Set aus vier Würmern einer Farbe, einer Mine, einem Ölfass und einer Nachschubkiste. Diese Dinge werden nun abwechselnd auf dem Spielfeld platziert – allerdings dürfen sich nie mehr als drei Objekte in einem Hexfeld befinden. Erst jetzt wird zufällig bestimmt, welche Farbe ein Spieler hat. Zusätzlich erhält jeder ein Deck mit Handkarten, bestehend aus der Uzi, der Bazooka, dem Ninja-Seil, einem Stahlträger und einer weiteren Karte.
Schließlich stellen die Spieler noch den Stapel mit den Abwurf-Karten zusammen. Dazu kommen für jeden Mitspieler zwei Stück plus zwei zusätzliche ins das Deck. Den Abschluss bildet hier eine „Sudden-Death“-Karte. Nun gilt es lediglich, den Startspieler zu ermitteln.
Ist ein Spieler am Zug, so wählt er einen seiner Würmer aus und wickelt mit diesem die vollständige Aktivierung ab. Diese besteht aus verschiedenen Schritten – einige davon optional. Sollte der Wurm in einer vorangegangenen Wunde verletzt worden sein (er liegt auf der Seite), heilt er sich und wird wieder aufgestellt. Nun kann er sich zwei Mal bewegen, entweder in dem er in ein benachbartes Feld kriecht oder bis zu zwei Felder weit springt. Im Falle des Springens kann der Wurm „abweichen“. Dazu wird einer der zwölfseitigen Würfel geworfen und das entsprechende Ergebnis angewandt. Bei einer „1“ bis „6“ weicht er in die jeweilige Richtung auf der Windanzeige ab, beim Wind-Symbol in die aktuelle Windrichtung und bei einem Treffer-Symbol erreicht er das anvisierte Feld. Landet der Wurm dabei auf einem Wasserfeld, so wird er direkt aus dem Spiel entfernt. Befinden sich dagegen eine Mine oder Feuer auf dem Hexfeld, so wird die Gefahrenmünze geworfen. Hierbei erleidet der Wurm entweder eine Verletzung (er wird auf die Seite gelegt) oder kann dem Schaden entgehen. Kommt er bei einer Vorratskiste an, zieht er eine Nachschubkarte. Wenn die Bewegung vollständig abgehandelt ist, kann er eine Waffenkarte spielen.
Dazu werden alle Abschnitte auf der „Aktionslinie“ der Karte der Reihe nach durchlaufen und die Effekte ausgeführt. So führt man beispielsweise mit der Bazooka einen Trefferwurf mit der Waffengenauigkeit von vier Würfeln durch. Jedes Feld zusätzliche Entfernung reduziert die Würfelanzahl um eins. Ebenso wie bei der Bewegung bestimmt das Ergebnis die Abweichung – wobei sich der Spieler den Würfel aussuchen darf. Ist der Treffer ermittelt, so folgt der Waffeneffekt, in diesem Fall eine Explosion. Für alle Würmer und Objekte (außer Feuer) wird nun gewürfelt, ob es neben einem Schaden auch in ein anderes Feld verschoben wird. Schließlich kommt ein Krater-Marker in das anvisierte Hexfeld. Handelt es sich um den Krater, ist das Feld zerstört und mit einem Wasser-Plättchen gekennzeichnet. Nun darf sich der Schütze noch einmal bewegen. Setzt ein Wurm dagegen seine Uzi ein, kann er ein Feld weiter kriechen oder springen, dann automatisch einen Gegner in bis zu zwei Feldern Entfernung verwunden und sich nochmals bewegen. Eingesetzte Waffenkarten kommen auf den Ablagestapel.
Als Abschluss der Aktivierung werden noch etwaige anhaltende Effekte ausgeführt und der Spieler zieht eine Abwurfkarte und führt die Anweisungen aus, beispielsweise neue Nachschubkisten platzieren oder die Windrichtung ändern. Anschließend ist der nächste Spieler mit einem seiner Würmer an der Reihe.
Ist der Stapel mit den Abwurfkarten aufgebraucht, kommt die Sudden-Death-Karte zum Einsatz. Diese erschwert (und verkürzt) den Spielablauf. Beispielsweise scheidet ein Wurm nun bereits nach einem Treffer aus oder es kommen mehr Wasserfelder ins Spiel.
Sind alle Würmer einer Seite eliminiert, so wird noch eine Runde gespielt und die Partie endet. Der Spieler mit den meisten verbliebenen Würmern gewinnt.
Verschiedene optionale Regeln sorgen dafür, dass die Spieler die Abläufe, den Schwierigkeitsgrad, die Siegbedingungen und die Dauer anpassen können.
Kann das Spiel was?
Für eine Computerspiel-Umsetzung ist Worms – Das Brettspiel erstaunlich gut gelungen. Das Chaos, die grandiosen Zerstörungsorgien, die Schadenfreude und auch die (gescheiterten) heroischen Einzelkämpferaktionen der Würmer haben die Autoren sehr schön vom Digitalen ins Analoge transportiert. Natürlich müssen einige Abstriche gemacht werden, beispielsweise beim Gelände, dass langsam zerstört wird, aber der gefundene Kompromiss integriert sich problemlos in den Spielfluss.
Ich würde Worms nicht unbedingt als klassisches Brettspiel einordnen, sondern eher als sehr, sehr einfaches Tabletop, dies ist letzten Endes jedoch Geschmackssache. Es macht auf jeden Fall Spaß, vor allem in Partien mit vier oder mehr Spielern. Hier herrscht ein herrliches Durcheinander auf dem Spielfeld und die Wurmanzahl reduziert sich sehr schnell von ganz alleine. Ablauf und Spielmechanik sind recht einfach gehalten und zufallsabhängig, was dem digitalen Vorbild nahekommt, Taktiker aber abschrecken dürfte. Mir hat das Ganze ausgesprochen gut gefallen und es kommt, auch Dank der relativ kurzen Spielzeit und des ständig variierenden Aufbaus, regelmäßig zum Einsatz.
Die Artworks orientieren sich natürlich am digitalen Vorbild und unterstützen so Atmosphäre und Wiedererkennungseffekt nach Kräften. Symbole und Beschreibungen sind an sich logisch, jedoch manchmal ein wenig unglücklich erläutert. Nichts, was den Spielspaß stört, aber eben eine gewisse „Einarbeitungszeit“ benötigt. Gleiches gilt für das Regelheft – es ist zwar alles drin, aber die Anordnung ist teils durcheinander. Wobei die deutsche Variante sogar etwas übersichtlicher ist, als das Original. Allerdings hätte auch hier ein abschließendes Lektorat sicher nicht geschadet.
Ein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf den Figuren. Die Posen der Würmer sind jedem Computerspieler nur zu gut bekannt und ich würde sogar den Begriff „ikonisch“ nutzen – vor allem, was die zusätzlichen Miniaturen der „Collector’s Edition“ angeht. Detailgrad und Gussqualität sind gut und bieten sich für die nachträgliche Bemalung an. Mein wirklich einziger Kritikpunkt ist die Nutzung von grauem Kunststoff für die Würmer – hier wäre ein freundliches Pink viel passender gewesen.
Mantic Games haben auf ihrer Homepage alles Wissenswerte zum Spiel zusammengefasst. Hier gibt es auch die Möglichkeit beide Varianten (und den Adventskalender) zu ordern. Sogar einen kleinen Trailer als Einstimmung gibt es zu sehen. Wem die Mitspieler fehlen oder wer gerne Würmer auf dem Bildschirm meucheln will, findet HIER einen guten Einstieg.
Worms – Das Brettspiel bringt chaotischen, hinterhältigen und lustigen Spielspaß auf den heimischen Tisch – nicht nur für Nostalgiker zu empfehlen.
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