BADFLIX Scareville

07.06.2026 von Marcus Pohlmann

BADFLIX Scareville

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Spieleranzahl: 1 bis 5 Spieler

Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Spieldauer: ca. 30 bis 45 Minuten

Erscheinungsdatum: 01.04.2026

Sprache: Deutsch

Mitte der 1980er Jahre war es in meinem Freundeskreis Brauch, sich regelmäßig zu treffen und gemeinsam ausgesucht schlechte Horrorfilme zu schauen. Diese Vorliebe ist mir erhalten geblieben und noch immer wandern gelegentlich die Klassiker des Genres in den heimischen DVD-Player. Daher war ich sehr interessiert, als ich auf der letztjährigen SPIEL ein Spiel entdeckte, dass sich mit eben jener Thematik auseinandersetzt. Jedoch übernimmt man in BADFLIX Scareville nicht die Rolle der heroischen Überlebenden, sondern macht als fieses Filmmonster Jagd auf die Seelen der Fernsehzuschauer. Leider war es auf der Messe noch nicht produziert, doch nach einer schnellen Einführungsrunde und einem Plausch mit Autor Marcel Dehlinger wurde das Spiel von till5am Games vor Ort vorbestellt. Mittlerweile ist es veröffentlicht und kam schon mehrfach zum Einsatz – mit dem gleichen Freundeskreis, mit dem ich seinerzeit die einschlägigen Filme geschaut habe.

Was steckt drin?

Die handliche Schachtel ist im Design einem alten Röhren-Fernseher nachempfunden. Darin befindet sich der doppelseitig bedruckte Spielplan. Dieser ist in sechs Celluloid-Strecken mit Werten zwischen „5“ und „10“ aufgeteilt – je zwei davon mit fünf, vier und drei Feldern Länge. Am Ende wartet das Filmplakat und damit eine unschuldige Seele, die es zu erbeuten gilt. Auf der zweiten Seite gibt es auf den Strecken einige Sondereffekte, die für erfahrene Spieler gedacht sind. Am Kopfende ist Platz für 18 „Deleted Scenes“-Karten vorgesehen. Diese winken beim Gewinnen einer Seele und bringen einmalig und unmittelbar Vorteile – aber auch Nachteile. Jedem Spieler steht ein Pool von „Schrecken“-Karten zur Verfügung. Mit diesen lassen sich beispielsweise Würfe modifizieren, Filme blocken oder Savepoints manipulieren.

Bereit für einen gemütlichen Fernsehabend?!?

Bereit für einen gemütlichen Fernsehabend?!?

Für die zwölf unterschiedlichen Filmfiguren gibt es eine doppelseitige Charakterkarte – eher ein recht massives Papp-Tableau. Die Vorderseite besteht aus einem Portrait der Figur, ihrem Namen und der besonderen Fähigkeit. Für eben diesen Skill gibt es eine Art „Ladeleiste“. Erst wenn diese gefüllt ist, kann der Spieler ihn einsetzen. Eine Ablagefläche für die gewonnenen Seelen ist ebenfalls vorhanden. Auf der Rückseite findet sich neben einem Filmplakat und einer weiteren Illustration auch ein kleiner Text mit Hintergrundinformationen und einigen Zitaten. Freunden gepflegter Horror-Filme dürften die meisten Charaktere bekannt vorkommen, beispielsweise Dollarsmart, ein teuflischer Clown, der Luftballons für Spieleffekte einsetzen kann, Leatherjacket, der vorzugsweise mit einer Heckenschere unterwegs ist oder Chubby, eine voluminöse Killer-Puppe. Für jeden Spieler gibt es daneben sieben Acrylquader, die zum Anzeigen seiner „Save Points“ und seiner Fähigkeitenleiste dienen. Drei weitere dieser Tableaus kommen in der Solo-Variante zum Einsatz.

Crunch...

Crunch…

Verschiedene Papp-Chips, beispielsweise für die Sonderfähigkeiten der Charaktere oder die Seelen gehören ebenfalls dazu. Drei sechsseitige Würfel nebst einem Sonderwürfel, Karten mit Spielhilfen, zwei Greiferchen (Pöppel in Form einer abgetrennten Hand) und das 32seitige Regelheft vervollständigen das Spielmaterial.

Wie wird’s gespielt?

Die Spieler erhalten ihr Charakterableau und gegebenenfalls die dazugehörigen Marker. Dazu die sieben Quader und einen Satz aus sieben „Schrecken“-Karten. Die gemischten „Deleted Scenes“ kommen auf ihre jeweiligen Felder, wobei die oberste Karte umgedreht wird. Die restlichen Marker, Würfel und Greiferchen liegen in Reichweite.

...und Fluff.

…und Fluff.

Ist ein Spieler am Zug, wirft er alle drei Hexaeder. Nun kann er diese zu einem beliebigen Ergebnis kombinieren, um auf einer oder zwei Strecken ein Feld mit dem Greiferchen vorzurücken. Sollte ein Würfel übrig bleiben, so kann er diesen nutzen, um seine Fähigkeit „aufzuladen“, das heißt, den entsprechenden Marker ein Segment nach rechts verschieben. Ist es ihm gelungen, alle Würfel zu verbrauchen hat er nun zwei Möglichkeiten: Entweder er beendet seinen Zug und setzt die Save Points an den Punkten, an denen die Greiferchen stehen. Stattdessen kann er einen neuen Wurf machen, um erneut auf den gewählten Streifen voranzuschreiten. Gelingt dies nicht, so endet der Zug und der er muss in seinem nächsten Durchgang vom letzten gesetzten Savepoint starten.

Abhängig von der Situation können die Spieler „Schrecken“-Karten für sich selbst oder gegen einen Mitspieler einsetzen – diese wird danach abgelegt und steht nicht mehr zur Verfügung. Anschließend ist der Nächste an der Reihe.

Erreicht ein Spieler in seinem Zug mit dem Greiferchen ein Filmplakat und beendet seinen Zug regulär, bekommt er einen Seelen-Chip und führt die „Deleted Scenes“-Karte aus. Alle anderen Marker werden von der entsprechenden Strecke entfernt.

Deleted Scenes

Deleted Scenes

Die Partie endet, wenn ein Spieler drei (oder, in der längeren Variante, fünf) Seelen eingesammelt hat.

Verschiedene Spielvarianten modifizieren Dauer und Schwierigkeitsgrad der Partie, während der Solo-Modus einen einzelnen Spieler auf Seelenjagd schickt. Für diese Version wird eine App benötigt und einige Änderungen am Spielablauf greifen. Auch hier gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsstufen.

Kann das Spiel was?

Der Autor bedient mit BADFLIX Scareville sehr treffsicher Horror-Klischees und Nostalgie. Dazu kommt ein einfaches, aber lustiges Spielprinzip, ein hoher Ärger-Faktor und ordentlich umgesetzte Regeln. Das Push-Your-Luck-Prinzip funktioniert gut, durch Karten und Fähigkeiten lässt sich dem Würfelglück sogar manchmal etwas auf die Sprünge helfen. Die „Delete Scenes“ sind immer für eine Überraschung gut, vor allem, wenn sie verdeckt sind. Würde es sich hier um ein „ernsthaftes“ Spiel handeln, wäre die Balance zwischen den einzelnen Charakteren eventuell ein Problem. Manche Fähigkeiten sind einfach wesentlich stärker oder nützlicher als andere. Aber da es sich hier um ein Spiel handelt, bei dem der Spaß im Vordergrund steht, sehe ich dies nicht so kritisch. Der Solo-Modus funktioniert – ohne Mitspieler macht das Ganze allerdings deutlich weniger Laune.

Kleine Gemeinheiten

Kleine Gemeinheiten

Die Aufmachung des Spiels kann sich durchaus sehen lassen. Die Illustrationen von Viktoria Wecker treffen die Thematik auf den Punkt – ebenso wie die verschiedenen Texte und Effekte der Karten. Dabei fühlt sich die gesamte Ausstattung wertig an. Das Ganze ist, angefangen bei der Gestaltung der Schachtel, über die Charaktere bis zu Kleinigkeiten wie den Filmplakaten in sich stimmig.

Mehr Informationen zum Spiel gibt es auf der dazugehörigen Seite. Wer etwas über den Verlag wissen möchte, wird auf der Homepage von till5am Games fündig.

BADFLIX Scareville ist ein lockerer, sehr atmosphärischer Wettlauf um die Seelen der Fernsehzuschauer, der tief in der Horrorfilm-Klischee-Kiste wühlt.

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