Betrayal – Die verlorenen Seelen

20.11.2025 von Marcus Pohlmann

Betrayal - Die verlorenen Seelen

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Spieleranzahl: 3 bis 5 Spieler

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Spieldauer: ca. 20 bis 30 Minuten

Erscheinungsdatum: 03.10.2024

Sprache: Deutsch

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Einige unserer Leser kennen vielleicht Betrayal at the House on the Hill, ein atmosphärisches Horror-Spiel, bei dem eine ahnungslose Gruppe von Personen ein verlassenes Haus erkundet. Hier müssen sie Räume untersuchen, Omen „interpretieren“ und sich mit einem Verräter in ihrer Mitte herumschlagen. Vor diesem Hintergrund siedeln Avalon Hill (im deutschen Vertrieb von Hasbro) nun ein weiteres Spiel an. Auch bei Betrayal – Die verlorenen Seelen verirren sich bis zu fünf Spieler in das Haus und müssen einen Weg hinaus finden. Das Kartenspiel im Tarot-Format bietet ebenfalls Artefakte, Flüche und Omen. Und vielleicht sogar einen Verräter.

Was steckt drin?

Fast 100 großformatige Karten liegen in der Schachtel, die sich in zahlreiche Kategorien aufteilen. Den größten Anteil haben dabei mit insgesamt 38 Exemplaren die Gegenstandskarten, Bei diesen (wie auch allen anderen) Karten nimmt die Illustration einen Großteil des Platzes ein. Des Weiteren findet sich hier die Bezeichnung des Gegenstandes, wie etwa der Schmelztiegel, ein tropfender Federkiel oder die Mondsichel. Außerdem sind hier verschiedene Symbole aufgedruckt, die Auskunft darüber geben, ob es nach Einsatz abgelegt wird oder welcher Charakter das Artefakt nutzen kann. Von diesen Charakteren gibt es insgesamt fünf: Okkultist, Soldat, Händler, Alchimist und Inquisitor. Auch hier steht die Zeichnung im Mittelpunkt, ansonsten unterscheiden sich die Personen nur durch die Karten, die sie einsetzen können.

Die Omen warten

Die Omen warten

Sechs geheime Missionskarten sagen jedem Spieler, ob er einer der Abenteurer oder der Verräter ist. 34 Omenkarten (aufgeteilt in kleine und große Omen) müssen im Verlauf gelöst werden, so die Totenglocke, die fleischfressende Pflanze oder der weinende Engel. Dazu sind jeweils neben Zeichnung und Titel die Symbole der benötigten Gegenstände auf den Karten aufgedruckt. Außerdem die Belohnung oder Strafen für den Abschluss des Omens. Die sechs Fluchkarten tragen ebenfalls die Symbole von Gegenständen, die zur Bannung nötig sind. Schließlich enthält die Schachtel noch sechs Übersichtskarten und die 16seitige Anleitung.

Wie wird’s gespielt?

Die Fluchkarten kommen in einer Reihe offen in die Mitte des Spieltischs. Jeder Spieler erhält vier zufällige Gegenstandskarten, einen Charakter, eine Missionskarte, drei kleine und zwei große Omen. Die restlichen normalen und besonderen Gegenstände bilden separate Nachziehstapel.

Die richtige Kombination

Die richtige Kombination

Ist ein Spieler an der Reihe, durchläuft er zwei Phasen. In der Kooperationsphase kann er eine von drei Handlungen durchführen: einen Gegenstand vor sich auslegen, wenn der Charakter in der Lage ist diesen zu nutzen. Als zweite Möglichkeit kann er ein Artefakt verdeckt an einen Mitspieler weitergeben, dieser kann sich seinerseits mit einer Karte revanchieren. Schließlich kann er eine Karte vom Ablagestapel nehmen und im Gegenzug eine Handkarte dafür verdeckt ablegen.

Daran schließt sich die Omenphase an. Hier muss ein Spieler eine der Omenkarten aus seiner Hand ausspielen – zuerst die kleinen, wenn diese aufgebraucht sind die großen. Hat der Spieler Gegenstände, die zur Lösung des Omens benötigt werden auf der Hand, legt er diese nun aus. Anschließend sind die Mitspieler an der Reihe und legen ebenfalls Artefakte vor sich ab. Haben sie die erforderlichen Gegenstände beisammen, erhalten sie den entsprechenden Bonus, ansonsten greift die Strafe. Enthält die Omenkarte einen Hinweis, wird sie an einen beliebigen Fluch gelegt – so lässt sich bereits in der Anfangsphase das Finale beeinflussen. Nun ist der Nächste an der Reihe und der Vorgang wiederholt sich.

Das Spiel kann enden, wenn ein Spieler weder Handkarten noch Gegenstände ausliegen hat und ein großes Omen ausspielen muss. In diesem Fall verlieren sie sofort gemeinsam. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sich die Spieler einem der sechs Flüche gegenübersehen. Welcher das ist, hängt von den gesammelten Hinweiskarten ab – der Fluch mit den meisten Hinweisen ist der „Endgegner“. Der Ablauf gleicht dem der Omen. Die Spieler müssen die richtigen Gegenstände vorweisen, um den Fluch zu brechen und das Haus wieder zu verlassen – damit haben sie gewonnen.

Die Kartenauswahl

Die Kartenauswahl

Was dieses Unterfangen deutlich erschwert ist die Rolle des Verräters – sollte dieser denn überhaupt dabei sein. Solange er nicht enttarnt ist (oder sich nicht selbst offenbart) ist der Ablauf für ihn der gleiche wie für alle anderen auch. Allerdings kann er schon im Vorfeld wichtige Gegenstände auf den Ablagestapel verfrachten, dafür sorgen, dass die Bewältigung von Omen scheitert oder die Auswahl des Fluchs beeinflussen. Ist der Verräter ausgemacht, legt er seine Handkarten ab und bekommt von den Mitspielern deren Omenkarten. Nun entscheidet er die Reihenfolge, in der sich die anderen Charaktere den Herausforderungen stellen müssen.

Verschiedene Spielvarianten ermöglichen es, den (ohnehin knackigen) Schwierigkeitsgrad weiter anzuheben. Außerdem gelten für Runden mit drei oder vier Spielern leicht modifizierte Regeln.

Kann das Spiel was?

Bestien des Waldes bei Tageslicht...

Bestien des Waldes bei Tageslicht…

Die Anleitung von Betrayal – Die verlorenen Seelen liest sich etwas sperrig und auch der Spielablauf selbst erschließt sich nicht intuitiv. Dank einer Online-Erklärung liefen meine Testrunden dennoch relativ flüssig. Die Spielmechanik ist sehr einfach gehalten und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit machen die Partien auch Spaß. Mir hat vor allem die sich ausbreitende Paranoia unter den Mitspielern gefallen. Selbst wenn kein Verräter mit am Tisch sitzt, wird jede Aktion misstrauisch beäugt. Dies ist der Atmosphäre sehr zuträglich und sorgt für die richtige Stimmung in der Spielrunde. Der Schwierigkeitsgrad ist von Durchgang zu Durchgang unterschiedlich – viel hängt von der Reihenfolge der gezogenen Gegenstandskarten ab. Generell ist jedoch keine Partie zu einfach oder gar langweilig. Die Rolle des Verräters funktioniert sowohl verdeckt als auch enttarnt recht gut und er kann viel dafür tun, dass seine Mitspieler scheitern. Dies wird ihm jedoch ebenfalls nicht zu einfach gemacht.

Nicht nur an die Regeln, sondern auch an das Kartendesign muss man sich erst gewöhnen. Die Illustrationen des unbekannten Künstlers sind reichlich verstörend und passen damit wunderbar zur Grundstimmung des Spiels. Allerdings lassen sich die Symbole nicht auf Anhieb identifizieren, was den Ablauf unnötig stört. Wirklich beeindruckt haben mich außerdem die verwendeten Druck- und Veredlungstechniken: Jede Karte verfügt über eine Spot-Lackierung, hinzu kommen bei Flüchen, Charakteren und Schachtel noch Heißfolienprägungen. Zusätzlich sind alle Karten mit UV-reaktiver Farbe bedruckt, die nur bei entsprechendem Licht sichtbar ist. Insgesamt wurde hier ein kolossaler Aufwand bei der Produktion betrieben.

... und unter der UV-Lampe

… und unter der UV-Lampe

Interessierte Spieler könne sich auf der Homepage von Avalon Hill die Anleitung herunterladen. Außerdem findet sich hier ein Tutorial-Video, dass einen guten Einblick in den Ablauf gibt.

Mit Betrayal – Die verlorenen Seelen bekommen die Spieler ein großartig aufgemachtes, stimmiges Deduktionsspiel, für das es sich lohnt, durch die etwas zähen Regeln zu beißen.

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