Der Saturnische Kelch

28.07.2022 von Marcus Pohlmann

Der Saturnische Kelch

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Erscheinungsdatum: 09.03.2022

Sprache: Deutsch

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Rollenspielkampagnen sind schön und gut – aber manchmal fehlt einfach die Zeit oder die Spielrunde möchte etwas Neues ausprobieren. Genau für diesen Fall veröffentlichen Pegasus Press in letzter Zeit häufiger Bände mit Abenteuersammlungen – gelegentlich mit einem thematischen Schwerpunkt; manchmal unabhängig voneinander. In diese zweite Kategorie gehört Der Saturnische Kelch, der vor kurzem erschienen ist. In dem 96seitigen Band fasst der Verlag drei Szenarien zusammen, die in einer oder zwei Sitzungen durchgespielt werden können. Während es sich beim dritten Abenteuer um eine Eigenproduktion handelt, sind die beiden anderen bereits vor einiger Zeit bei Chaosium in englischer Sprache erschienen.

Um was geht es?

Potentielle Spieler sollten an dieser Stelle nicht weiter lesen, könnten sie aus der Rezension doch Rückschlüsse auf die Handlung der Abenteuer ziehen.

„Der Saturnische Kelch“, das längste Abenteuer in diesem Band, ist irgendwann in den 1920er Jahren angesiedelt. Dabei stellt es wenige Anforderungen an den Schauplatz – nur etwas abgelegen muss er sein. Die Charaktere haben während ihrer Reise auf einer selten befahrenen Straße eine Panne. Glücklicherweise findet sich in kurzer Entfernung das Landhaus der Familie Weyland. Dort werden sie freundlich aufgenommen und bewirtet, auch Hilfe für das liegengebliebene Auto ist in Aussicht. Die Idylle trügt jedoch, denn in diesem Haus ist nichts, wie es zu sein scheint.
Im Herzen des Hauses sitzt eine außerweltliche Bedrohung und manipuliert die Realität beinahe nach Belieben. Die Spieler müssen herausfinden, was es mit den seltsamen Ereignissen auf sich hat, Rätsel lösen und schließlich einen Weg finden, zu entkommen.

Das zweite Abenteuer, „Schatten über Providence“, wurde für den „NecronomiCon 2019“ geschrieben und spielt praktisch im gleichen Hotel wie die Convention. Ort der Handlung ist das Milton-Hotel in Providence am 25. August 1928. Die Spieler befinden sich anlässlich der Eröffnung einer ägyptischen Ausstellung im obersten Stock des Gebäudes. Doch nicht nur sie sind dort, sondern auch eine Gruppe Gangster, die es auf die archäologischen Artefakte abgesehen haben. Während des Raubes geht etwas fürchterlich schief und eine uralte Wesenheit, gefangen in einer Kanope, kommt frei. Im folgenden Katz-und-Maus-Spiel müssen die Investigatoren die Kreatur aufhalten, bevor sich diese an den Hotelgästen gütlich tut. Die Spieler bekommen hier eine Reihe vorgefertigter Charaktere, die sie übernehmen können.

In die Zeit des Kalten Krieges führt das dritte und letzte Abenteuer „Form 6“. Irgendwann zwischen 1960 und 1980 geschehen in der Wüste Arizonas merkwürdige Dinge. Als Bundesagenten, Forscher oder Bewohner des Städtchens Anstons finde die Spieler heraus, was vor sich geht. Menschen und Tiere verschwinden oder werden tot und verstümmelt aufgefunden, die örtlichen Behörden sind überfordert und die Lage eskaliert immer weiter. Wer einschlägige Tier-Horror-Filme aus den 1970ern kennt, wird schnell auf die Übeltäter kommen. Ob dies bei der Bekämpfung der Bedrohung jedoch weiter hilft, ist eine andere Sache.

Gehört der Band in die Sammlung?

Kurze Abenteuer kann der Spielleiter eigentlich gar nicht genug im Schrank stehen haben. Und Der Saturnische Kelch bildet dabei sicherlich keine Ausnahme. Die ersten beiden Abenteuer sind, was Ort und Zeit angeht, relativ flexibel einsetzbar. Außerdem lassen sie sich auch problemlos in eine Kampagne einbinden. Besonders das titelgebende Szenario, mein Favorit, lässt dem Spielleiter zahlreiche Optionen und Freiheiten. So kann er die Handlung und die Nichtspielercharaktere nach Belieben modifizieren und den Spielern so einen surrealen Trip bescheren. Der Mythos-Bezug ist zwar bei beiden Szenarien vorhanden, aber nicht übermäßig stark ausgeprägt, so dass der Spielleiter problemlos Anpassungen vornehmen kann. Nicht ganz warm geworden bin ich dagegen mit „Form 6“. Die Auflösung drängt sich praktisch auf und die entsprechenden Gegenmaßnahmen liegen auf der Hand. Je nach Ressourcen der Charaktere lässt es sich innerhalb kürzester Zeit lösen. Auch einen cthuloiden Hintergrund habe ich hier vermisst.
Insgesamt bekommt der Spielleiter hier drei durchaus brauchbare, flexibel einsetzbare Abenteuer, die vor allem Fans einschlägiger Filme ansprechen dürften.

Die Gestaltung des Bandes folgt dem gewohnten Schema: zweispaltiges Layout, unterbrochen von Text-Einschüben, Fotografien (bei „Schatten über Providence“) und Illustrationen (bei den beiden anderen Abenteuern). Hinzu kommen teils umfangreiche und liebevoll gestaltete Hand-Outs, die sehr viel zur Atmosphäre beitragen.

Pegasus Spiele haben auf ihrer Homepage weitere Informationen zum Abenteuer-Band. Dort finden sich, wie gewohnt, auch die PDF-Version und die dazugehörigen Hand-Outs.

Mit Der Saturnische Kelch bekommt der Spielleiter drei abwechslungsreiche Abenteuer zu einem sehr guten Preis.

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