Warhammer Quest: Cursed City

06.06.2022 von Marcus Pohlmann

Warhammer Quest: Cursed City

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Spieleranzahl: 1 bis 4 Spieler

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Spieldauer: 120 bis 180 Minuten

Erscheinungsdatum: 28.05.2021

Sprache: Englisch

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Warhammer Quest von Games Workshop kam bereits in seiner ersten Inkarnation im Jahr 1995 regelmäßig auf den heimischen Spieltisch. Mittlerweile gibt es den Dungeon Crawler als digitale Umsetzung, als Kartenspiel, in einer SciFi-Variante und auch in einer überarbeiteten Version. In Cursed City, dem jüngsten Ableger, macht sich eine Gruppe tapferer Helden auf, einem Vampirfürsten in der Stadt Ulfenkarn das Handwerk zu legen.

Dieser Rezension liegt die erste englische Auflage des Spiels zugrunde. Nachdem diese rasch ausverkauft war, ist mittlerweile ein Nachdruck, auch in deutscher Sprache, erhältlich.

Was steckt drin?

Das Spielmaterial ist umfangreich und die Spieler tun gut daran, sich mit den verschiedenen Komponenten vertraut zu machen.
Insgesamt vier Hefte gehören zum Lieferumfang. Neben der 40seitigen Anleitung gibt es ein Heft mit den verschiedenen Questen. Außerdem finden sich hier die Hintergründe zur Stadt Ulfenkarn, eine Beschreibung der Spielercharaktere und Gegner, sowie zufällige Ereignisse, die Crises, die im Spielverlauf eintreten. Eine Warscroll enthält die notwendigen Angaben, um die Figuren im Tabletop Warhammer: Age of Sigmar einsetzen zu können. Ein separates Heft dient als Anleitung für den Zusammenbau der Miniaturen. Außerdem liegt ein mysteriöser Umschlag in der Schachtel. Erst wenn Radukar, der Endgegner des Spiels, besiegt ist, dürfen die Spieler diesen öffnen.

Willkommen in Ulfenkarn

Willkommen in Ulfenkarn

Das Spielfeld selbst setzt sich aus unterschiedlich geformten Raumteilen zusammen. Diese sind doppelseitig bedruckt und stellen die Straßen und Behausungen von Ulfenkarn dar. Türen und Zugänge verbinden die einzelnen Teile und dienen als Startpunkte für die Gegner. Eine ganze Reihe von unterschiedlichen Papp-Markern kommt im Spielverlauf zum Einsatz. Diese stellen verschiedene Zustände dar, beispielsweise Vergiftungen oder Betäubungen, dienen als Gedächtnisstütze für Verletzungen oder geben Auskunft über die aktuelle Stufe eines Charakters. Außerdem gibt es ein Tableau mit Rundenanzeige, Übersicht über den Stand des Abenteuers und den gemeinsamen Würfelpool der Spieler.

Im Spielverlauf kommen verschiedene Würfel zum Einsatz. Sechsseitige Würfel in weiß und schwarz werden für die Handlungen der Charaktere benötigt, ein W12 dient zur zufälligen Bestimmung verschiedenster Ereignisse. Für Aktionen werfen die Spieler je zwei sechs-, acht- und zwölfseitige Würfe. Diese zeigen jedoch keine Ziffern, sondern haben Leerseiten, normale und kritische Treffer aufgedruckt.
Zum Spielmaterial gehören verschiedene Sorten von Karten. Auf diesen sind beispielsweise die Fähigkeiten, die die Charaktere im Spielverlauf erlernen können gelistet und zusätzliche Ausrüstungen. Andere Karten dienen der Ermittlung der Gegner, der Zugreihenfolge, der Zusammenstellung des Spielplans oder stellen zufällige Ereignisse dar. Für jeden der zehn Charaktere und die verschiedenen Monstergruppen gibt es außerdem großformatige, doppelseitige Übersichtskarten. Im Falle der Helden setzen sich diese aus vier Ablageplätzen für Würfel und einer Abbildung zusammen. Hinzu kommen Angaben zu Vitalität, Verteidigung, Geschick und Bewegungsreichweite. Den größten Raum neben jedoch die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten ein, die dem Charakter zur Verfügung stehen. Die Rückseite enthält ähnliche Angaben, allerdings hat die Figur hier schon ein wenig Erfahrung gesammelt und ist stärker. Die Monsterkarten folgen dem gleichen Aufbau – auch diese haben auf ihrer Rückseite verbesserte Werte. Ansonsten finden sich hier Sonderregeln sowie Angaben zu Angriff und Bewegung. Mittels der aufgedruckten Tabelle ermitteln die Spieler die Aktionen der Gegner.

An Fluff wird nicht gespart

An Fluff wird nicht gespart

Um das Spielbrett zu bevölkern, tummeln sich zahlreiche Miniaturen in der Box. Diese müssen vor Spielbeginn erst vom Gussrahmen gelöst und zusammengesteckt oder -geklebt werden. Zehn Zombies und zehn skelettierte Stadtwachen, drei Fledermaus- und drei Rattenschwärme und zwei große untote Wächter bilden das Gros der Gegner. Hinzu kommen drei Vampire, Radukar der Wolf, der Herrscher von Ulfenkarn und sein vierköpfiger Hofstaat. Für die Spieler stehen acht Charaktere zur Auswahl: Ein Hexenjäger, ein Magier, eine Priesterin, eine Gardistin und ein Adliger, dazu eine abtrünnige Elfe, ein Zwerg mit Dampfmaschine und ein Oger für das Grobe.

Wie wird’s gespielt?

Zur Vorbereitung wählt jeder Spieler einen oder mehrere Charaktere, die er durch die Straßen und Gassen von Ulfenkarn führt. Zur individuellen Ausstattung gehört neben dem Charaktertableau eine Figur, ein Initiative-Marker und vier sechsseitige Würfel. Die Bodenpläne für das gewählte Szenario werden ausgelegt und die verschiedenen Kartendecks und Marker vorbereitet.

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen, beginnt die Partie, die sich über eine variable Anzahl von Spielrunden erstreckt. Jede Runde setzt sich dabei aus fünf Phasen zusammen, die nacheinander durchlaufen werden. Zuerst wird der Rundenmarker ein Feld voran bewegt und etwaige Besonderheiten der Mission abgehandelt. Darauf folgt die „Destiny Phase“, in der der Startspieler die fünf schwarzen Würfel wirft. Ist ein Ergebnis mehrfach vorhanden, werden die betreffenden Würfel abgelegt. Die übrigen bilden den gemeinsamen Würfelpool der Spieler, auf den sie bei Bedarf zugreifen können. Im nächsten Schritt würfeln sie ihre weißen Würfel und platzieren sie auf den freien Plätzen ihres Charaktertableaus.

Verwundungen reduzieren diese Plätze. Diese Würfel stehen später für Aktionen zur Verfügung. Zur Bestimmung der Zugreihenfolge werden sowohl die Initiative-Karten der Charaktere als auch die der Gegner gemischt und auf der entsprechenden Leiste ausgelegt. Schließlich haben die Spieler noch die Möglichkeit, die Reihenfolge zu verändern. Dazu müssen sie einen ihrer Würfel ausgeben und einen Agilitäts-Wurf machen. Ist der Wurf erfolgreich, tauscht der Charakter die Position mit einem Gegner.

Die Stadtwache sorgt für Ordnung

Die Stadtwache sorgt für Ordnung

Steht die endgültige Aktivierungsreihenfolge fest, kommen die einzelnen Figuren oder Gruppen zum Zug. Handelt es sich um einen Spielercharakter, kann dieser verschieden Aktionen ausführen. Die Anzahl der Würfel bestimmt dabei die Aktionen, deren Art durch das Würfelergebnis. So kann ein Spieler beispielsweise einen Würfel ausgeben, um sich auf dem Spielfeld zu bewegen, einen Gegner anzugreifen, Wunden zu heilen oder die Gegend untersuchen. Außerdem stehen jedem Charakter individuelle Fähigkeiten zur Verfügung. Um Aktionen und Angriffe auszuführen, ist eine Würfelprobe notwendig. Hier ist jeweils Art und Anzahl der Würfel vermerkt. Zeigt er eine Leerseite, scheitert das Unterfangen, ein Erfolg oder gar ein kritischer Erfolg bringen dagegen das gewünschte Ergebnis. Hat der Spieler alle Aktionen abgehandelt, kommt die nächste Karte in der Initiative-Reihenfolge an die Reihe.
Ist eine gegnerische Figur oder Gruppe an der Reihe, wird mit einem zwölfseitigen Würfel vom Startspieler deren Aktion ermittelt. So bewegen sie sich beispielsweise auf den nächsten Spielercharakter zu und attackieren diesen, rufen Verstärkung oder aktivieren eine Sonderfähigkeit.

Haben alle Charaktere und Gegner ihre Aktivierung abgeschlossen, wird, ebenfalls mit einem W12, in der letzten Phase ermittelt, was für ein Ereignis eintritt. Anschließend beginnt eine neue Runde. Hat der Rundenmarker einen bestimmten Wert erreicht, wird es Nacht in Ulfenkarn. Das bedeutet, dass die Karten der Monster umgedreht werden. Diese neuen Werte sind teils erheblich besser und stellen die Charaktere vor größere Herausforderungen.

Haben die Spieler das Ziel des Szenarios erfüllt, oder wollen sie sich zurückziehen, müssen sie ein bestimmtes Feld des Spielplans erreichen. Dort wartet das Luftschiff, das sie in Sicherheit bringt.

Abhängig davon, ob es sich bei der Partie um ein einzelnes Spiel oder den Teil einer Kampagne handelt, erfolgt nun noch eine Art Nachbereitung. Hier erhalten die Charaktere Erfahrung, können gesammelte Schätze nutzen um ihre Waffen zu verbessern und neue Fähigkeiten erlernen.

Kann das Spiel was?

Der freundliche Vampirjäger

Der freundliche Vampirjäger

Es gibt bei Warhammer Quest: Cursed City viele Aspekte, die mir sehr gut gefallen. So bringt die Aktivierung der verschiedenen Fähigkeiten durch Würfel eine Art Ressourcen-Management und ein zusätzliches taktisches Element ins Spiel. Durch die zufällige Aktivierungsreihenfolge wird die Erforschung der Stadt unberechenbarer und die Mini-Missionen für einzelne Charaktere, die Crises, lockern den Spielfluss auf. Hinzu kommen noch leichte Rollenspielelemente sowie eine stimmige Hintergrundgeschichte. Die Regeln sind einfach zu verstehen, bieten aber durchaus eine gewisse Spieltiefe.

Der kooperative Aspekt kommt ebenfalls nicht zu kurz – sei es durch die Aufteilung der Ressourcen oder koordinierte Angriffe auf schwere Gegner. Als Einzelspiel hat man eine Art Tabletop Light, mit dem man sich einen Abend beschäftigen kann. Wirklich gut wird das Spiel aber im Kampagnenmodus, mit dem sich eine Spielergruppe lange die Zeit vertreiben kann. Im Optimalfall benötigt die Gruppe 16 Abenteuer, bevor sie dem Vampirfürsten Radukar gegenüber steht. In den bisherigen Testrunden habe ich alleine und mit drei Mitspielern die Stadt durchstreift. Beides funktioniert gleichermaßen gut – wobei das Spiel in der Gruppe mehr Spaß macht. Durch die Spielmechanik erspart man sich außerdem einen Spielleiter, was der Atmosphäre zu Gute kommt.

Radukar mit seinen Schergen

Radukar mit seinen Schergen

Die Gestaltung ist stimmig und recht düster gehalten, passend zur Vampirthematik. Die Bodenplatten zeigen die Spielumgebung detailliert und vermitteln den Eindruck einer Stadt im Verfall. Auch über das Design der restlichen Spielmaterialien lässt sich nichts Negatives sagen. Wirklich hervorragend sind die Miniaturen – hier zeigt sich die jahrzehntelange Erfahrung von Games Workshop. Die Figuren sind ausgesprochen detailliert, dabei einfach zusammenzubauen und abwechslungsreich gestaltet. Besonders die Spieler-Charaktere und Hauptgegner sind hier hervorzuheben, aber selbst das Design der Ratten oder Zombies ist ansehnlich.
Die Regeln sind verständlich geschrieben und ermöglichen, Dank vieler Beispiele, einen schnellen Einstieg. Die Orientierung in den Heften ist dagegen etwas umständlich, da häufig verschiedene Tabellen oder Textabschnitte zu Rate gezogen werden müssen. Hier hätten separate Übersichtsbögen das Ganze etwas erleichtert.

Games Workshop haben für das Spiel eine Homepage eingerichtet, auf der man sich die einzelnen Komponenten im Detail anschauen kann. Außerdem gibt es hier Hintergrundinformationen zu den Charakteren, zu Ulfenkarn und den Bewohnern der Stadt.

Warhammer Quest: Cursed City ist ein rundum gelungener Dungeon Crawler und, zumindest aus meiner Sicht, der bisher beste Ableger der Serie.

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