Spielwarenmesse Nürnberg 2023

12.02.2023 von Marcus Pohlmann

Spielwarenmesse Nürnberg 2023

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Veranstaltungsdatum: 01.02.2023 bis 05.02.2023

Veranstaltungsort: Messe Nürnberg »

Nachdem 2021 und 2022 die Messe ausfiel, freue ich mich, endlich wieder nach Nürnberg zu fahren. Die Spielwarenmesse im Januar 2020 war die letzte Großveranstaltung, die ich besucht habe, bevor die Seuche zugeschlagen hat. Daher mischt sich in die Vorfreude auch ein klitzekleines bisschen Unsicherheit. Zum einen erwartet mich eine längere Zugreise – was derzeit schon abenteuerlich genug ist. Zum anderen meide ich nach Möglichkeit größere Menschenansammlung. Hinzu kommt, dass mein Gesundheitszustand sich in den letzten Jahren kontinuierlich verschlechtert hat. Dennoch werfe ich die Bedenken über Bord, leiere meiner Chefin zwei freie Tage aus den Rippen und kümmere mich um Buchung und Akkreditierung.

Die Fahrt von Mainz nach Frankfurt im Regionalexpress verläuft ausnahmsweise unkompliziert und der Zug kommt sogar fast pünktlich im Hauptbahnhof von Mainhattan an. Da die Strecke derzeit aus verschiedensten Gründen sehr problematisch ist, habe ich einen großzügigen Zeitpuffer einkalkuliert. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, ist die Verspätung des ICE nach Nürnberg. Es gibt Probleme mit der „Bereitstellung der Wagons“ – was auch immer dies jetzt konkret heißen mag. Also drücke ich mich eine zusätzlich halbe Stunde auf dem zugigen Bahnsteig herum, bis der Zug schließlich einfährt. Das Abteil ist nur halb voll, so dass ich auch ohne Sitzplatzreservierung ein gemütliches Plätzchen finde. Kurz darauf lassen sich einige Sitze hinter mir zwei Fußballfans nieder, die den Sieg ihrer Mannschaft am Vorabend in Mainz immer noch ausgiebig feiern. In der Sitzgruppe vor mir haben dagegen vier japanische Touristen ihren Platz gefunden, die fleißig eine Runde Dosenbier nach der nächsten durchziehen – und das um 7 Uhr morgens.
Entsprechend laut ist die Geräuschkulisse und an Schlaf nicht zu denken. Also döse ich ein wenig vor mich hin und gehe in Gedanken den Ablauf des Tages durch. Da ich immer noch bzw. schon wieder gesundheitlich angeschlagen bin, habe ich mir ein eher lockeres Programm für den Tag verordnet.

Als ich den Nürnberger Hauptbahnhof erreiche herrscht dort dichtes Gedränge und ich behalte meine Maske lieber an. Die ersten beiden S-Bahnen Richtung Messe sind so voll, dass ich sie ziehen lasse, als mich noch hinein zu quetschen. Glücklicherweise gibt es einen angepassten Fahrplan und es liegen nur wenige Minuten zwischen den einzelnen Bahnen. An solch einer Regelung könnten sich andere Messe-Städte durchaus ein Beispiel nehmen…

Direkt beim Betreten der Messehallen fallen mir einige Änderungen auf. So gibt es beispielsweise keine Kunststoffhüllen mehr für die Eintrittskarten und das Ausstellerverzeichnis ist nur noch in digitaler Form verfügbar. Auch sind die ausgelegten Kataloge im Pressezentrum lange nicht mehr so üppig wie in den Vorjahren. Viele Hersteller verzichten sogar ganz auf die Neuheitenpräsentation in Papierform, andere beschränken sich dagegen auf ein einzelnes Blatt mit einem QR-Code, der zur entsprechenden Internet-Präsenz führt. Schaut man sich die Entwicklung der Papierkosten an, handelt es sich hier um eine naheliegende Maßnahme – allerdings tut es mir doch sehr um die Druck-Branche leid, die mir immer noch am Herzen liegt. Das sind wieder Aufträge, die irgendwo fehlen.

Halle 7A

Mein erster Gang führt mich in die Halle 7A. Mittlerweile sind hier der Fahrzeugmodellbau und Modelleisenbahnen nebst Zubehör zusammen untergebracht. Die Anzahl der Aussteller in diesen Bereichen ist merklich zurückgegangen, so dass sie alle in einer Halle Platz finden. Auch sind viele der Stände kleiner und bescheidener als noch vor drei oder vier Jahren.

Für Liebhaber von Kleinwagen...

Für Liebhaber von Kleinwagen…

Meine erste Anlaufstelle ist NOCH, die mit ihrem riesigen Angebot für Dioramen- und Modelleisenbahnbau vor Ort sind. Vor allem deren Messeneuheit hat es mir angetan: Fertig bemalte Figuren für die Spuren N und Z – direkt aus dem 3D-Drucker. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie diese Technik funktioniert, aber das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Es wird zwar noch bis zum Sommer dauern, bis die Figuren im Handel erhältlich sind, aber der erste Eindruck war schon sehr, sehr gut.

Erst nach einiger Suche finde ich den Farbenhersteller Ammo. Der Stand ist komplett in weiß gehalten und bis auf zwei Displays mit Prospekten deutet nichts darauf hin, was hier vorgestellt wird. Keine Miniaturen oder Modellbausätze, keine Farben oder die anderen Hilfsmittel aus der Produktpalette – einfach gar nichts. Die Dame hinter dem Stand kann mir dann auch leider nichts zu den Neuheiten sagen, sondern eher etwas zu Verkaufszahlen und Marktsegmenten. So ziehe ich schnell und ernüchtert von dannen.

Glücklicherweise ist man bei Vallejo etwas anders aufgestellt. Der freundliche Herr mit der Airbrush-Pistole beantwortet ausführlich alle Fragen, während er Modelle besprüht. Ein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf den zwei neuen Produktlinien. Bei den Colorshift Sets handelt es sich um je acht irisierende Farben. Je nach Lichteinfall ändern sich dabei Farbton und -wirkung. Die zweite Neuerung sind die XPress Colors. Mit dieser Serie ist es möglich Schatten, Mitteltöne und Lichter in einem Durchgang zu malen. Damit schließt der spanische Hersteller die Lücke zu anderen Farbmischern, die bereits seit einiger Zeit solche Farben im Programm haben. Der erste Eindruck hat mich zumindest soweit überzeugt, dass ich beim Dealer meines Vertrauens, dem Mainzer Orcish Outpost, das Grundset geordert habe.

Der letzte Punkt auf meiner To-Do-Liste, zumindest in dieser Halle, sind Scale 75. Auch hier stehen wieder die Farben im Vordergrund – in erster Linie die unterschiedlichen Themensets. Die Pigmente aus der Tube und die Ölfarben richten sich eher an den professionellen Miniaturenbemaler. Mein eigentliches Highlight sind jedoch die Resin-Figuren, die durch verschiedene Crowdfunding-Aktionen realisiert wurden – besonders die Zodiac Mystic Signs. Eine spannende Neuheit gibt es außerdem vorab zu sehen: Drop and Paint – gebrauchsfertige Airbrush-Farben, die sich grade in der Entwicklungsphase befinden.

Damit wäre mein Programm hier erledigt und ich mache mich auf den Weg zu meinen nächsten Zielen. Während ich die Halle 7 durchquere, fallen mir die große Anzahl an Dienstleistern auf. Beispielsweise sind sowohl TÜV Süd als auch TÜV Rheinland mit Ständen vertreten. Prüfungen, Zertifizierungen, logistische Abwicklung, aber auch die komplette Produktion von Spielen und Drucksachen: Für jedes einzelne Gebiet sind gleich mehrere Anbieter vor Ort.
Mein weiterer Weg führt mich durch die Halle 9, die auch in diesem Jahr ein Tummelplatz für die Feierwütigen ist. Zahlreiche Anbieter stellen ihre Feuerwerksartikel vor, Masken und Kostüme sind ebenfalls vorhanden. Dazu kommt alles, was für eine gelungene Party notwendig ist: von Luftballons über Konfetti bis hinzu den unterschiedlichsten Deko-Artikeln. Auch hier habe ich den Eindruck, dass es generell kleinere Stände sind, die sich präsentieren.

Halle 10

Schließlich erreiche ich die Halle 10 – und damit den Schwerpunkt meines Messebesuches. Kosmos haben wieder ihren gewohnten Standort am Halleneingang und so stürze ich mich gleich auf die Neuheiten. Das erste, was mir ins Auge fällt, ist Gecko Run, eine Kugelbahn, die an einer senkrechten Fläche gebaut wird. Das System ist modular und lässt sich mit Loopings, Hüpfbändern oder flexiblen Strecken beliebig erweitern. Beim Betrachten muss man jedoch aufpassen, dass man nicht über Messebesucher stolpert, die die Kugeln auf dem Boden suchen. Ich bin, zugegebenermaßen, ein Fan von solchen Bahnen, daher werde ich es wohl verstärkt im Auge behalten. Die Mischung aus Experimentierkästen, Kreativ-Sets und Astronomie-Zubehör finde ich dagegen weniger spannend. Eher interessiert mich die Exit-Reihe. Diese Escape-Room-Spiele erhalten auch in diesmal wieder massiven Zuwachs. Neben der „klassischen“ Variante gibt es auch neue Puzzle und Comics.

DER Dauerbrenner schlechthin!

DER Dauerbrenner schlechthin!

Dazu kommen mehr Krimi-Spiele, hier fällt mir besonders die Suspects-Reihe auf, die ihre Inspiration aus den Romanen von Agatha Christie zieht. Das Fantasy-Spiel Die Legenden von Andor, immerhin auch schon zehn Jahre alt, bekommt eine Big Box spendiert und mit Die Ewige Kälte einen eigenständigen Ableger. Auch für den Spielernachwuchs und Comic-Liebhaber gibt es passenden Neuheiten zum Spiel. Für Der Herr der Ringe gibt es ein weiteres Reisespiel – wobei der Verlag da schon einige im Programm hat. Hinzu kommen kleinere Neuheiten – Spiele ohne Franchise oder Serie dahinter.

Nach diesem, doch sehr umfangreichen, Angebot ist mein nächstes Ziel der wesentlich überschaubarere Stand von EMF. Nachdem sich der Verlag im Bereich der Koch- und Bastelbücher eine herausragende Rolle erarbeitet hat, fasst er nun auch auf dem Spielemarkt langsam Fuß. Der Schwerpunkt liegt hier im Bereich der Escape-Room- und Krimi-Spiele, einschließlich einigen Krimi-Dinnern. Besonders interessieren mich dabei die Lizenzen zu Babylon Berlin und Peaky Blinders. Die nette Dame vom Marketing gibt mir einen umfassenden Überblick und regt dabei mein Interesse nur noch mehr an. Das eine oder andere der Spiele kommt daher gleich auf meine Wunschliste. So beispielsweise Mörderischer Mittsommer – ein Krimi-Dinner angesiedelt in einem Wikinger-Themenpark.

Ein paar Meter weiter wartet gleich der nächste Stand auf mich. Die Schweizer vom Kampfhummel Verlag sind auch in diesem Jahr wieder vor Ort. Wirkliche Neuheiten haben sie leider nicht im Gepäck, dafür aber italienische und skandinavische Versionen von Kampf gegen das Spießertum, sowie die Reiseversion dieses Spiels.

Leider nicht für den heimischen Markt

Leider nicht für den heimischen Markt

Natürlich lasse ich mir einen Abstecher zu Archon Studio nicht nehmen. Die Polen sind für ihre hervorragenden Kunststoff-Miniaturen bekannt, beispielsweise Lizenzprodukte zu Dungeons & Dragon oder generisches Gelände. Mittlerweile veröffentlichen sie aber auch eigene Spiele im Tabletop- und Strategiebereich, so ein Skirmish basierend auf Masters of the Universe. Mir hat es vor allem der Dungeon-Crawler zum Computerspiel Wolfenstein angetan – der jedoch leider nicht auf dem heimischen Markt erhältlich ist.

Bei HCM Kinzel richten sich die Neuheiten eher an den Spielernachwuchs. Die Mischung ist hier recht vielfältig, von den Bau- und Geschicklichkeitsspielen By the Book und Crazy Cubes über das Familienratespiel Tension bis zum Deduktionsspiel Find Finley. Ich interessiere mich jedoch vor allem für das Flip & Write Next Station Tokyo – hat mir der erste Teil in London doch recht gut gefallen. Auch die beiden kommunikativen Partyspiele Mind Reader und Clueless schaue ich mir genauer an. Beide verfolgen unterschiedliche Konzepte, sind aber vom ersten Eindruck her für fast jede Spielergruppe geeignet.

Carletto bzw. Game Factory sind gleich mit zwei Ständen auf der Messe vertreten. Da Puppen und andere Kinderspielsachen eher nichts für mich sind, beschränke ich mich auf den Stand in dieser Halle. Obwohl ich keinen Termin habe, bekomme ich eine kurze Erklärung zu Wanderlust – einer der größeren Veröffentlichungen. Bei der Mischung aus Deckbuilding- und Renn-Spiel muss ein Wald durchquert werden. Ein modularer Aufbau und wechselnde Kartendecks dürften dabei für Abwechslung sorgen. Mir hat vor allem die stimmige Aufmachung gefallen. Das Rate- und Partyspiel Stadt Land Flip – Late Night, setzt die Reihe fort. Hier wird auf die Schreiberei verzichtet – es gilt, als erster den passenden Begriff zu nennen. Ein einfaches Konzept, ebensolche Regeln und ein schneller Ablauf machen das Spiel zu einem vielversprechenden Absacker. Über Splito, ein semi-kooperatives Draft-Spiel und District Noir, ein Zwei-Personen-Spiel vor Gangster-Hintergrund, war leider bis auf die Verpackung und den groben Inhalt noch nichts in Erfahrung zu bringen.

Die letzte Anlaufstelle in dieser Halle ist mit The Army Painter ein weiterer Farbhersteller. Die Dänen sind zum ersten Mal vor Ort und ich nutze die Gelegenheit ausgiebig über die Produktpalette zu reden. Im Fokus steht die neueste Generation der Speedpaints, die dem Miniaturenbemaler das Leben erleichtern sollen. Ich nutze diese Farben selbst intensiv, daher sind die geänderte Formel und vor allem die dazugehörigen Metallfarben von großem Interesse. Ich habe sogar die Gelegenheit, eine der Farben live auszuprobieren, und bin vom Ergebnis sehr angetan.

Halle 10.1

Als ich die Rolltreppe verlasse, laufe ich praktisch in den Stand von Schmidt Spiele hinein. Hier zieht es mich direkt zu New Eden, einem anspruchsvollen Aufbauspiel. Bei diesem versucht jeder Spieler, eine funktionsfähige Unterwasserstadt zu konstruieren, da das Leben auf der Erdoberfläche praktisch nicht mehr möglich ist. Eine kurze Demo lässt in interessante Thematik und einen ebensolche Spielmechanismus blicken. Sicher ein Titel, den ich mir näher anschauen werden. Etwas leichter verdaulich ist dagegen das Barista-Spiel Café del Gatto. Hier erstellt man verschiedene Kaffee-Kreationen, um diese gewinnbringend zu veräußern. Hübsch aufgemacht und nicht übermäßig komplex dürfte das Spiel Familienrunden, aber auch Nicht-Spieler ansprechen. Ungewöhnlich für den Verlag gibt es mit Chaos in Gotham City ein DC-Lizenzspiel. In dem Stichspiel versuchen die Spieler als Schurken (!) die Kontrolle über die Stadt zu erlangen. Die Superhelden-Thematik spricht mich jetzt weniger an, aber das Spiel macht einen soliden Eindruck. Bei den restlichen Neuheiten handelt es sich zumeist um Erweiterungen und Ableger bereits bekannter Titel, die in diesem Fall für mich weniger interessant sind.

Direkt nebenan geht es mit Amigo Spiele weiter. Hier ist die Anzahl der präsentierten Neuheiten zwar überschaubar – aber durchaus sehenswert. So bekommen die Partyspiele der Privacy-Reihe mit Privacy Duo einen Ableger für zwei Personen. Ich bin mir zwar noch nicht ganz sicher wie und ob das Spiel über geheime, intime Details funktioniert, aber angetestet wird es bei nächster Gelegenheit. Um eine Mischung aus Sammel- und Deckbuilding-Kartenspiel handelt es sich bei Sauscharf. Chilis haben bereits öfters eine Rolle in den Spielen des Dietzenbacher Verlages gespielt – entsprechend wird das Thema hier erneut aufgegriffen. Hier sind es die Grafiken und der Spielmechanismus, die mich neugierig machen. Nicht ganz so spannend finde ich dagegen das neue Halli Galli Twist und das Superhelden-Sammelkartenspiel Miraculous Secrets.

Monster-Klopperei!

Monster-Klopperei!

Am Stand von Iello gibt es ebenfalls einige Neuheiten zu sehen, beispielsweise die Erweiterungen zu Unmatched oder einen Ableger von Bunny Kingdoms. Leider ist mein Presse-Kontakt nicht mehr bei der Firma und so entfällt eine ausführliche Vorstellung der kommenden Veröffentlichungen. Mein besonderes Augenmerk liegt auf der grandiosen Monsterprügelei King of Tokyo. Für diese gibt es eine ganze Reihe von Mikro-Erweiterungen – die eine neue Spielmechanik mit sich bringen. Ganz neu, aber vor dem gleichen Hintergrund angesiedelt ist King of Monster Island. Hier müssen die Spieler kooperativ gegen das Spiel selbst antreten. Das dürfte sich zwar ungewohnt spielen – sieht aber auf jeden Fall sehr vielversprechend aus.

Als Fan der Computerspiele ist natürlich die Brettspiel-Variante von Assassins Creed bei HeidelBÄR Games für mich interessant. Leider gibt es das Spiel nicht live zu sehen – so muss ich mich mit einigen Infos aus erster Hand begnügen. Ebenfalls sehr ansprechend ist das schon im Dezember erschienene Deal with the Devil. Hier wird um Seelen geschachert, um Schätze gewuchert und alles getan, um das eigene Reich zur Blüte zu führen. Sowohl optisch als auch spielerisch sehr hübsch und thematisch auf meiner Wellenlänge! An jüngere Spieler und/oder Katzen-Liebhaber richtet sich das Reaktionsspiel Fish & Katz, bei dem mit (gestrickten) Katzenpfoten nach Fisch-Karten geangelt wird. Um Würfelmanagement und heroische Heldentaten geht es bei Hercules. Hier werden Würfelergebnisse mittels gesammelter Karten manipuliert. Ebenfalls ein Spiel, dass mich von seiner Art durchaus anspricht. Auch in der Antike sind die beiden Bau-Spiele Evora (Tempel) und Pyramido (Pyramiden) angesiedelt. Hier müssen die Spieler die entsprechenden Bauwerke errichten und dabei Punkte sammeln. Diese kommen jedoch derzeit auf meine „Vielleicht“-Liste – da ich bereits mehr als genug Spiele aus dem Genre in meiner Sammlung habe.

Neben den deutschen Versionen der meisten Iello-Spiele haben Huch! mittlerweile auch ein recht umfangreiches eigenes Verlagsprogramm. Hier hat es mir vor allem Full Moon angetan – eine Erweiterung, die das Hexen-Gebräu-Spiel Witchstone optisch und spielerisch nochmals aufwertet. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall vielversprechend – ein entsprechender Test wird in absehbarer Zeit folgen. Daneben fallen mir das Bau- und Ressourcenmanagement von Moesteiro und das Handelsspiel East India Companies auf. Beide sind vor historischem Hintergrund angesiedelt und sehen sehr stimmig aus. Konzept und Ablauf für das Zwei-Personen-Spiel Marsch der Krabben klingen ungewöhnlich und machen auf jeden Fall neugierig. Bis zur Veröffentlichung werden aber wohl noch einige Monate ins Land ziehen.

Erst vor kurzem bin ich auf die Quizspiele von Denkriesen gestoßen. Und da der Verlag hier einen kleinen Stand hat, schaue ich auch hier kurz vorbei. Zu sehen gibt es das Erzählspiel Humbug, das in diesem Jahr für den Toy Award nominiert wurde. Bei dem kommunikativen Partyspiel, müssen Kartenillustrationen beschrieben und erraten werden. Für Bluffer und kreative Denker sicher eine gute Wahl – zumal mit vier unterschiedlichen Ausgaben für ausreichend Abwechslung gesorgt ist. Neben neuen Themen-Editionen gibt es den Verlagsklassiker Stadt Land Vollpfosten nun auch in einer Brettspielvariante. Hier wird in Teams unter Zeitdruck zusammengespielt. Und als besonderes Schmankerl kommt für die Bestimmung der Buchstaben ein 30seitiger Würfel zum Einsatz – der auch separat erhältlich ist.

Enttäuscht bin ich am Stand das britischen Tabletop-Riesen Games Workshop. Grade hier gäbe es doch einige Ankündigungen, aus denen man etwas hätte machen können, beispielsweise die neuen Grundboxen für Warcry: Bloodhunt oder Kill Team. Auch Neuigkeiten über zur kommenden Warhammer 40.000-Verfilmung hätte ich mich gefreut. Stattdessen gibt es zwei Vitrinen mit Miniaturen und ein Display mit älteren Einsteigerboxen. Als ich erwähne, dass ich kein Händler bin, sondern nur an Informationen interessiert bin, lässt mich mein Gesprächspartner abrupt stehen und muss dringend etwas hinter dem Tresen sortieren.

Der Empfang bei moses. ist dagegen deutlich freundlicher. Auf meine Frage nach den Neuerscheinungen im Spiele-Bereich, werde ich an einen enthusiastischen jungen Mann verwiesen, der mir im Detail Rede und Antwort steht. So bekommt das Krimi-Spiel Killer Cruise von Sebastian Fitzek einen kleinen Ableger. Bei diesem erwürfeln sich die Spieler den Weg durch das Kreuzfahrtschiff und versuchen die Passagiere vor einem Psychopathen zu retten. Wem das zu blutig ist, kann auf das Ratespiel Von Äh bis Z oder Wigald Bonings großes Quiz der Absurditäten zurückgreifen. Dazu kommen neue Erweiterungen für die black stories-Serie sowie einige kleinere Würfel- und Knobel-Spiele. Ich bin zwar nicht mehr die passende Zielgruppe für Das geheimnisvolle Haus, dennoch muss ich einen Blick darauf werfen. In einem dreidimensionalen Haus müssen Rätsel gelöst und drei Gegenstände gefunden werden. Hübsch aufgemacht, auf jüngere Spieler zugeschnitten und mit einer UV-Lampe als Gimmick ausgestattet – auf den ersten Blick macht es einen sehr guten Eindruck.

NSV haben in diesem Jahr nur wenig Neues im Programm. The Mind – Soulmates ist eine neue Variante des grandiosen kooperativen Karten-Ablage-Spiels. Diesmal werden die Koordinierungs-Bemühungen von einem „Seher“ geleitet, der seinen Mitspielern Hinweise auf die richtigen Karten gibt. Zum zehnjährigen Jubiläum kommt außerdem eine Qwixx Edition auf den Markt. Neben dem Grundspiel kommen drei weitere Varianten der Würfelei hinzu. Außerdem werden die Abreißblocks nun durch wiederbeschreibbare Karten ersetzt.

Für den Abschluss in dieser Halle habe ich mir den Stand von Asmodee aufgehoben. Hier gibt es Ableger oder Erweiterungen verschiedener Serien zu sehen, beispielsweise Zombicide, The Witcher oder Star Wars. Mein Augenmerk liegt allerdings diesmal eher auf Spielen mit einem originelleren Hintergrund. So kombiniert Für eine Handvoll Meeple, Worker Placement, Western-Thematik und Duelle in der Mittagssonne zu einer sehr ansehnlichen Mischung. Dagegen geht es bei Hamlet nicht um den dänischen Königssohn, sondern um den Ausbau einer kleinen Siedlung. Gebaut wird kooperativ, gewinnen kann jedoch nur ein Spieler. Das Aufbau- und Handelsspiel sieht hübsch aus – über die Spielmechaniken habe ich bisher noch nichts herausgefunden.

So viele Spiele - so wenig Zeit

So viele Spiele – so wenig Zeit

Mit einer ungewöhnlichen Thematik macht Encyclopedia auf sich aufmerksam. Hier geht es darum, eine Tiersammlung aufzubauen. Auf den ersten Blick wirkt das Spiel recht vielschichtig und anspruchsvoll. Die wirklich gelungene (und opulente) Ausstattung tut ihr Übriges, um meine Neugier zu wecken. Dazu kommen noch eine Vielzahl größerer und kleinerer Spiele. Aber da meine Zeit begrenzt ist, mache ich mich wieder auf den Weg.

Spiele-Café

Wie schon in den letzten Jahren, haben Pegasus Spiele wieder ihren Platz etwas außerhalb des Messetrubels gefunden. Auch die Friedberger haben eine gewaltige Menge an Neuerscheinungen im Gepäck – so dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. So starte ich meine Erkundungstour mit einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt – den tentakligen Scheußlichkeiten des Mythos. Mit der Cthulhu Einstiegsbox wird es Rollenspiel-Anfängern sehr leicht gemacht, in die Abgründe des Wahnsinns einzutauchen. Charakterbögen, Würfel, ein Spielleiterschirm und drei Hefte mit Regeln und Abenteuern decken für den Anfang alles ab. Ich bin immer wieder angenehm überrascht, dass der Verlag seine Rollenspiel-Reihen nicht vernachlässigt. Das Gros der Exponate dreht sich allerdings um Brettspiele, so beispielsweise das massive Frostpunk. Die Spieler müssen hier eine Siedlung in einer menschenfeindlichen Umwelt ausbauen. Neben Forschung, Aufbau und Ressourcen-Management sind es vor allem die gemeinsamen Entscheidungen der Spieler, die die Entwicklung vorantreiben. Das Spiel liegt schon für einen der nächsten Spieleabende bereit und ich werde sicher bei Gelegenheit ausführlicher darüber schreiben.

Ich mag kommunikative Spiele!

Ich mag kommunikative Spiele!

Bei Vampire: Die Maskerade – Chapters handelt es sich laut Klappentext um eine Mischung aus Rollen- und Brettspiel vor dem Hintergrund des gleichnamigen Rollenspiels. Neben tollen Figuren, einem modular erweiterbaren Spielplan und der finsteren Atmosphäre sind es vor allem die Unmengen an Karten, die hier ins Auge fallen. Für Fans der Welt der Dunkelheit sicher eine lohnende Anschaffung – zumal eine ganze Reihe Erweiterungen bereits angekündigt sind. Mich hat das Thema jedoch noch nie so wirklich begeistern können; außerdem schreckt mich der Preis ein wenig ab. Auf einem Videospiel basiert The Binding of Issac, bei dem es darum Schätze, Beute und Seelen zu sammeln. Das Kartenspiel kommt in einer normalen Edition und in der Super-Luxus-Ausgabe mit zahlreichen Extras aus der Crowdfunding-Kampagne. Die Mischung aus Humor, ungewöhnlicher Thematik und dem hinterhältigen Charakter des Spiels spricht mich doch schon sehr an. Sehr viel konventioneller präsentiert sich dagegen das Entdecker- und Aufbauspiel Orichalkum. Soweit ich sehen konnte ist das Spiel durchaus taktisch und anspruchsvoll und verfügt über eine ganze Reihe von verschiedenen Stellschrauben, die zum Sieg führen. Sicher ein Titel, den ich mir bei Gelegenheit näher anschauen werde. Die anderen Spiele, beispielsweise Munchkin 10: Zeitsprung, Black Hole Buccaneers oder Revive überfliege ich nur kurz, da es schon spät ist und mir immer noch einige Punkte auf meiner To-Do-Liste fehlen.

Halle 12

Willkommen auf der Dunklen Seite

Willkommen auf der Dunklen Seite

Diese Halle hat zwar auch einige interessante Aussteller, aber die Zeit drängt und so beschränke ich mich nur auf den zentral gelegenen Stand von Ravensburger. Mein Fokus liegt vor allem auf den Krimi- und Escape-Room-Spielen. Die echoes-Serie ist mittlerweile auf sechs Teile angewachsen. Das innovative, ausgezeichnete Konzept verbindet Karten und Töne/Geräusche und ist anscheinend noch lange nicht ausgereizt. Im aktuellen Teil Mord auf Ex müssen die Spieler einen realen Mordfall aus dem 19. Jahrhundert aufklären. Time Guardian Adventures kombiniert dagegen Puzzle und Logikaufgabe mit einer Krimi-Geschichte. Das Ganze sieht auf jeden Fall sehr hübsch aus, ist mir aber zu frickelig. Daneben gibt es eine Neuauflage von Burgundy zu sehen, einen Villainous-Ausflug ins Star Wars-Universum und ein Laufspiel vor dem Der Herr der Ringe-Hintergrund. Die Kugelbahn GraviTrax bekommt eine ganze Reihe Erweiterungen und zudem einen Ableger, der sich an deutlich jüngere Spieler richtet. Im Zentrum der Präsentation steht allerdings das Sammelkartenspiel Disney Locarna. Wie das Spiel selbst funktioniert, konnte ich mir leider nicht anschauen. Als Magier beschwört der Spieler Charaktere aus dem kompletten Disney-Fundus und tritt damit gegen die Figuren der Gegner an. Klingt jetzt nicht so schrecklich originell – daher wäre die Spielmechanik schon sehr interessant.

Halle 12.1

Zu schön, um sie zu versenken

Zu schön, um sie zu versenken

Obwohl ich es versäumt habe, mir einen Termin zu machen, bekomme ich bei Revell dennoch einen ausführlichen Rundgang – vielen Dank dafür! Der Modellbauer hat wieder eine Vielzahl spektakulärer neuer Bausätze im Programm. Neben den gängigen, realen Fahrzeugen sind es vor allem die Modelle aus den Star Wars-Filmen, die in diesem Jahr im Fokus stehen. Die Produktpalette reicht hier von relativ einfachen Steckbausätzen im Set mit Farben und Kleber bis zu wirklich anspruchsvollen Modellen wie dem preisgekrönten Razor Crest aus Star Wars: The Mandalorian. An den Nachwuchs richten sich Bausätze zu aktuellen Zeichentrick-Serien und Comic-Figuren, während die älteren sich mit charakteristischen Fahrzeugen aus verschiedenen James-Bond-Filmen austoben können.

Natürlich schaue ich noch bei einer ganzen Reihe anderer Hersteller, beispielsweise Queen Games, Cartamundi, Cool Mini or Not oder Hasbro vorbei, doch halte ich mich dort nicht lange auf. Ein kurzer Blick auf die Neuheiten, vielleicht ein schneller Plausch mit dem Standpersonal und noch ein Flyer – das muss meist reichen. Trotz diesem gestrafften Programm, schaffe ich es nicht, meine Liste vollständig abzuarbeiten.

Der Absacker

Der Absacker

Pünktlich um 18 Uhr endet der Messetag und die meisten Besucher strömen in Richtung der Straßenbahn. In den vergangenen Jahren folgte am Donnerstag nach dem eigentlichen Ende der Messe noch ein Presse-Meeting. In diesem Jahr entfällt die liebgewonnene Veranstaltung und wird durch die Red Night ersetzt. Dabei gibt es bei zahlreichen Ständen After-Show-Parties und gemütliches Beisammensein. Da es auf meinem Weg liegt, schaue ich noch kurz bei Schmidt Spiele und Ravensburger vorbei. Bei beiden Ständen wird die Veranstaltung augenscheinlich gut angenommen und es herrscht reges Gedränge. Nach diesen Zwischenstopps treffe ich mich mit einigen Bekannten und lasse die Messe etwas abseits ruhig ausklingen.

Fazit

Es war ein gutes Gefühl, nach solch einer langen Durststrecke wieder über die Spielwarenmesse zu streifen! Das die Corona-Situation noch nachwirkt, konnte man jedoch allenthalben sehen. Kleinere Stände, weniger Besucher und Aussteller (so zumindest mein subjektiver Eindruck) standen einer entspannten Atmosphäre und einigen neuen Konzepten gegenüber. Die Resonanz auf die Red Night war gemischt – mir hat das Ganze jedoch recht gut gefallen. Auch die begleitenden Veranstaltungen, so der Spiel-Erfinder-Tag oder die zahlreichen Vorträge und Workshops wurden von den Besuchern angenommen – zumindest war das mein Eindruck. Zum ersten Mal hatten am Samstag auch „normale“ Spielinteressierte Zugang zur Messe. Ob sich diese Neuerungen durchsetzen werden, muss die Zeit zeigen.
Für mich war es auf jeden Fall wieder eine sehr gelungene, informative, spannende, abwechslungsreiche und auch sehr anstrengende Messe!

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