Professor Elemental – The Indifference Engine

14.08.2020 von Marcus Pohlmann

Professor Elemental - The Indifference Engine

Musiker:

Label:

Genre: ,

Laufzeit: 103 Minuten

Tracklist:
CD 1
01 - Splendid
02 - Animal Magic
03 - Fighting Trousers
04 - Sweet Cold Colation (feat. Ms Fave)
05 - Quest For The Golden Frog
06 - Elixir
07 - Fete Worse Than Def
08 - Steam Powered
09 - Penny Dreadful
10 - Cup Of Brown Joy

CD 2
01 - Splendid (Remix)
02 - Animal Magic (Remix)
03 - Fighting Trousers (Remix)
04 - Sweet Cold Colation (Remix)
05 - Quest For The Golden Frog (Remix)
06 - Elixir (Remix)
07 - Fete Worse Than Def (Remix)
08 - Steam Powered (Remix)
09 - Penny Dreadful (Remix)
10 - Cup Of Brown Joy (Remix)
11 - Moon Monkeys
12 - Splendid (Instrumental)
13 - Splendid (Remix Instrumental)
14 - Animal Magic (Instrumental)
15 - Animal Magic (Remix Instrumental)
16 - Fighting Trousers (Instrumental)
17 - Fighting Trousers (Remix Instrumental)
18 - Sweet Cold Colation (Instrumental)
19 - Quest For The Golden Frog (Instrumental)
20 - Quest For The Goldenen Frog (Remix Instrumental)
21 - Elixir (Instrumental)
22 - Fete Worse Than Def (Instrumental)
23 - Steam Powered (Instrumental)
24 - Penny Dreadful (Instrumental)
25 - Cup Of Brown Joy (Instrumental)
26 - Cup Of Brown Joy (Remix Instrumental)

Erscheinungsdatum: 03.06.2019

Sprache: Englisch

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Neben anderen Dingen interessiere ich mich ein wenig für Steampunk. Umso erstaunter war ich, als ich bei einem meiner zahllosen Internetstreifzüge feststellte, dass es unglaublich viele Musikprojekte gibt, die sich mit dem Genre befassen. Besonders herausgestochen hat dabei für mich Professor Elemental – der Steampunk-Themen und Hip-Hop mischt und das Ergebnis Chap-Hop nennt. Sein Debüt The Indifference Engine erschien bereits 2008 – zum 10jährigen Jubiläum 2018 veröffentlichte der Musiker eine Neuauflage mit zusätzlichen Tracks. Das kleine Tea Sea Records-Label von Tom Caruana ist für Produktion und Vertrieb des Albums verantwortlich.

Was steckt drin?

Im Digipack stecken zwei CDs. Zum einen das das ursprüngliche Album aus dem Jahr 2008. Die zweite CD ist zahlreichen Remixen, und Instrumentals vorbehalten. Für (beinahe) jeden Albumtrack gibt es drei weitere Versionen. Zusätzlich liegt noch ein vierseitiges Booklet im Digipack. Hier erklärt Paul Alborough die Entwicklung seines Charakters Professor Elemental. Zusätzlich gibt es zu jedem Track eine kurze Hintergrundgeschichte.

Was wird gespielt?

Im Opener „Splendid“ erfährt der Hörer, wie ein durchschnittlicher Tag im Leben des Professors abläuft. Ein kleines (gesampletes) Orchester mit Streichern und Bläsern übernimmt die musikalische Seite. Der dezente Einsatz von Beats bringt dem Track Struktur und liefert ein Grundgerüst für die Lyrics. Diese werden nicht direkt gerappt und auch nicht gesungen. Viel mehr trägt Paul Alborough den Text in einem leicht musikalischen Plauderton vor. Eine lockere Nummer, die dem Hörer einen sehr schönen Eindruck vom Rest des Albums vermittelt.

Zu einem zünftigen Hip-Hop-Album gehört natürlich ein Diss-Track. The Indifference Engine macht hier keine Ausnahme und so nimmt „Fighting Trousers“ den Chap-Hop-Künstler Mr. B the Gentleman Rhymer aufs Korn. Dies geht jedoch auf eine sehr britische, distinguierte Weise vonstatten. Wie auch bei den anderen Stücken nimmt sich der Musiker selbst (und seine Umgebung) nicht übermäßig ernst. Die Aussprache ist vorbildlich, verzichtet auf jeglichen Slang und nutzt ausgesprochen höfliche Formulierungen. Die Instrumentierung orientiert sich an den 1920ern, vor allem die Bläser stechen hier hervor. Auch der unverzichtbare Beat passt sich an und wirkt nicht wie ein aufgesetzter Fremdkörper. Wer wissen möchte, wie ein Kampf zwischen Professor Elemental und Mr. B aussehen könnte, bekommt HIER einen ersten Eindruck.

Für „Sweet Cold Colation“ teilt sich der Sänger mit Sadie Bell das Mikrofon. Die beiden liefern eine klassische, tragische Liebesgeschichte – bei der Kuchen eine zentrale Rolle einnimmt. Die Musik hat durchaus Soundtrack-Qualität mit dezentem Bläsereinsatz, Piano und Percussions. Der Track erinnert eher an ein Mini-Hörspiel, und zeigt den Professor von einer etwas anderen Seite.

„Quest For The Golden Frog“ nimmt den Hörer mit auf die Suche nach der titelgebenden Statue. Der Track beginnt mit einem gesprochenen Intro, in dem der Professor den Hintergrund der Suche erläutert. Ein durchgängiger, recht komplexer, Beat liefert die Grundlage der Musik. Eine kurze, sich ständig wiederholende Flötenmelodie verleiht dem Stück einen gewissen exotischen Charme. Aus diesen beiden Komponenten ergibt sich eine unterhaltsame, passende musikalische Untermalung. Der Text steht dabei jedoch eindeutig im Vordergrund. Die Lyrics erzählen eine (leicht abstruse) Abenteuergeschichte, an deren Ende Professor Elemental den Frosch in den Händen hält.

„Penny Dreadful“, der längste Track des Albums beginnt mit einem ausgedehnten Intro. Einige Gentlemen unterhalten sich in ihrem Club zu gepflegter Pianomusik über die letzten Eskapaden des Professors. Erst nach gut zwei Minuten beginnt das eigentliche Stück, eine Mischung aus Jahrmarkts- oder Marschmusik, vereinzelten Harfentönen und dunklen, schleppenden Beats. Inhaltlich dreht es sich um die neueste Erfindung – eine Flugmaschine. Die Steampunk-Verweise sind hier deutlicher als bei den anderen Tracks und geben einen weiteren Einblick in das Leben des Charakters.

„Cup Of Brown Joy“, das letzte Stück des eigentlichen Albums, ist eine Ode an das Lieblingsgetränk der Briten. Das locker-leichte Pianospiel orientiert sich am Bar-Jazz, schleppende Percussions unterstützen diesen Eindruck. Die Beats schmiegen sich unauffällig in ein. Die Mischung ist recht ausgewogen und sorgt für eine entspannte, gelöste Atmosphäre. Der Text ist eine einzige Lobeshymne an Tee und die eher exzentrischen Trinkgewohnheiten des Professors. Das dazugehörige Video findet sich HIER.

Die zweite CD besteht aus Remixen und Instrumentals – einzig „Moon Monkeys“ fällt aus diesem Schema heraus. Hier verzichtet Professor Elemental komplett auf die Vocals. Stattdessen gibt es einen Dialog aus einem Film, bei dem sich zwei Männer über eine Reise zum Mond und die Frage unterhalten, ob es dort Affen gibt. Musikalisch präsentiert sich das Stück als eine Mischung aus 1950er Jahre Soundtrack gemixt mit Trap-Beats, Tiergeräuschen und einer extrem durchdringenden Frauenstimme. Sehr ungewöhnlich – wie eben auch der Rest des Albums.

Gehört die CD in den Player?

Zweifellos ist die Musik von Professor Elemental sehr speziell. Swing, Jazz und Hip-Hop, dazu sehr britische (und witzige) Lyrics ergeben eine recht einzigartige Mischung. Musikalisch orientiert sich The Indifference Engine dabei eher an den 1920ern als am viktorianischen Zeitalter. Die Musik und die Art wie sie produziert wurde, machen dabei einen „Vintage“-Eindruck – wirken also in die Zeit passend. Die Texte drehen sich um verrückte Erfindungen, Tee, Forschungsreisen, makellose Umgangsformen und nehmen sich nicht sonderlich ernst. Die Aussprache ist klar und verständlich, gelegentlich finden antiquierte Formulierungen in die Lyrics, was den Steampunk-Eindruck deutlich verstärkt.

Mit jedem Track erzählt Paul Alborough dabei eine kleine Geschichte und gibt mehr von seinem Charakter preis. Zusammen mit den zahlreichen Videos, Comics und Kurzgeschichten ergibt sich so ein sehr unterhaltsamer Mikrokosmos und es macht Spaß, darin einzutauchen. Während die Stücke mit Vocals praktisch dazu auffordern aufmerksam zuzuhören, funktionieren die Instrumental-Tracks als Hintergrundmusik recht gut. Insgesamt ein rundum gelungenes, ungewöhnliches und spaßiges Album, bei dem kein Track wirklich heraussticht. Dafür bekommt der Hörer einen Einblick in ein wenig bekanntes Musik-Genre und in die (etwas wirre) Gedankenwelt des Professors.

Die Homepage von Professor Elemental ist einen Besuch wert – gibt es außer der Musik noch vieles andere zu entdecken. Das Label Tea Sea Records hat neben den Veröffentlichungen des Professors noch einige weitere Projekte, bei denen Tom Caruana und Paul Alborough zusammengearbeitet haben.

Wer Spaß an Steampunk, Swing und abseitigen Texten hat, dürfte an The Indifference Engine seine helle Freude haben.

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