Tiny Epic Cthulhu

25.01.2026 von Marcus Pohlmann

Tiny Epic Cthulhu

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Spieleranzahl: 1 bis 4 Spieler

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Spieldauer: ca. 30 bis 45 Minuten

Erscheinungsdatum: 29.01.2025

Sprache: Deutsch

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Seit bereits gut zwölf Jahren gibt es die Tiny Epic-Spieleserie von Gamelyn Games. In dieser langen Zeit hat der Autor Scott Almes die unterschiedlichsten Themengebiete behandelt – von Dinosauriern über riesige Kampfroboter und Fantasy-Königreichen bis hin zu den unausweichlichen Zombies. Im letzten Jahr wurde die gesamte Produktpalette an Tycoon Games weitergereicht. Eines der Spiele, die noch beim ursprünglichen Verlag veröffentlicht wurden, war Tiny Epic Cthulhu – das es mit etwas Verzögerung endlich bis in meine Spielerunde geschafft hat. Für die Übersetzung und den Vertrieb auf dem deutschsprachigen Markt sind wieder Asmodee verantwortlich, die auch einige andere Ableger der Reihe im Programm haben.

Was steckt drin?

In der kleinen Schachtel findet ungewöhnlich viel Spielmaterial Platz. Das augenfälligste Merkmal ist hier die gewaltige Menge an Holzfiguren. Bei den meisten davon handelt es sich um Tentakel in verschiedenen Farben – insgesamt 95 Stück. Diese finden im Spielverlauf in einem Stoffbeutel Platz, außerdem gibt es für sie ein Ablagetableau im Kartenformat. Die Gegner der Spieler, die Schlurfer, sind ebenfalls als Holzmarker vorhanden – je fünf in rot, grün und blau. Auch hier dient ein weiteres Tableau als Ablagefläche. 25 Übersetzungsmarker stellen die Seiten des verbotenen Buchs Necronomicon dar. Diese müssen im Verlauf der Partie auf einer großformatigen Karte angeordnet werden. Vier Große Alte (Yig, Cthulhu, Nyarlathotep und Yog-Sothoth) stehen als Gegner gegenüber. Auch für diese gibt es Holzfiguren und doppelseitige Tableaus mit Platz für Tentakel und einer Übersicht der speziellen Eigenschaften.

Willkommen in New Arkhamoore

Willkommen in New Arkhamoore

Die bis zu vier Spieler können sich zwischen insgesamt sechs verschiedenen Charakteren entscheiden. Diese kommen ebenfalls mit Figuren und Karten. Auf diesen ist Platz für Tentakel und Marker für Gehirne vorgesehen, außerdem verfügt jeder über eine besondere Fähigkeit. 50 Buchseiten-Karten zeigen eine Kombination aus Tentakeln und Ziffern und müssen im Spielverlauf eingesammelt werden.

Im Zentrum des Spiels stehen die fünf doppelseitig bedruckten Ortskarten, beispielsweise die Bibliothek oder das Museum. Diese zeigen am oberen Rand Monster-Symbole und die Sonderregeln der jeweiligen Lokalität. An der Seite und am Fuß der Karte sind Ablageflächen für Tentakel und Schlurfer vorgesehen. Die Orte gruppieren sich um den fünfseitigen „Strudel des Wahnsinns“. Dieser wird im Spielverlauf gedreht und je nachdem, auf welchen Symbolen der Tentakel-Zeiger zum Stehen kommt, werden unterschiedliche Effekte ausgelöst. Drei sechsseitige Würfel zeigen auf ihren Seiten ein oder zwei Tentakel oder das Antlitz des Großen Cthulhu und kommen beispielsweise während der Kämpfe zum Einsatz. Eine Assistenten-Karte kommt für die Solo-Variante des Spiels zum Einsatz. Die Regeln finden in der 24seitigen Anleitung ihren Platz.

Wie wird’s gespielt?

Vor Beginn der Partie wählen die Spieler ihre jeweiligen Charaktere aus, bestimmen den Schwierigkeitsgrad und entscheiden, welchen der vier Großen Alten sie bekämpfen wollen. Anschließend wird das Spielfeld mit Ortskarten und Tableaus aufgebaut. Schließlich werden nach einem festen Schlüssel Tentakel, Marker, Schlurfer und Karten auf die passenden Ablageflächen platziert oder in den Stoffbeutel gelegt.

Das Tentakel schlägt zu

Das Tentakel schlägt zu

Sind diese Vorbereitungen abgeschlossen, können sich die Spieler daran machen, das Städtchen New Arkhamoore von der Bedrohung zu befreien. Dabei teilt sich eine Partie in zwei Phasen auf. Zu Beginn müssen sie die Seiten des Necronomicons übersetzen und dazu die Textfragmente einsammeln.

Ein Spieler durchläuft während seines Zuges zwei Schritte. Zuerst dreht er das Tentakel in der Spielfeldmitte. Je nachdem auf welchem Feld Spitze und Ende landen, werden entsprechende Mechanismen ausgeführt. Beispielsweise löst die Aktion des Großen Alten aus oder Tentakel kommen auf Ablagetableaus. Anschließend werden Tentakel aus dem Beutel gezogen und platziert. So verstärken die schwarzen Mythos-Tentakel die Kraft des Großen Alten, während lilane Chaos-Tentakel dagegen auf das Ermittler-Tableau gelegt werden. Die Wahnsinns-Tentakel kommen auf die verschiedenen Ortskarten – abhängig von ihrer Farbe. Sind die Ablageflächen voll, lösen sie Effekte aus. So erhöht sich der Wahnsinn bei den Charakteren, der Endgegner gewinnt an Macht oder setzt erneut seine Fähigkeit ein. Schließlich erscheint ein Schlurfer auf der Ortskarte und der Große Alte bewegt sich. Damit ist der erste Schritt abgeschlossen.

Im Anschluss führt der Spieler seine Ermittleraktionen aus – insgesamt drei an der Zahl. Er kann sich beispielsweise an einen anderen Ort bewegen oder Tentakel auf den Ortskarten einsammeln. Um Schlurfer zu bekämpfen wirft der Spieler pro Gegner einen Würfel. Diese zeigen die Anzahl der Tentakel-Marker an, die er abgeben muss, um das Monster zu besiegen. Die Farbe der Tentakel muss dabei mit der des Schlurfers übereinstimmen. Als weitere Aktion kann der Charakter die Effekte des Ortes nutzen, auf dem er sich befindet, meist geht es dabei um den Austausch von Markern auf einem der Tableaus.

In der ersten Phase des Spiels gilt es zudem das Necronomicon zu übersetzen. Dafür gibt der Spieler die auf der Buchseite abgebildeten Tentakel von seinem Charakterbogen aus und darf die dazugehörigen Marker auf das Buch legen. In der zweiten Phase ist es außerdem möglich, die sechs Portale zu schließen. Dafür nimmt der Spieler für jede von ihm übersetzte Seite in der passenden Farbe die entsprechende Anzahl Würfel und muss damit die angegebene Schwierigkeit erreichen oder übertreffen. Sind die drei Aktionen aufgebraucht, ist der Nächste an der Reihe und der Ablauf setzt sich fort.

Am Rande des Wahnsinns

Am Rande des Wahnsinns

Eine Partie kann auf verschiedene Arten enden. Gelingt es den Spielern, alle sechs Portale zu schließen, schicken sie den Großen Alten wieder in seine Dimension zurück und haben damit gewonnen. Eine Niederlage erleiden sie, wenn die Stärkeleiste des Großen Alten komplett gefüllt ist, ein Charakter wahnsinnig wird, das heißt, das oberste Feld seiner Deliriums-Leiste erreicht, oder alle fünfzehn Schlurfer auf den Ortskarten verteilt sind.

Weitere Regeln für verschiedene Solo-Varianten und einen erhöhten Schwierigkeitsgrad finden sich zusätzlich in der Anleitung.

Kann das Spiel was?

Das Erste, was bei Tiny Epic Cthulhu auffällt, ist die schier unüberschaubare Anzahl von Komponenten, die sich permanent in Bewegung befinden. Dies wirkt vor allem beim Aufbau und in den ersten Runden etwas einschüchternd. Es braucht einige Durchgänge, bis sich die Spieler an das Verschieben, Setzen und Abräumen der Tentakel und der anderen Marker gewöhnt haben. Danach ist der Ablauf einer Partie aber recht flüssig und sehr auf den kooperativen Aspekt konzentriert. Ohne die Zusammenarbeit wird die Stadt schnell von den Schergen des Mythos überrannt.

Wie bei vielen Spielen mit cthuloider Thematik müssen sich die Charaktere nicht nur mit Monstern, sondern auch mit dem sich ausbreitenden Wahnsinn herumschlagen und nebenbei das Necronomicon übersetzen. Ein bisschen verrückt zu sein, bringt dabei durchaus Vorteile mit sich, beispielsweise mehr Würfel und Handlungsspielraum. Aber hier gilt es, wie auch bei allen anderen Mechaniken, eine Balance zu halten. Die Tentakel und Schlurfer sammeln sich schnell an und setzen die Spieler unter massiven Druck. Für mich macht grade dies den Reiz aus – es füllt sich einfach stimmig an.

Der wirklich ausgesprochen gute Eindruck wird leider ein wenig durch den langwierigen Aufbau und die hohe Lernkurve getrübt, die eventuell Spieler abschrecken könnte. Glücklicherweise gibt es jedoch einige Video-Tutorials, die über die gröbsten Anfangsschwierigkeiten hinweg helfen.

Die Großen Alten

Die Großen Alten

Ebenso überzeugend wie das Spiel selbst ist die Aufmachung. Die kleine Schachtel ist mit zahlreichen, qualitativ hochwertigen Komponenten gefüllt. Die Illustrationen sind stimmig (auch wenn der Pestdoktor deplatziert wirkt) und die Gestaltung behält trotz der vielen Aspekte die Übersicht. Die Anleitung schafft es auf relativ geringem Raum, die Regeln verständlich und mit Beispielen unterzubringen – dennoch ist grade am Anfang häufiges Nachlesen angesagt. Bei der Handhabung der kleinen Tentakel und anderen Marker ist ein wenig vorsichtig geboten – definitiv kein Spiel für Grobmotoriker.

Wer einen Blick in die Regeln werfen möchte, kann dies auf der Homepage von Asmodee tun. Hier gibt es auch Informationen zur Erweiterung und den anderen Spielen aus der Reihe.

Tiny Epic Cthulhu verbirgt in seiner unscheinbaren Verpackung ein anspruchsvolles, kooperatives und ausgesprochen atmosphärisches Spiel für Freunde des gepflegten Wahnsinns.

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