
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Dennis Hopper, Glen Campbell, John Wayne, Kim Darby, Robert Duvall
Regie: Henry Hathaway
Filmstudio: Paramount Pictures
Genre: Western
FSK: 12
Laufzeit: 128 Minuten
Erscheinungsdatum: 11.06.1969
Sprache: Deutsch
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Was zeichnet einen guten Westernfilm aus? Ich bin der Meinung, es braucht eine Menge Gerede. Was konkret bedeutet: präzise und wirkungsvoll geschriebene Dialoge. Über diese Wortgefechte entstehen dann schließlich bemerkenswerte Szenen von interagierenden Figuren. Dieses zwischenmenschliche Geschehen spielt vor dem Hintergrund einer farbenprächtigen, amerikanischen Landschaft. Über zahlreiche, in den 50ern und 60ern eingesetzte Kamera- und Farbverfahren, wirkt die Natur wie ein Gemälde, das durch die oft rührselige oder bewusst abenteuerliche Musik zu einem Sehnsuchts- und Zufluchtsort stilisiert wird. Hinzu kommt noch eine unverbrauchte, weil in der Symbolik universale Moral, die dem manchmal recht dünnen Plot ein ehrenhaftes Gewand verleiht. So jedenfalls in den klassischen Westernfilmen. Diese Punkte vereint der Spätwestern True Grit – Der Marschall mit John Wayne überdurchschnittlich und bietet somit mehr als nur einen guten Westernfilm.
Inhalt des Films
Basierend auf Charles Portis‘ gleichnamigem Roman, der auch 2010 von den Coen Brothers verfilmt wurde, dreht sich die Handlung um die junge Mattie Ross (Kim Darby), deren Vater hinterhältig von einem gewissen Tom Chaney (Jeff Corey) erschossen wurde. Um die Leiche aus Fort Smith abzuholen, reist Mattie mit Yarnell (Ken Renard) nach Arkansas.
Doch sie verfolgt andere Pläne: Mattie will den besten Marschall anheuern, um den geflohenen Chaney zurück nach Fort Smith zu bringen, wo er wegen seiner Verbrechen hängen soll. Der beste Marschall ist selbstverständlich der Augenklappen-tragende, trunksüchtige Rooster Cogburn (John Wayne), der nach einigen Überzeugungskünsten seitens Mattie irgendwann gewillt ist, den Auftrag anzunehmen. Zu den beiden, denn die vierzehnjährige trauernde Tochter will unbedingt mitkommen, gesellt sich noch der Texas Ranger LaBoeuf (Glen Campbell). Als Dreigespann also ziehen sie los, streitend und sich doch gegenseitig beschützend, auf der Jagd nach Chaney, der sich beim Bandenchef Ned Pepper (Robert Duvall) versteckt halten soll.
Die Inszenierung
Auf dem Weg zum Ziel, passieren die Drei mehrere aktionsreiche und spannungsgeladene Stationen. Dazu gehört ein intensives Verhör in einer Hütte, in der Dennis Hopper den brutal ermordeten Moon spielt. Weiterhin ein Shoot-out rund um eben jene Hütte, ein Pistolenduell zu Pferd am Ende des Films und eine nahezu komische Begegnung zwischen Hattie und Chaney im Fluss. Grundsätzlich entfaltet der Film aber seine Anziehungskraft durch das Figurendrama. Ob in den Streitereien zwischen Cogburn und LaBoeuf, den zärtlich-distanzierten Interaktionen zwischen Cogburn und Hattie oder vor allem in dem kurzen Austausch zwischen Hattie und Ned Pepper – eine menschliche, wenn auch stilisierte Spannung entsteht. Oft sind die inszenierten Situationen oder literarischen Orte (Schlangengrube, reißender Fluss, etc.) für sich selbst betrachtet eher plakativ. Durch die pointiert geschriebenen und gespielten Dialoge, entfachen sie aber dennoch eine anziehende Energie.
Interessant ist insbesondere, dass True Grit – Der Marschall ein Film auf der Schwelle ist. Ein Spätwestern zwischen altem Hollywood und Neuem Hollywood (New Hollywood). Beinahe visionär ist dabei der Dialog zwischen John Waynes Rooster Cogburn und Dennis Hoppers sterbendem Moon. Wayne sieht als mürrischer und gerechter Marschall aus wie der archetypische Cowboy, mit Hut, Weste, Stiefeln, kein Schweißtropfen auf dem Gesicht, männlich-überhöht inszeniert. Dennis Hopper liegt vollkommen verschwitzt auf dem Boden, dreckig, mit langen Haaren, mit vor Schmerz entstelltem Gesicht, hervortretende Halssehnen inklusive. Das alte Hollywood trifft das neue Hollywood: im selben Jahr, 1969, drehte Dennis Hopper Easy Rider und begründete dadurch ein realistischeres, drastischeres, experimentelleres und grausameres Hollywood-Kino. Etwas, das vorher nur das europäische Kino vermocht hatte. Eine schicksalsträchtige Begegnung, filmintern und -extern.
Fazit
Sowohl als Western, aber auch unabhängig vom Genre ein „echter“ Klassiker – wenn es denn so etwas geben mag. Eben ein Film, der eine Epoche besiegelt hat und eine neue Epoche eingeleitet hat. Ein Film, den man genießen kann (geflüstert: und vielleicht besser als die Coen-Brothers Variante).
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