Polizisten & Vigilanten

08.02.2022 von Marcus Pohlmann

Polizisten & Vigilanten

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Erscheinungsdatum: 22.10.2020

Sprache: Deutsch

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Für das Cthulhu-Rollenspiel gibt es in den Regelwerken bereits eine breit gefächerte Auswahl für die Erstellung von Spielercharakteren. Sollte dies nicht ausreichen, veröffentlicht Pegasus Press zusätzlich die „Berufe“-Serie. Dabei handelt es sich um Bände, meist um die 64 Seiten stark, die sich jeweils einer breit gefassten Gruppe widmen. Neben der gehobenen Gesellschaft waren bereits die verschiedensten Varianten von Gelehrten Gegenstand der Serie. Der vorliegende Band Polizisten & Vigilanten beschäftigt sich nun mit Frauen und Männern, die auf der (vermeintlich) richtigen Seite des Gesetzes stehen.

Um was geht es?

Vom inhaltlichen Aufbau her unterscheidet sich Polizisten & Vigilanten nicht großartig von den anderen Bänden der Reihe. Auch hier findet eine grobe Unterteilung in zwei Abschnitte statt. Der erste Teil beschäftigt sich mit dem Hintergrund von Rechtsprechung und Gesetzgebung. Unterteilt in drei Kapitel bekommt der Leser einen Überblick der historischen Entwicklung. Angefangen bei den ersten kodifizierten Gesetzen der Sumerer über die römischen Rechtsformen und die mittelalterliche Gesetzgebung bis ins beginnende 20. Jahrhundert. Ebenfalls gibt es eine Zusammenfassung der Aufgaben von Ermittlern und Gerichten. Das zweite Kapitel geht auf die Frage ein, warum man sich den Auswüchsen des Cthulhu-Mythos in den Weg stellen sollte. Die Autoren geben hier Hilfestellungen und Ideen um den Spielercharakter weiter auszubauen und ihm mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Auch moralische Fragen werden in diesem Teil angerissen. Mittels einiger Tabellen lassen sich Ermittler zudem schnell zusammenstellen.

„Das Recht des Stärkeren“, das dritte Kapitel, stellt die Vorteile und Ressourcen vor, die Dank der Rückendeckung des Staates zur Verfügung stehen. Neben Waffen und waffenlosen Kampftechniken ist es vor allem die logistische Unterstützung, die das Leben der Investigatoren erleichtert. Gesondert betrachtet wird die Integration von Ermittlern in eine „normale“ Gruppe. Auch die Möglichkeiten, die sich ergeben, wenn alle Charaktere einen Hintergrund in der Kriminalitätsbekämpfung haben finden Erwähnung.

Im zweiten Teil des Bandes bekommen die Spieler einige Berufe vorgestellt, die sie ergreifen können. Jeder Eintrag folgt dabei dem gleichen Schema: Eine kurze Geschichte gibt einen Einblick in das Berufsleben. Daran schließt sich eine Beschreibung der Aufgaben und Ansatzpunkte für den Kampf gegen den Mythos an. Eine Fotografie rundet jeden Eintrag ab. Die Regel-Informationen zur Charaktererschaffung sind in einem kleinen Textkasten untergebracht. Diese umfassen die Punkte für die Berufsfertigkeiten und die Finanzkraft, aber auch mögliche Kontaktpersonen und empfohlene Fähigkeiten. Die Spieler haben die Wahl zwischen 20 verschiedenen Ermittlern. „Normale“ Berufe wie Staatsanwalt, Polizeifotograf oder Profiler haben ihren festen Platz in den staatlichen Strukturen zur Verbrechensbekämpfung. Maskierte Rächer, Kampfkunst-Meister oder Profi-Wrestler nehmen das Recht dagegen lieber selbst in die Hand. Schließlich finden sich in der Auflistung auch Ermittler, deren Berufswahl nicht ganz so naheliegend ist, beispielsweise den Henker oder den Türsteher.

Den Abschluss bilden vier Beispielcharaktere, die zeigen, wie die Informationen des Bandes in der „Praxis“ umgesetzt werden. Eine britische Kampfkunst-Meisterin, in Japan von Ninjas trainiert, und eine maskierte Rächerin, deren Spezialität das Französische Boxen ist, bewegen sich weit außerhalb der gesetzlichen Normen. Dagegen sind der Prohibitionsagent und der Verwaltungsangestellte fest in die Strukturen ihrer jeweiligen Behörden eingebunden.

Gehört der Band in die Sammlung?

Zumindest der erste Teil des Titels Polizisten & Vigilanten mag ein wenig irreführend sein. Den „klassischen“ Schutzmann oder Kripo-Beamten findet der Leser hier nicht. Dennoch stützen sich viele der vorgestellten Ermittler auf die Strukturen des Rechtsstaates. Wie es der Zufall so will, haben alle Investigatoren in meiner aktuellen Cthulhu-Spielrunde einen kriminalistischen Hintergrund. Hier ist es vor allem der erste Abschnitt des Bandes, der sowohl Spielern als auch dem Spielleiter einige nützliche Hilfestellungen an die Hand gibt. So ist das Spielerlebnis ein ganz anderes, wenn man beispielsweise auf die Unterstützung des örtlichen Polizeireviers zurückgreifen kann oder Zugang zu Akten und Beweismaterial erhält. Auf der anderen Seite sind die Ermittler aber in ihren Methoden eingeschränkt – müssen sie doch letztendlich ihren Vorgesetzten gegenüber Rechenschaft ablegen.

Die Informationen gehen, dem Umfang geschuldet, nicht übermäßig in die Tiefe, sind aber für eine Spielrunde mehr als ausreichend. Der Fokus liegt eindeutig in den 1920ern, wobei die meisten Berufe (oder ihre Entsprechungen) in jedem Staat mit einem funktionierendem Rechtssystem zu finden sind. Selbst wenn die Spieler nicht zwingend eine Karriere als Gefängniswärter oder Leibwächter anstreben, bietet der Band genug Ideen um nützlich zu sein.
Die Aufmachung folgt dem bewährten Schema: zweispaltiges Layout, aufgelockert durch zeitgenössische Bilder und verschiedene Einschübe. Dies erleichtert es dem Leser sich zu orientieren und sorgt dafür, dass alle Informationen schnell verfügbar sind. Die Tabellen ermöglichen es, kurzfristig einen Ermittler zusammen zu bauen – oder können als Inspirationsquelle genutzt werden.

Eine gedruckte Ausgabe des Bandes ist bei Pegasus Spiele aktuell leider nicht erhältlich. Im örtlichen Spieleladen dürfte man allerdings mehr Glück haben. Wer sich mit einem PDF begnügen mag, erhält dies HIER. Dort gibt es auch weiteres Material zum Rollenspiel als Download.

Für Spieler, die ihrem Investigator einen entsprechenden Hintergrund geben wollen, liefert Polizisten & Vigilanten recht nützliche Informationen und Anregungen.

 

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