Lovecrafter Nr. 3

10.10.2018 von Marcus Pohlmann

In jeder Ausgabe legt die Redaktion des Lovecrafter, dem Vereinsmagazin der Deutschen Lovecraft Gesellschaft e.V., einen bestimmten Schwerpunkt fest. Vor 50 Jahre erschienen die Geschichten von H.P. Lovecraft zum ersten Mal in deutscher Sprache, Grund genug für die Verantwortlichen den Fokus des dritten Heftes auf dieses Jubiläum zu setzen.

Traditionell ist der erste Teil des 80seitigen Heftes dem Vorwort und einem Bericht über die Vereinsaktivitäten vorbehalten. Dazu zählen die Förderung verschiedener Projekte rund um das Thema „Lovecraft“, Veranstaltungen wie die anRUFung oder organisatorische Informationen des Vorstandes. Bereits in den 1970er setzten sich Fanzines mit phantastischer Literatur und auch Horror auseinander, beispielsweise die Weird Fiction Times und das Vorgänger-Heft Ganymed. Das Interview mit einem der damaligen Redakteure und Autoren, Uwe Anton, gibt Einblicke in die Motivation hinter der Entstehung der beiden Hefte. Einem Überblick über die literarischen Veröffentlichungen von Lovecrafts Geschichten (und auch der dazugehörigen Sekundärliteratur) in den letzten 50 Jahren widmet sich das nächste Kapitel. Fünf Autoren, Herausgeber und Übersetzer, unter anderem Frank Festa und Joachim Körber schildern ihre Sicht auf die Entwicklung die der Cthulhu-Mythos in Deutschland seitdem genommen hat. Auch der Einfluss auf die Populärkultur und einige andere Aspekte kommen bei dieser Unterhaltung zur Sprache. In „Fear of the Known“ macht sich der Autor Levin Handschuh Gedanken zur sozialen Relevanz von Lovecrafts Mythos in der digitalen Welt – so der Untertitel des Artikels. Im Kern geht es darum, dass gesellschaftliche, soziale oder technische Entwicklungen, die Lovecraft zwar beschrieben hat, aber zum damaligen Zeitpunkt nahezu unvorstellbar waren immer weiter in den Bereich des Möglichen rücken. Mit dem Kapitel „Protest und Wahn“ enthält der Lovecrafter auch ein komplettes Kampagnensetting für cthuloides Rollenspiel. Als Hintergrund wird hier das Deutschland des Jahres 1968 genutzt. Neben einigen zeitgeschichtlichen Informationen und der Möglichkeit, diese in eigene Abenteuer einzubinden liefert Autor Marc Thorbrügge gleich einige Szenarienideen mit. So werden untergetauchte Nazis von einem Kult der Großen Alten gejagt, Außerirdische senden Botschaften an Wissenschaftler oder Studenten kommen über ihren Haschischdealer in Kontakt mit Tiefen Wesen. Für das von der Deutschen Lovecraft Gesellschaft e.V. veröffentlichte freie Rollenspiel Fthagn findet sich mit „Der treibende Holländer“ auch ein Abenteuer im Heft. Im Jahr 1947 sind die Spieler als Reisende und Besatzungsmitglieder auf dem Passagierschiff Silverstar unterwegs. In der Straße von Malaga fangen sie den Hilferuf der holländischen Ourang Medan auf – finden an Bord aber nur noch die Leichen der Besatzung. Die folgenden Untersuchungen auf dem Geisterschiff werfen allerdings mehr Fragen auf als sie beantworten. Die Regeln für das System stehen auf der Homepage des Vereins kostenlos zum Download zur Verfügung. Es folgt die Vorstellung von Cthulhu Noir, einem weiteren Rollenspiel, dass sich mit der Bekämpfung des Mythos durch die Investigatoren beschäftigt. Das System verfügt über einige Besonderheiten, beispielsweise was Würfelmechanismen und die Lösung von Kampfsituationen angeht. HIER stellt der Autor zumindest das grundlegende Regelkonstrukt ebenfalls kostenlos bereit. Auch der letzte Artikel ist einer Rezension vorbehalten. Hierbei handelt es sich um die Arkham Horror Files, einer Serie von kooperativen Brett-, Karten- und Würfelspielen, in denen die Spieler in die Rollen von Investigatoren schlüpfen um sich den Machenschaften der Großen Alten und ihrer Schergen entgegen zu stellen. Veröffentlicht wird diese Spieleserie vom US-amerikanischen Verlag Fantasy Flight Games und auf dem hiesigen Markt durch dessen Partner Asmodee.

Wenn ich mich mit dem Cthulhu-Mythos beschäftige steht, als passionierter Brett- und Rollenspieler, natürlich vor allem dieser Aspekt im Vordergrund. Leider bietet die dritte Ausgabe des Lovecrafter in dieser Hinsicht für mich relativ wenig direkt verwertbares Material – eigentlich nur „Der treibende Holländer“. Dafür ist das Abenteuer recht flexibel gehalten und lässt sich problemlos auf andere Settings übertragen. Auch der 1968er-Hintergrund liefert einige nette Ansätze – aber auch nicht wirklich viel mehr. Das Gros des hier enthaltenen Materials konzentriert sich auf das literarischen Schaffen Lovecrafts und der Verbreitung seiner Geschichten hierzulande. Den Informationsgehalt der Interviews empfinde ich als eher als dürftig – immerhin gibt es für den interessierten Leser hier einen Einblick hinter die Kulissen der Verlagsarbeit.
Wirklich gelungen sind dagegen wieder einmal Layout und Druck. Angefangen bei der Prägung des Titels über die Auswahl der passenden Fonts für die verschiedenen Themen bis hin zu den kleinen, stimmigen Illustrationen macht das Heft einfach einen ausgesprochen professionellen Eindruck.
Wer mehr über die Vereinsarbeit wissen möchte, kann der Deutschen Lovecraft Gesellschaft e.V. auf ihrer Homepage einen Besuch abstatten.

Die dritte Ausgabe des Lovecrafter richtet sich vor allem an literarisch interessierte Leser – die hier einen Einblick in die Entwicklung der letzten 50 Jahre bekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.