
Kategorie: Kartenspiel
Autor: Richard Wilkins
Zeichner: Lukas Siegmon
Entwickler: Deep Print Games
Verlag / Publisher: Pegasus Spiele
Genre: Cyberpunk, Kooperativ, Strategie
Spieleranzahl: 1 bis 4 Spieler
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Spieldauer: ca. 60 bis 90 Minuten
Erscheinungsdatum: 23.10.2025
Sprache: Deutsch
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Was früher als Hintergrund für Cyberpunk-Dystopien herhalten musste, nimmt immer mehr reale Formen. Autonome Computersysteme und „Künstliche Intelligenzen“ sind aus dem alltäglichen Leben nicht wegzudenken und wir verlassen uns zunehmends auf sie. Wohin das am Ende führt, ist noch nicht wirklich abzusehen – aber es regt auf jeden Fall die Fantasie von Autoren, Filmemachern und natürlich auch Spieleentwicklern an. Richard Wilkins hat aus dieser Thematik mit Deckers ein kooperatives Kartenspiel für bis zu vier Hacker geschaffen. Der Kampf gegen die scheinbar übermächtigen SMCs (Supermassive Computer) ist beim Berliner Verlag Deep Print Games erschienen, während sich Pegasus Spiele um Vertrieb und Vermarktung kümmern.
Was steckt drin?
Der Inhalt der Spielebox besteht aus einer ganzen Reihe kleinerer Schachteln in unterschiedlichen Formen und Größen zur Unterbringung des eigentlichen Spielmaterials. Zum einen gibt es zahlreiche Papp-Marker, mit denen unter anderem Programme und Wächter in verschiedenen Farben dargestellt werden. Für die Decker, also die Charaktere der Spieler sind Aufsteller und doppelseitig bedruckte Profilkarten vorhanden. Auf diesen finden sich neben Namen, Illustration und einer kurzen Hintergrundgeschichte auch spielrelevante Angaben, wie Startpunkt und besondere Fähigkeiten. Die sieben Karten der SMCs folgen einem ähnlichen Schema. Zusätzlich finden sich hier Besonderheiten bei der Spielvorbereitung, Sonderregeln und der Schwierigkeitsgrad. Fünf zweiseitige Spielplanteile bestehend aus jeweils sechs Hexfeldern stellen die Server-Segmente dar. Die einzelnen Felder verfügen über unterschiedliche Farben und Symbole und sind durchnummeriert.
Die Spielmechaniken drehen sich allerdings in erster Linie um verschiedene Karten. Die 40 Zielkarten, unterteilt in drei Schwierigkeitsstufen, geben die Aufgaben vor, die die Spieler erledigen müssen, um siegreich aus einer Partie hervorzugehen. Auch etwaig geltende Sonderregeln sind hier gelistet. Um ihre Mission zu erfüllen, stehen den Deckern 129 Befehlskarten zur Verfügung – wobei jeder sein eigenes Deck aus 15 Befehlen hat, dass durch allgemeine Karten ergänzt wird. Mit diesen können sie beispielsweise Marker einsetzen, entfernen oder versetzen, neue Karten ziehen und verschiedene andere Spieleffekte ausführen. Fünf Server-Zufallskarten, Karten für eine Regelvariante und drei Würfel kommen ebenfalls zum Einsatz. Fünf Übersichtskarten und die 28seitige Anleitung vervollständigen das Spielmaterial.
Wie wird’s gespielt?
Die wichtigste Entscheidung, die die Spieler vor Beginn einer Partie treffen müssen, ist die des Gegners. Je nachdem welcher SMC zum Einsatz kommt, variiert die Schwierigkeit und unter Umständen auch die Prioritäten bei der Charakterauswahl. Der SMC gibt vor, wie viele und Zielkarten erfüllt werden müssen, um das Spiel zu gewinnen. Dafür werden zufällig bronzene, silberne und goldene Ziele vom jeweiligen Stapel gezogen und übereinandergelegt. Dies gibt auch die Anzahl der Runden, oder „Zyklen“ vor. Anschließend bauen die Spieler die Server-Elemente auf, so dass diese mindestens mit zwei Feldern an einem anderen Segment liegen.
Nun wählt jeder einen Decker aus, nimmt sich das dazugehörige Befehlsdeck in der passenden Farbe, den Aufsteller (oder Avatar) sowie das Geistplättchen. Der Avatar kommt auf das entsprechende Startfeld, zusammen mit einem Programm-Marker. Nun folgen letzte Modifikationen im Aufbau, abhängig vom gewählten SMC, beispielsweise die Platzierung von Spähern (den Schutzmaßnahmen des Rechners). Die allgemeinen Befehlskarten werden gemischt und vier davon als zur Verfügung stehende Upgrades aufgedeckt. Jeder Spieler erhält noch fünf Handkarten, bevor die Partie starten kann.
Der Spielablauf besteht aus drei bis fünf Zyklen. Jeder Zyklus ist in vier verschiedene Phasen unterteilt, die nacheinander durchlaufen werden. In der Informationsphase geht es lediglich darum, die Bedingungen der Zielkarte und etwaige Sonderregeln zu ermitteln. Daran schließt sich die Befehlsphase an. In dieser stehen jedem Decker drei Spielzüge zur Verfügung, in denen er Befehlskarten ausspielen und deren Handlungen ausführen kann. Mit diesen bewegt er seine Figur auf dem Spielfeld, bringt Programme und Installationen aufs Feld und bekämpft die Schergen des Computers. Außerdem kommen in dieser Phase Marker des SMC ins Spiel.
Haben alle ihre Aktivierungen beendet, kommt die SMC-Phase. In dieser agieren die Späher und Wächter des Systems und attackieren die Marker der Spieler. Am Ende wird überprüft, ob es den Deckern gelungen ist, die Bedingungen der Zielkarte zu erfüllen – meist in dem sie bestimmte Felder eines Server-Segments mit ihren Programmen besetzen. Erfolg oder Niederlage wirken sich auf die kommenden Durchgänge aus. Die Auffrischphase beendet den Zyklus – nun wird die nächste Zielkarte aufgedeckt sowie die Kartendecks neu gemischt und verteilt.
Die Spieler gewinnen, wenn es ihnen gelingt, die Bedingungen der letzten (goldenen) Zielkarte zu erfüllen. Scheitern sie dabei, hat der SMC gesiegt. Dies tritt ebenfalls ein, sollten zu viele Wächter oder Späher auf dem Server sein.
Die Anleitung bietet außerdem noch drei Spielvarianten, beispielsweise „Fragmentierte Server“, bei denen unterschiedliche Farben innerhalb eines Server-Segments auftreten. Die SMCs lassen sich mit zwei Upgrades verstärken, was auch die Anzahl der gespielten Zyklen erhöht. Eine letzte Variante bringt die Paket-Plättchen ins Spiel, die weitere Regelmodifikationen mit sich bringen.
Kann das Spiel was?
Wie bereits beim Auspacken und der Regellektüre abzusehen, ist Deckers ein ganz schöner Brocken. Die Feinheiten der Abläufe lassen sich nicht in eine Rezension packen – dies würde den Rahmen sprengen. Auf der Homepage des Verlags können angehende Hacker aber einen Blick in die Anleitung werfen. Die Handlungsmöglichkeiten der Spieler sind vielschichtig und komplex, mit ineinandergreifenden Effekten und Kooperationen zwischen den Charakteren. Dazu kommen die verschiedenen Spezialisierungen und die Regeln der einzelnen SMCs. Die abwechslungsreichen Zielkarten tragen ihren Teil bei, die Herausforderung sehr hoch zu halten. Dies alles ergibt ein Spiel, dass die volle Aufmerksamkeit der Mitspieler und, besonders am Anfang, viel Geduld und häufiges blättern im Regelwerk erfordert. Die Lernkurve ist steil, doch lohnt es, durchzuhalten. Das Triumphgefühl, wenn die erste SMC geschlagen ist, macht die vorangegangenen (in meinem Fall drei) gescheiterten Anläufe mehr als wett.
Die Warte- und Nachdenk-Zeiten können manchmal recht lange werden, vor allem wenn ein Spieler mehrere Züge nacheinander ausführt. Die Gesamtspieldauer bewegte sich in meinen Testrunden in der Regel zwischen 90 und 120 Minuten – allerdings erst nach der einigen Einführungspartien. Das Ganze funktioniert bei jeder Teilnehmerzahl gut, wobei mir die Durchgänge alleine oder zu zweit am meisten Spaß gemacht haben.
Wie schon über die Abläufe, so kann ich auch zur Ausstattung nichts Negatives sagen. Das Artwork ist passend futuristisch und bedient gängige Cyberpunk-Standards. Illustrator Lukas Siegmon kann außerdem mit einigen sehr originellen Einfällen aufwarten, beispielsweise dem „Lockvogel“. Die Gestaltung der Karten ist übersichtlich und gut erkennbar – selbst bei umfangreicheren Texten. Die Qualität des Materials ist durchweg hochwertig und vor allem die Idee mit den handlichen Schachteln hat mir gefallen. Trotz ihres Umfangs findet man sich in der Anleitung schnell zurecht. Viele Beispiele und Erklärungen, zusammen mit den Übersichtskarten, geben ausreichende Hilfestellungen.
Pegasus liefern hier ein sehr tiefgängiges Expertenspiel ab, dass diesen Namen tatsächlich verdient. Weitere Informationen, sowie die Anleitung als Download, gibt es auf der Homepage des Friedberger Verlags. Wer mehr über den Autor wissen möchte, sollte einen Blick auf die Seite von Deep Print Games werfen.
Deckers ist ein Spiel für anspruchsvolle Zocker, die sich in die Materie vertiefen können und belohnt sie mit einem toll umgesetzten Konzept.
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