The Royal Society of Archeology

07.04.2026 von Marcus Pohlmann

The Royal Society of Archeology

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Spieleranzahl: 1 bis 4 Spieler

Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Spieldauer: ca. 30 Minuten pro Spieler

Erscheinungsdatum: 22.10.2025

Sprache: Deutsch / Englisch / Französisch

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Nachdem in der Vergangenheit eher kürzere, einfachere Spiel auf dem heimischen Spieltisch gelandet sind, ist es wieder einmal Zeit, sich einem dickeren Brocken zu widmen. Dabei fällt die Wahl auf The Royal Society of Archeology vom Günzburger Verlag HUCH!. Bis zu vier Spieler machen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts daran, auf Expeditionen die Geheimnisse des Altertums zu lüften. Ursprünglich entwickelt wurde das Spiel von Eric Jumel für den französischen Verlag Atalia.

Was steckt drin?

Vor der ersten Partie sollten sich die Spieler dringend mit dem umfangreichen Spielmaterial und den zahlreichen Symbolen vertraut machen. Im Zentrum steht hier natürlich der großformatige Spielplan, der wiederum vier Örtlichkeiten zeigt. Dabei handelt es sich um die City of London, das Royal Museum, die University of London und den Hafen. Um diese Orte herum und dazwischen sind unterschiedliche Leisten und Ablageflächen angeordnet, so beispielsweise die Leiste für Prestige, die Reliktsammlung der Grand Gallery, die Anforderungen des Königs oder das Ansehen der Forscher. Zum Einsatz kommen außerdem verschiedene Kartenarten, die wichtigsten davon die Expeditionskarten. Auf diesen sind Bedingungen aufgeführt, welche die Spieler erfüllen müssen und natürlich auch Belohnungen, die ihnen winken. Die Gönnerkarten tragen Ressourcen für den Spielverlauf bei und Studien erhöhen die Qualifikationen der Forscher. Automa-Karten kommen in der Solo-Partie oder zu zweit zum Einsatz.

Einen großen Tisch braucht es schon

Einen großen Tisch braucht es schon

Für jede der vier zu erforschenden Regionen (Afrika, Asien, Südamerika und Mittelmeer) gibt es einen separaten Beutel, indem sich je 15 Artefakte befinden. Weitere Marker für Geld und Sammlungen gehören ebenfalls zur Ausstattung.
Zudem verfügt jeder Spieler über sein eigenes Spielmaterial. Das Gesellschaftstableau umfasst drei Leisten für die Forscher, auf denen ihre Erfahrung festgehalten wird. Dazu kommen jeweils drei Holzfiguren und eine Reihe von Scheiben und Quadern, um Expertise und andere Fortschritte zu dokumentieren. Die Regeln finden in der 20seitigen Anleitung Platz. Ebenfalls enthalten ist ein QR-Code, hinter dem sich allerlei Wissenswertes zu den Expeditionsorten und Relikten verbirgt.

Wie wird’s gespielt?

Die Anleitung empfiehlt für die ersten Partien einen etwas vereinfachten Spielaufbau um den Einstieg zu erleichtern. Nach einigen Durchgängen sind die Spieler dann so mit den Abläufen vertraut, dass sie den regulären Aufbau wagen können.

Eine Gesellschaft im Detail

Eine Gesellschaft im Detail

Je nach Spielerzahl kommt eine der beiden Seiten des Spielplans zum Einsatz. Die Relikte kommen in den farblich passenden Beutel, die Marker für das Geld in Reichweite. Verschiedene Sammlungsplättchen finden in der Grand Gallery ihren Platz. Auch die anderen Örtlichkeiten auf dem Plan werden mit den dazugehörigen Markern und Karten bestückt. Gesellschafts- und Studienkarten bilden zwei separate Nachziehstapel neben dem Plan. Nun bekommt jeder das entsprechende Material seiner Farbe. Er platziert die Gesellschaftsscheiben auf der Ansehensleiste, auch Prestige, Gelehrsamkeit und Wissen werden auf diese Weise festgelegt. Anschließend ziehen sie je zwei Studien- und Gesellschaftskarten sowie vier Expeditionskarten. Nun entscheiden sich die Spieler, welche Seite ihres Gesellschaftstableaus sie nutzen, weisen ihren Forschern Expertise zu, legen überzählige Karten ab und erhalten die Vorteile ihrer Gesellschaft. Die beiden ausgewählten Studienkarten bleiben verdeckt.

Findet sich alles an seinem Platz, können sich die Spieler endlich daran machen, die Geheimnisse der Antike zu lüften und ihre Forscher ausschicken. Der Ablauf besteht aus vier oder fünf Runden (bzw. Jahren), die wiederum in zwei Phasen aufgeteilt sind.

Zu Beginn jeder Runde setzen die Spieler reihum einen ihrer Marker auf die Leiste mit der Zugreihenfolge. Damit wird nicht nur der Rundenablauf, sondern auch ein dazugehöriger Bonus bestimmt. So gibt es hier beispielsweise Prestige, Ansehen oder Geld. Darüber hinaus ist es auch möglich, sich ein Expeditionsziel zu sichern, Wissen über eine Region zu erhalten oder ein Relikt aus einem der Beutel zu ziehen. Die Figuren der Forscher kommen vom Hauptspielplan zurück auf das Tableau ihrer Gesellschaft und neue Expeditionskarten werden ausgelegt.

Die Gesellschaften mit ihren Eigenheiten

Die Gesellschaften mit ihren Eigenheiten

In der zweiten Phase haben die Spieler gleich mehrere Möglichkeiten. So können sie beispielsweise die Spezialfähigkeit ihrer Gesellschaft anwenden oder Ansehen gewinnen. Dazu muss lediglich eine Gesellschaftsscheibe auf der entsprechenden Leiste platziert werden. Diese steht allerdings im weiteren Spielverlauf nicht mehr zur Verfügung. Auch kann das Ansehen gesteigert werden, in dem man einen Gönner mit einem eigenen Artefakt „beschenkt“. Die wohl wichtigste Aktionsmöglichkeit in dieser Phase ist die Platzierung der Forscher auf den vier Örtlichkeiten. So lässt sich in der Universität Wissen erlangen, im Museum ausgestellte Relikte bringen dagegen unterschiedliche Belohnungen.

Beim Treffen mit einem Gönner erhält man finanzielle Unterstützung, abhängig von seiner Expertise, kann aber auch gefundene Schätze verkaufen. Im Hafen begibt sich der Forscher auf seine Expeditionstour in ferne Länder. Je nach gewähltem Reiseziel müssen bestimmte Voraussetzungen (Expertise und Wissen über die Region) erfüllt und Kosten bezahlt werden. Manche Expedition haben zusätzliche Bedingungen, die es zu erfüllen gilt. Dafür winken als Belohnung Prestige, Gelehrsamkeit, mehr Wissen und schließlich Artefakte der jeweiligen Kultur. Außerdem hat die Gesellschaft beim Erreichen eines bestimmten Prestige-Wertes die Möglichkeit, ein Buch über ihre Errungenschaften zu publizieren, welches wiederum Boni bringt.

Die Partie endet, wenn das vierte bzw. fünfte Jahr beendet ist. Nun erfolgt die Endabrechnung der Punkte. Hier erhalten die Spieler zusätzliches Prestige für ihre Sammlungen und Gelehrsamkeit für abgeschlossene Studienziele. Veröffentlichte Bücher bringen unter Umständen Punkte in beiden Kategorien. Abzüge gibt es für Gönner, die vorher nicht mit Geschenken „bestochen“ wurden. Zuletzt wird der Gesellschafts-Marker von der Gelehrsamkeit-Leiste auf das entsprechende Feld der Prestige-Leiste geschoben. Der niedrigste Marker einer Gesellschaft auf dieser Leiste zeigt schließlich ihren Punktestand an. Der Spieler mit dem höchsten Prestige gewinnt die Partie.

Regeln für einen und zwei Spieler ergänzen die Anleitung. Hier kommt ein virtueller Spieler zum Einsatz. Dabei gibt es zwei Varianten: einen Konfrontationsmodus, bei dem manche Felder blockiert werden und einen Wettbewerbsmodus, der sich kaum vom Grundspiel unterscheidet.

Kann das Spiel was?

Expeditionen, Gönner und Expertise

Expeditionen, Gönner und Expertise

Lässt man sich von den vielfältigen Komponenten und den unzähligen Symbolen nicht abschrecken, dann verbirgt sich hinter The Royal Society of Archeology ein intelligenter, durchdachter und im Grunde einfacher Spielmechanismus. Am Ende läuft es auf die Auswahl einer Handvoll Aktionen in jeder Runde hinaus. Allerdings ist die Kombination und Reihenfolge dieser Handlungen von entscheidender Bedeutung. Die ersten Durchgänge gestalten sich etwas zäh, da es eine Vielzahl von Aspekten und Wechselwirkungen im Auge zu behalten gilt. Doch schon bald wissen die Spieler, wie sie die verschiedenen Ressourcen effektiv erlangen und einsetzen können – dann entwickelt die Partie eine tolle Dynamik. Der Glücksfaktor kommt lediglich bei der Suche nach den Relikten und beim Aufdecken einiger Karten zum Tragen – ansonsten präsentiert sich das Spiel von Eric Jumel als reinrassiger, stimmiger und anspruchsvoller Strategietitel.

Die Gesellschaften spielen meist nebeneinander her, ohne dabei den Aufbau der Mitspieler zu zerstören oder ihnen zu schaden. Dennoch findet eine Interaktion statt, wenn unerfahrene Forscher die gleich Aktion wie erfahrenere Figuren wählen. In diesem Fall profitieren sie von der Expertise der Kollegen und beide Spieler erhalten einen Bonus. Mir hat dieser Unterstützungseffekt (obwohl man eigentlich gegeneinander spielt) sehr gut gefallen, trägt er doch zum positiven Gesamtbild bei. Die angegebene Spieldauer (eine halbe Stunde pro Spieler) passt ziemlich genau – was mich angenehm überrascht hat. Durch die zahlreichen Gesellschaften, die variablen Expeditions- und Sammlungsziele sowie die unterschiedlichen königlichen Aufgaben spielt sich jede Partie anders. In jedem Fall ein Spiel, dass es lohnt, öfters auf den Tisch zu kommen.

Der Rest des Spielmaterials

Der Rest des Spielmaterials

Die Regeln selbst finden auf nur einer Doppelseite Platz. Der Rest der Anleitung wird von Erklärungen der Karten, Beispielen und Übersichtstafeln eingenommen. Die Struktur ist dabei klar und übersichtlich, auch wenn sich ein, zwei Fehler eingeschlichen haben. Die Übersichtsblätter ersparen unnötige Blätterei im Regelheft und machen dieses nach zwei oder drei Runden fast überflüssig. Die Aufmachung trägt ebenfalls zur Atmosphäre bei und unterstützt das tolle Spielerlebnis. Sehr gelungen finde ich zudem den historischen Exkurs, den sich interessierte Spieler HIER anschauen können.

Wer neugierig auf das Spiel geworden ist, kann auf der Homepage von HUCH! einen Blick in die Regeln werfen. Außerdem gibt es hier weitere Informationen.

The Royal Society of Archeology liefert eine tolle, stimmige und strategisch anspruchsvolle Mischung aus Worker Placement und Aufbaustrategie – verbunden mit einer gelungenen thematischen Umsetzung.

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