Weltengänger

04.10.2018 von Joanna Lenc

Weltengänger Steelbook

Kategorie:

Darsteller: , ,

Regie:

Filmstudio:

Genre: ,

FSK: 12

Laufzeit: 116 Minuten

Erscheinungsdatum: 07.09.2018

Sprache: Deutsch

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Science Fiction als Film ist im Kino in der Regel sehr erfolgreich. Bei Fantasy sieht es eher anders aus. In den letzten Jahren konnte kaum ein Fantasy-Setting auf der Leinwand punkten. Und ausgerechnet aus Hollywood kommen Streifen daher, die mit einer vorhanden Buchvorlage, nichts gemein haben. So beispielsweise bei Seventh Son geschehen. Will man nicht Schema F folgen, lohnt sich ein Blick in den Osten, denn Russland zeigt, wie gut sich Fantasy umsetzen lässt. Als jüngstes Beispiel ist gerade Weltengänger für das Heimkino erschienen. Die Romanvorlage lieferte Sergej Lukianenko, die bereits vor über 10 Jahren auf dem deutschen Buchmarkt erschienen ist. Zuvor sind bereits zwei Wächter-Romane aus der Feder des Autors verfilmt worden. Nun folgt der Weltengänger.

Wenn die Welt um dich herum nicht mehr weiß, wer du bist

Kirill ist Games-Designer und hat gerade ein sehr erfolgreiches Projekt abgeschlossen. Während seine Kollegen eine Party für ihn schmeißen, ist ihm gar nicht nach feiern zumute. Ausgerechnet auf der Spitze seines Erfolgs hat ihn seine Freundin verlassen. Jeder Versuch sie umzustimmen und zu ihm zurück zu kommen bleibt erfolglos. Doch noch am selben Abend wird sein ganzes Leben völlig umgekrempelt.

Neue Welten öffnen sich. © Capelight

Neue Welten öffnen sich.
© Capelight

Seine Wohnung wird von einer wildfremden Frau bewohnt. Arbeitskollegen und Freunde erkennen ihn nicht mehr wieder. Bei den Ämtern ist er nirgends registriert und selbst sein Vater behauptet niemals einen Sohn gehabt zu haben. Erst hält Kirill alles für einen schlechten Scherz und kehrt zurück zu der mysteriösen Frau, die seinen Platz eingenommen hat. Von ihr erfährt er, was wirklich los ist: Er hat einen neuen Job.

Als Zollbeamter soll er zwischen den Welten Reisende kontrollieren. Um dieser Arbeit vernünftig nachzugehen war es notwendig, dass die Welt ihn vergisst. Denn normale Menschen wissen nichts von den vielen Parallelwelten, die noch existieren. Er bezieht einen Wasserturm mitten in Moskau, der für Normalsterbliche nicht weiter auffällig ist. Auserwählte Personen wissen jedoch um seine Bedeutung und scheuen sich auch nicht davor in regelmäßigen Abständen zwischen den Welten zu reisen. Ohne eine Wahl zu haben, fügt sich Kirill seinem Schicksal. Jedoch nicht ohne den Wunsch zurück in altes Leben zu kehren.

Adaption einer Romanvorlage

Kirill als Protagonist schafft es recht schnell sich damit abzufinden, dass sein Leben nun völlig umgekrempelt wurde. Er gibt sich widerwillig seinem Schicksal hin, jedoch nicht ohne egoistische Hintergedanken. Sein persönliches Ziel ist es die Liebe seines Lebens zu gewinnen, die sich an ihn, wie alle anderen auch, nicht mehr erinnern kann. Dass er dabei auch noch die Welt retten muss, geht an ihm fast vorbei. Wobei es in seinem Fall auch nicht nur eine, sondern gleich mehrere Welten sind.

Nicht jede Vision einer neuen Welt ist perfekt © Capelight

Nicht jede Vision einer neuen Welt ist perfekt
© Capelight

Die verschiedenen Paralleluniversen sind an wenigen Punkten miteinander verbunden, wodurch das Reisen zwischen ihnen möglich ist. Jedes Universum hat sich anders entwickelt und recht früh erkennt Kirill, dass unter seinesgleichen welche sind, die mehr Macht haben und im Hintergrund die Fäden ziehen.

Weltengänger basiert auf der gleichnamigen Buchvorlage des Schriftstellers Sergej Lukianenko. Mit Büchern wie der Wächter-Reihe hat er viel frischen Wind in die Phantastik gebracht und vor allem auf dem deutschen Buchmarkt gezeigt, welche Talente im Osten schlummern. Wie es bei vielen Adaptionen so ist, fehlt dem Film oft der Raum um alles so beschreiben zu können, wie es dicke Bücher vorgeben. Leider ist das auch ein Punkt, der Weltengänger schwer belastet. Wer das Buch nicht kennt, versteht viele Zusammenhänge nicht. Insbesondere die Gesellschaftskritik, die im Buch spürbar ist, schafft es beim Film nicht zum Zuschauer durchzudringen. Zu verwirrend sind einige Wendungen und Geschehnisse. Wer es jedoch schafft sich gut in neue Umgebungen der Phantastik einzufinden, kann gut über einige Lücken hinwegsehen und wird nicht hinterfragen, warum etwas so ist, wie es gerade ist.

Es muss nicht immer Hollywood sein

Das asiatische Kino hat in den letzten Jahrzehnten bewiesen, dass es auch außerhalb von Hollywood sehenswerte Produktionen gibt. Zahlreiche Filme haben ein amerikanisches Remake erhalten, um auch das englischsprachige Publikum zu erfreuen. Erstaunlich dabei ist, dass mir persönlich Special Effects besser gefallen, wenn sie nicht aus Hollywood kommen. Vergleiche ich hochpreisige Produktionen wie “Ghost in the shell”, bei dem am Ende jeder CGI-Effekt aussah, als wenn es ein Praktikant in seiner erste Woche gemacht hätte, kann Weltengänger locker mithalten. Selbst bei den schwächsten Stellen lässt sich das Ergebnis gut sehen.

Moskau in einer anderen Welt und Zeit © Capelight

Moskau in einer anderen Welt und Zeit
© Capelight

Dass es bei so einer Thematik nicht ohne Computer-Unterstützung geht, muss nicht erst erwähnt werden. Zu unterschiedlich zeigen sich die Parallelwelten zu unserer Realität. Doch trotz der Tatsache, dass diese Effekte vorhanden sind, fallen sie in den meisten Fällen nicht negativ auf oder wirken gar billig.

Schauspielerisch hatten einige Charaktere genug Zeit um zu zeigen, was in ihnen steckt. Leider sind viele Rollen dabei blass geblieben. Es ist schwer zu sagen, ob es an den Schauspielern, dem Drehbuch oder einfach den kulturellen Unterschieden und der Synchronisation lag. Das gewisse Etwas hat sich hier und dort gezeigt, wollte aber nie ganz in Erscheinung treten. Vielleicht ist das aber auch gewollt, denn wie es bei der Romanvorlage der Fall ist, deutet hier das Ende auf eine Fortsetzung hin. Wollen wir hoffen, dass diese produziert wird und auch bei uns erscheint.

Es ist schön, dass mehr Vielfalt in der Filmlandschaft empor steigt. Das russische Kino zeigt auch bei Weltengänger, dass noch sehr viel möglich ist. Auch wenn diese Produktion nicht das Highlight des Jahres ist, so bleibt es doch ein sehenswerter Film in der Sammlung, die sogar trotz direct-to-DVD-Veröffentlichung ein Steelbook erhielt. Ich freue mich schon auf weitere Filme aus dem russischen Raum, da kann noch ganz Großes auf uns zukommen.

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