Louise Patricia Crane – Deep Blue

06.02.2021 von Marcus Pohlmann

Louise Patricia Crane - Deep Blue

Musiker:

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Genre: , , ,

Laufzeit: 37 Minuten

Tracklist:
01 - Deity
02 - Snake Oil
03 - Painted World
04 - Cascading
05 - Deep Blue
06 - Ophelia
07 - Isolde
08 - The Eve of the Hunter

Erscheinungsdatum: 22.06.2020

Sprache: Englisch

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Aufmerksamen Hörern könnte der Name Louise Patricia Crane vielleicht bekannt sein. Die Dame hat bereits bei Solemn Novena und für die grandiose All-Star-Goth-Band The Eden House auf deren letztem Album am Mikrofon gestanden. Eine Hörprobe gibt es beispielsweise HIER. Zusammen mit Stephen Carey, dem musikalischen Kopf dieser Gruppe, hat die Irin im letzten Jahr ihr Solo-Debüt Deep Blue aufgenommen. Veröffentlicht wird der Silberling über ihr eigenes Label Peculiar Doll Records, Bad Omen und Soulfood.

Was steckt drin?

Wie mittlerweile üblich ist das Album in verschiedenen Varianten erhältlich. Dieser Rezension liegt die CD zu Grunde, die es als Digi-Pack im Handel gibt. Außerdem wurde Deep Blue als Vinyl veröffentlicht und steht als Download auf den einschlägigen Plattformen zur Verfügung.

Was wird gespielt?

Eingeleitet wird das Album von „Deity“, einem unerwartet schwungvollen Stück. Die Basis bildet warmer, poppiger Rock, angereichert mit einigen Prog-Elementen. Sehr auffällig ist dabei der Background-Gesang von Jakko Jakszyk, der normalerweise bei King Crimson am Mikrofon steht. Auch die melodischen Gitarrenparts von Stephen Carey setzen sich schnell im Gehörgang fest. Im Mittelpunkt ist jedoch der Gesang von Frau Crane, der glasklar aus den Boxen kommt. Die Sängerin deckt ein breites Spektrum ab – von Geflüster bis zu hohen Tönen. Zusammen mit dem versponnenen Text ergibt sich eine zeitlose Mischung, die durchaus zu gefallen weiß. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet HIER das dazugehörige Video.

Eine Kombination aus irischem Dudelsack und akustischer Gitarre eröffnen „Painted World“. Dieser Folk-Einschlag zieht sich durch das ganze Stück, tritt er immer wieder ein wenig in den Hintergrund. Den Freiraum füllen die Musiker mit etwas düstereren Passagen und bilden so einen interessanten Kontrast. Die Vocals scheinen meist merkwürdig fragil und melancholisch und lassen den Instrumenten viel Platz zum Wirken.

Der Titeltrack „Deep Blue“ kommt mit wenig aus – Piano, Gitarre und Violine reichen völlig. Hinzu kommen ein dezentes Meeresrauschen und die vielfach übereinandergeschichteten Vocals. Dabei herausgekommen ist ein atmosphärisch dichter Song, den man am besten mit Kopfhörern genießen sollte. Vielleicht nicht der musikalisch anspruchsvollste Track des Albums, aber er hinterlässt einen bleibenden, positiven Eindruck.
Für den Text zu „Ophelia“ stand die gleichnamige Figur aus Shakespeares Hamlet Pate. Musikalisch geht es tatsächlich ein wenig in Richtung Goth Rock, mit langsamen, druckvollen Gitarren- und Schlagzeug-Parts. Was jedoch deutlich hervorsticht, ist die Querflöte, die von niemand Geringerem als Ian Anderson gespielt wird. Vor allem in den Instrumentalteilen und gegen Ende entwickelt der Track eine recht finstere, beklemmende Atmosphäre. Die leicht verzerrten Töne und das gehauchte „Drown with me“ unterstreichen dies eindrucksvoll. Für mich das Highlight von Deep Blue – einen Eindruck davon gibt es HIER.

„The Eve of the Hunter“ ist der letzte und gleichzeitig längste Track des Albums. Die erste Hälfte des Stückes präsentiert sich langsam und die Instrumente halten sich zurück. Besonders der Bass von Jazz-Musiker Danny Thompson gibt in diesem Teil den Ton an. Nach gut drei Minuten geht es deutlich rockiger zur Sache. Gitarre und Schlagzeug werden dominanter und drängen sogar den Gesang ein wenig in den Hintergrund. Ein durchaus gelungener Abschluss, der vor allem die Fähigkeiten der Musiker in den Fokus rückt.

Gehört die CD in den Player?

Ich muss gestehen, dass ich völlig andere Erwartungen an Deep Blue hatte: gitarrenlastigem Goth-Rock und weiblichem Gesang – im Prinzip eine Fortsetzung des Konzeptes von The Eden House. Tatsächlich gibt es zwar einige gruftige Elemente auf dem Album, aber es lässt sich nicht darauf beschränken. Louise Patricia Crane mischt Prog-Rock, Pop, Folk, Psychedelia und Ambient gekonnt ineinander. Dazu passen die poetischen Texte, deren Sinn sich dem Hörer nicht unbedingt immer erschließt. Die namhaften Gastmusiker sind in den verschiedenen Genres zu Hause und steuern ihren eigenen Einfluss bei, beispielsweise die umtriebige Leipziger Violinistin Shir-ran Yinon oder Scott Reeder, der schon bei Kyuss am Bass stand. Und natürlich Simon Rippin und Stephen Carey, die an jedem Track beteiligt waren.

Frau Crane ist nicht nur für den Gesang, Texte und Musik verantwortlich, sondern hat auch die psychedelischen Artworks für das Digi-Pack beigesteuert. Ihre beiden Cover-Fotos könnten zudem durchaus als Gothic-Pin-Ups durchgehen. Zu jedem Stück gibt es die Texte und eine Übersicht der beteiligten Musiker.
Die Produktion ist extrem sauber und aufgeräumt, so dass sich der Hörer sehr gut auf Instrumente und den Gesang konzentrieren kann.

Wer mehr über Louise Patricia Crane, ihre Musik und ihre Illustrationen wissen möchte, wird auf der Homepage fündig. Für den hiesigen Markt haben Soulfood die Distribution übernommen.

Der Hörer bekommt mit Deep Blue ein vielseitiges Album, dass es durchaus verdient aufmerksam gehört zu werden.

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