Die Tavernen im Tiefen Thal

09.05.2019 von Marcus Pohlmann

Die Tavernen im Tiefen Thal

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Spieleranzahl: 2 bis 4 Spieler

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Spieldauer: ca. 60 Minuten

Erscheinungsdatum: 11.02.2019

Sprache: Deutsch

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Ein Kneipenspiel der etwas anderen Art liefert Autor Wolfgang Warsch für Schmidt Spiele ab. Das Leben als Wirt in der Ortschaft Tiefenthal ist gar nicht so einfach, gibt es doch nur eine begrenzte Anzahl an trinkfester Kundschaft. Daher buhlen bis zu vier Schankwirte in Die Tavernen im Tiefen Thal um solvente Trinker, bauen ihre Kneipen aus und sorgen für stetigen Nachschub an Getränken.

Was steckt drin?

Das Spiel setzt sich aus fünf aufeinander aufbauenden Modulen zusammen. Jedes Modul kommt dabei mit seinem eigenen Spielmaterial und wird mit der bereits zur Verfügung stehenden Ausstattung kombiniert.
Für das Modul 1, quasi die Grundausstattung des Spiels, erhält jeder Spieler eine Taverne, an die verschiedene Komponenten angesteckt werden. So gibt es die Möglichkeit, zusätzliche Tische, Bierlager, Lieferanten, Tellerwäscher, Kellnerinnen, einen Tresorraum oder Fässer zu erwerben. Außerdem erhält jeder Spieler drei sechsseitige Würfel in seiner Farbe, sowie einen Bierdeckel mit vier weißen Würfeln. Ein Kartendeck mit sieben Stammgästen, Kellnerin, Tisch und Lieferant gehört ebenso dazu. Ein farbiger Holzmarker komplettiert die Ausstattung des einzelnen Spielers.

Modul 1 für drei Spieler

Modul 1 für drei Spieler

Die über 200 Karten teilen sich auf in Gäste und Tavernen; während erstere Siegpunkte und Einkommen bringen, lassen sich mit den Tavernen-Karten Würfel generieren, Bier anliefern oder neues Personal anheuern. Dazu gibt es noch Papp-Marker für die Gäste und verschiedene Spieleffekte, beispielsweise für Startspieler und Rundenanzeige.
Modul 2 bringt Gaukler- und Schnaps-Marker ins Spiel, mit Modul 3 kommen 10 neue Gäste- und 18 Bardenkarten, sowie Marker hinzu. Modul 4 besteht lediglich aus sieben Karten, auf denen geänderte Startbedingungen für die Spieler gelistet sind. Im letzten Modul wird für jeden Spieler ein Gästebuch eingeführt, zusammen mit Markern für die Unterschriften der zufriedenen Kunden.

Wie wird’s gespielt?

Zu Beginn müssen sich die Spieler entscheiden, welche Module sie nutzen wollen. Danach erhält jeder Spieler seine Grundausstattung. Dazu gehören der Kneipenplan, die verschiedenen Räume, Marker und Würfel, aber auch zehn Karten mit Gästen und Personal, die den eigenen Kartenstapel bilden. Die restlichen Karten und Marker werden bereitgelegt – die Partie kann beginnen.
Eine Spielrunde teilt sich in insgesamt sieben Phasen auf. In fünf davon agieren alle Spieler gleichzeitig, nur in zwei Phasen sind die Spieler nacheinander am Zug.

Das Geschäft brummt

Das Geschäft brummt

Die erste Phase ist schnell abgehandelt – hier wird lediglich der Rundenmarker verschoben. In manchen Runden erhalten die Spieler dabei Boni. In der zweiten Phase betreten die Gäste die Taverne und suchen sich ihre Plätze. Dazu decken die Spieler Karten von ihrem Nachziehstapel auf und legen diese an freie Stellen in ihrer Kneipe. Die Phase endet, wenn alle Tische besetzt sind. Anschließend bekommt jeder Spieler für jede angestellte oder aufgedeckte Kellnerin einen Würfel seiner Farbe – maximal drei Stück. Der Mechanismus des Würfel-Draft greift in der folgenden Phase. Jeder Spieler wirft vier weiße Würfel, wählt einen davon aus und gibt den Rest weiter. Diese Würfel werden anschließend, abhängig von der Augenzahl, auf verschiedenen Aktionen platziert.

Um die Aktionen abzuhandeln, agieren die Spieler wieder nacheinander. Im Austausch für die Würfel bekommen die Spieler Geld oder Bier, können ihre Taverne mit neuen Tischen ausstatten oder Personal anwerben. Alle Karten kommen in der letzten Phase auf den Ablagestapel des jeweiligen Spielers und der Startspieler wechselt.
Nach der achten Runde endet die Partie und die Spieler zählen die Siegpunkte auf ihren Karten. Der Spieler mit den meisten Punkten, ist der erfolgreichste Wirt und hat das Spiel gewonnen.

Beim Einsatz der verschiedenen Module bleibt der eigentliche Spielablauf weitgehend unverändert; es kommen lediglich neue Elemente hinzu. Im Modul 2 kommen beispielsweise Gaukler in die Taverne, die im Austausch für Schnaps dem Wirt zusätzliche Einnahmen bringen, kostenlose Aktionen gewähren oder es ihm ermöglichen bereits ausgespielte Karten erneut einzusetzen. Im dritten Modul kommen Barden hinzu, die die Reputation der Taverne steigern – wofür es am Spielende wieder Punkte gibt. Das Modul 4 modifiziert die Ausgangssituation der Spieler. Statt der gewohnten Ausstattung mit Tisch, Kellnerin und Lieferant gibt es nun beispielsweise Boni auf der Klosterleiste, Schnaps oder Barden und Bierhändler. Das letzte Modul führt schließlich das Gästebuch ein. Zufriedene Gäste leisten hier ihre Unterschrift und geben dem Spieler so weitere Boni.

Kann das Spiel was?

Auf den ersten Blick war ich mit der Masse an verschiedenen Karten, Plättchen und Markern etwas überfordert. Erst wenn alle Spielkomponenten sortiert und säuberlich in Module aufgeteilt sind, wird die Angelegenheit übersichtlicher. Ein Blick in die beiden Regelhefte hilft dabei natürlich auch. Der Aufbau von Die Tavernen im Tiefen Thal ermöglicht es, den Spielern Komplexität und Anspruch sehr gut anzupassen. Das macht das Spiel für Gelegenheitsspieler ebenso unterhaltsam wie für erfahrene Strategen und Vielspieler. Wolfgang Wirsch ist es gelungen, jede Ausbaustufe ausgewogen, abwechslungsreich und spannend zu gestalten, ohne dabei den eigentlichen Spielfluss zu unterbrechen.

Schnaps und Narren im Kloster

Schnaps und Narren im Kloster

Die Kombination aus Deckbuilding- und Würfel-Draft-Mechanismen funktioniert gut und ermöglicht verschiedene Vorgehensweisen auf der Jagd nach den begehrten Gästen. Einzig die Interaktion zwischen den Spielern kommt ein wenig kurz, was jedoch bei dem hervorragenden Gesamteindruck kaum ins Gewicht fällt.
Die Illustrationen von Dennis Lohausen sind übersichtlich und die Piktogramme weitgehend selbsterklärend. Dennoch hat er viele kleine, stimmige Details in seinen Zeichnungen untergebracht. Marker und Karten sind stabil, auch die Stanzungen in den Tavernen verkraften die Belastung durch das Spiel gut. Einige Probleme haben mir jedoch die Schnaps- und Gästebuch-Marker bereitet – diese sind definitiv nicht für dicke Finger ausgelegt. Die Anleitung geht ausführlich auf die verschiedenen Spielphasen und Module ein, so dass die Abläufe schnell klar sind und die Partie starten kann.
Auf der Homepage von Schmidt Spiele gibt es die beiden Regelhefte als Download, außerdem noch weitere Informationen zum Spiel.

Wer sich nicht von dem etwas umständlichen Spielaufbau abschrecken lässt, bekommt mit Die Tavernen im Tiefen Thal und schönes, durchdachtes und auch optisch ansprechendes Spielerlebnis.

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