Tabernis – Seasons of the Dark Hive

27.05.2026 von Marcus Pohlmann

Tabernis - Seasons of the Dark Hive

Musiker:

Label:

Genre:

Laufzeit: 51 Minuten

Tracklist:
01 - Sanctus
02 - Tenebrae
03 - Noctilis
04 - Mel Obscurum (Palästinalied)
05 - Sylvanot
06 - Verbah Oblitah
07 - Aurora
08 - Florenscentia
09 - Apem Vidi (Ai Vist Lo Lop)
10 - Lupanar Apum
11 - Apiare
12 - Hive Dance (Bransle du maître de la maison)
13 - Meliferum
14 - Calcinae
15 - Apes Saltis

Erscheinungsdatum: 24.04.2026

Sprache: Englisch

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Das Genre der Mittelalter-Musik ist mittlerweile sehr breit gefächert und lässt seinen Vertretern viel Spielraum. Daher war ich überrascht mit Tabernis eine Band zu finden, die ihre Stücke (fast) vollständig auf Sackpfeife und Davul reduziert. Dies, zusammen mit dem ungewöhnlichen Erscheinungsbild, machte mich neugierig, so dass das Debüt Seasons of the Dark Hive am Veröffentlichungstag in meinem Abspielgerät landete. Vertrieben wird das Album der beiden Belgier über Napalm Records, die schon einige Bands aus dem Genre unter Vertrag haben.

Was steckt drin?

Dem interessierten Käufer stehen eine ganze Reihe von Optionen zur Auswahl, wenn er sich für das Album entscheidet. Neben der digitalen Variante, erhältlich auf den gängigen Plattformen, gibt es den Tonträger klassisch auf Vinyl (in mehreren Farbvarianten) oder auf CD. Letztere Veröffentlichung bildet die Grundlage dieser Rezension und kommt als Digi-Pack mit kleinem Booklet. Das Platten-Label bietet in seinem Shop darüber hinaus verschiedene Bundles an, beispielsweise mit Münzbeutel, Aufnäher, Notizbuch und Blumensamen.

Was wird gespielt?

Passend zur übergreifenden Thematik beginnt „Sanctus“, das erste Stück auf dem Silberling mit dem aufgeregten Summen von Bienen. Der Dudelsack hält sich dezent im Hintergrund, während eine merkwürdig verzerrte Stimme einige einleitende Sätze spricht. Nach gut zwei Minuten drängt sich die Melodie in den Vordergrund und wird von der Trommel untermalt. Langsam und bedächtig nimmt das Stück im weiteren Verlauf an Intensität und sogar an Tempo zu. Das Intro war, meiner Meinung nach, nicht zwingend notwendig, passt aber zum Gesamtkonzept der Band.

Neben ihren Eigenkompositionen liefern die beiden Imker/Musiker Noxifer und Umbrae mit „Mel Obscurum“ ein Stück ab, das zum Standard-Repertoire jeder Mittelalter-Band gehört. Das „Palästinalied“ habe ich in unzähligen Versionen in meiner Sammlung und es überrascht mich immer wieder, wie unterschiedlich die Interpretationen sind. Hier ist es vor allem die Trommel, die ungewöhnlich viel Druck aufbaut und den Rhythmus vorgibt. Der einzelne Dudelsack ist dagegen für die Melodie verantwortlich, was dem Track eine gewisse puristische, schnörkellose Note gibt. Auch hier folgt eine Unterbrechung durch einige kurze Textzeilen, ergänzt um Glockengeläut. Vielleicht nicht meine liebste Version des Klassikers (diese Ehre gebührt den Mediæval Bæbes), aber dennoch eine gelungene Variante.

Waren die vorangegangenen Stücke zumeist etwas ruhiger, so gehen die Musiker bei „Aurora“ mit merklich mehr Tempo zu Werke. Umbrae, der Trommler zieht hier die Schlagzahl deutlich an, während die aus wenigen Tonfolgen bestehende Melodie dem in nichts nachsteht. Es ist schwierig, sich der ebenso einfachen wie effektiven Kombination zu entziehen und zumindest nicht mitzuwippen. Für mich eines der Highlights auf dem Album.

Dagegen erinnert „Apiare“ eher an einen getragenen Marsch. Ruhige, gleichmäßige Schläge auf der Davul geben den Tritt vor, während eine wiederholende Tonfolge auf der Sackpfeife dem Ganzen etwas Beruhigendes verleiht. Der unterschwellige Einsatz des Cellos sorgt für Tiefgang und setzt einen musikalischen Kontrastpunkt.

Auch bei „Meliferum“ holen sich die Musiker die Unterstützung eines Streichinstrumentes – wieder sehr dezent. Während der Dudelsack stoisch seine Melodie pfeift, gibt es beim Schlagwerk wilde Sprünge und nur selten einen erkennbaren Rhythmus. Dafür nehmen gegen Endes des Stückes die Kirchenglocken eine prominente Rolle ein. Hinzu kommen einige weitere Soundeffekte, die ich nicht recht einordnen kann, die aber dem Titel das gewisse Etwas geben.

„Apes Saltis“, der letzte Track des Albums, wurde vor kurzem als Single ausgekoppelt. Hier zieht die Band das Tempo nochmals an, anstatt es ruhig ausklingen zu lassen. Dabei werden alle Elemente der vorherigen Stücke in gut dreieinhalb Minuten miteinander vereint. Die allgegenwärtigen Bienen, Tempowechsel, eine Textpassage, die eingängige Melodie des Dudelsacks und die treibende Davul liefern einen kompakten Eindruck vom Schaffen der beiden Belgier. Den dazugehörigen Video-Clip gibt es HIER.

Gehört die CD in den Player?

Mit Seasons of the Dark Hive liefern Tabernis ein Stück Musik ab, dass eigentlich nicht so richtig in die heimischen vier Wände passt. Die meist selbst komponierten Lieder gehören eher auf die Bühnen klassischer Mittelaltermärkte oder eben auf die Tanzflächen einschlägiger Partys. Die Bandbreite der einzelnen Tracks ist, trotz der sehr reduzierten Instrumentierung mit Sackpfeife, Davul, und seltenen Cello- und Violin-Einsätzen recht breit gefächert. Von stillen, meditativen Stücken bis zu treibenden, druckvollen Liedern ist alles dabei. Das Summen der Bienen, die vereinzelten Textpassagen und die verschiedenen Effekte sind gewöhnungsbedürftig, passen aber im Kontext zur selbstgewählten „Mythologie“ der Musiker. Nachdem ich die CD für die Rezension allerdings mehrmals am Stück gehört habe, ist es mir dann doch ein wenig zuviel des Guten geworden. Einzelne, ausgewählte Tracks werden sicher öfter bei mir zu hören sein, aber für das komplette Album muss die Stimmung passen.
Was mir sehr gut gefallen hat, ist das Gesamtkonzept der Bienenhirten, dass die Belgier konsequent durchziehen. Angefangen bei ihrer Kleidung und den Bienenkörben als Masken, über das Gesumm innerhalb der einzelnen Stücke und die kurzen Texte. Diese stellen immer einen Bezug zum „Dark Hive“ her und werden durch das zwölfseitige Booklet mit seinen, dem Totentanz entlehnten, Illustrationen abgerundet.

Mehr Informationen zu Band und Musik finden sich auf der Homepage von Tabernis. Dort gibt es einige Links zu Videos und Bildern. Neben den gängigen Bezugsquellen kann man das Album (in diversen Sondervarianten) direkt beim Label Napalm Records beziehen. Wer die Band außerdem live sehen möchte, hat in diesem Jahr noch auf dem einen oder anderen Festival dazu Gelegenheit.

Mit Seasons of the Dark Hive liefern die beiden Imker ein sehr reduziertes, aber dennoch hörenswertes Stück mittelalterlicher Musik ab.

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