Trial by Trolley

07.09.2022 von Marcus Pohlmann

Trial by Trolley

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Spieleranzahl: 3 bis 13 Spieler

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Spieldauer: ca. 15 Minuten

Erscheinungsdatum: 20.10.2020

Sprache: Deutsch

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Der einen oder dem anderen dürften vielleicht die Comics von Cyanide & Happiness bekannt sein. Seit über 15 Jahren treiben die Strichmännchen im Internet ihr Unwesen und liefern dabei eine Mischung aus bösen, makabren, lustigen und manchmal auch geschmacklosen Scherzen. Mittlerweile gibt es ergänzend zu den ursprünglich kurzen Cartoons eine Animationsserie und mehrere gedruckte Bände. Außerdem basieren auf dem Franchise noch einige Video- und Kartenspiele. Trial by Trolley ist das zweite Spiel, das die Illustrationen der Comics nutzt, und wurde Ende 2020 nach Abschluss einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne von Skybound Games entwickelt. Um die reguläre Veröffentlichung auf dem heimischen Markt kümmern sich, wieder einmal, Asmodee.

Was steckt drin?

In der länglichen Schachtel befinden sich 500 Karten, die sich in drei Gruppen unterteilen. Den größten Teil nehmen dabei die „Unschuldig“-Karten mit einer gelben Rückseite ein. Auf diesen sind nette Personen und Dinge aufgedruckt, beispielsweise Keanu Reeves, ein Wissenschaftler, der die Welt retten wird, ein Lotto-Gewinnschein oder eine Prinzessin. Die „Schuldig“-Karten haben dagegen eine rote Rückseite und sind unangenehmen Zeitgenossen vorbehalten. Hier finden sich die Reiter der Apokalypse ebenso wie ein Terrorist, Killerbienen oder der Große Cthulhu. Die Modifikator-Karten haben schließlich eine weiße Rückseite. Auf der Vorderseite ist Bahn-Bernd abgebildet, dazu noch eine Aussage, mit denen sich eine der anderen Karten modifizieren lässt. Möglichkeiten wie „…hält Deine Familie als Geiseln gefangen…“, „…wird die erste Person die über 150 Jahre alt wird…“ oder „…wählt die AfD…“ geben dabei den anderen Karten eine völlig neue Bedeutung.

Die Ausgangssituation

Die Ausgangssituation

Der kleine Spielplan, zeigt eine Gleisgabelung mit einer Weiche, über die der Zug auf eines der beiden Gleise fährt. Die Regeln finden auf einem vierseitigen Faltblatt Platz. Marker für den Startspieler und die Punktewertung ergänzen das Material.

Wie wird’s gespielt?

Zu Beginn bestimmen die Spieler jemanden, der in der ersten Runde die Rolle von Bahn-Bernd, dem Zugführer, übernimmt. Die verbliebenen Mitspieler teilen sich grob in zwei Teams auf – die allerdings immer wieder wechseln. Nun zieht ein Mitglied jeder Gruppe drei „Unschuldig“-, ein anderer drei „Schuldig“-Karten. Die verbliebenen Spieler nehmen sich je drei „Modifikator“-Karten.
Anschließend deckt jedes Team eine „Unschuldig“-Karte vom Nachziehstapel auf und legt diese an ihr Gleis an. Nun ist der Spieler, der die Karten gezogen hat am Zug, wählt eine seiner Handkarten aus und verlängert mit dieser das Gleis des eigenen Teams. Nun wird eine „Schuldig“-Karte ausgewählt und an den gegnerischen Schienenstrang gelegt. Zu guter Letzt sind die Spieler mit den Modifikator-Karten an der Reihe. Jeder darf eine seiner Handkarten auswählen und auf eine beliebige ausliegende Karte – egal, auf welchem Gleis – legen. Dabei bestimmt die Position des Pfeils Person oder Gegenstand, auf den die Modifikation zutrifft.

Modifikatoren machen den Unterschied

Modifikatoren machen den Unterschied

Hat so jeder Spieler eine Karte abgelegt kommen die verbliebenen Handkarten auf die Ablagestapel. Nun müssen beide Teams Bahn-Bernd überreden, den Zug über das gegnerische Gleis rollen zu lassen. Haben alle Beteiligten ihre Argumente vorgebracht, entscheidet Bernd darüber, wen er überfährt. Alle Mitglieder des ausgewählten Teams erhalten ein Todesplättchen.

Anschließend werden alle bisher gespielten Karten abgelegt und ein neuer Schaffner bestimmt. Dies wiederholt sich so lange, bis jeder einmal die Rolle von Bahn-Bernd übernommen hat. Der Spieler mit den wenigsten Todesplättchen gewinnt die Partie.

Zwei zusätzliche Spielvarianten bringen noch mehr Modifikatoren ins Spiel.

Kann das Spiel was?

Wer sich auf eine Runde Trial by Trolley einlässt, muss sich darüber im Klaren sein, dass es sich um kein sonderlich nettes Spiel handelt. Die Thematik alleine ist schon moralisch bedenklich, die verschiedenen Karten unterstreichen dies noch zusätzlich. Wird man davon nicht abgeschreckt – und hat zudem die passenden Mitspieler – bekommt man hier ein ausgesprochen kommunikatives, witziges, aber auch zutiefst zynisches Spiel. Die Auswahl auf den „Schuldig“- und „Unschuldig“-Karten ist sehr breit gestreut. Im Zweifelsfall lassen sich hier zu kontroverse Karten auch recht gut vermeiden, was von den Spielern jedoch etwas Feingefühl erfordert. Der eigentliche Reiz liegt jedoch in den Modifikator-Karten, durch die sich neue Argumentationsmöglichkeiten ergeben. Teils sind die Argumente auf diesen Karten völlig abstrus, teils aber auch sehr persönlich und direkt.

Die drei Karten-Arten

Die drei Karten-Arten

Der Stil (und auch der Humor) der Cyanide & Happiness-Comics zieht sich durch sämtliche Karten, was den Wiedererkennungswert sichert. Diese Art der Illustrationen trifft sicherlich nicht jedermanns Geschmack, steht aber hier auch nicht im Mittelpunkt. Die Texte sind gut lesbar, so dass auch in größeren Runden jeder sieht, um was es geht. Das Kartenmaterial ist guter Standard, der Spielplan dagegen leider nur ein festeres Stück Papier. Hier hätte ich doch etwas Solideres bevorzugt. Die Anleitung führt verständlich durch den einfach Ablauf und ermöglicht einen schnellen, unkomplizierten Einstieg.

Asmodee stellen auf ihrer Homepage die Regeln zum Spiel bereit. Außerdem gibt es hier auch Informationen zur ersten Erweiterung Schienen und Modifikatoren. Die Grundproblematik des Spiels wird im dazugehörigen Trailer anschaulich dargestellt.

Wer sich von der Thematik nicht abschrecken lässt (und gleichgesinnte, diskussionsfreudige Mitspieler hat) bekommt mit Trial by Trolley ein sehr gelungenes Partyspiel.

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