
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Iain Glen, Joe Anderson, Sasha Luss
Regie: Julien Hayet-Kerknawi
Filmstudio: Tiberius Film
Genre: Kriegsfilm
FSK: 16
Laufzeit: 100 Minuten
Erscheinungsdatum: 02.10.2025
Sprache: Deutsch
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Was in den ersten Filmminuten Züge eines historischen Dramas annimmt, entwickelt sich in der Mitte als Kriegsfilm und endet als Rache-Thriller. Besieht man sich das Setting – ein belgisches Dorf im Ersten Weltkrieg – ist diese inhaltliche Entwicklung nicht verwunderlich. Gleichzeitig gibt es aber wenig Vergleichbares in der aktuellen Filmlandschaft.
Die drastische Gewaltdarstellung und das Level an Realismus lässt sich mit anderen historisch geprägten Rache-Thrillern wie The Revenant (2015) oder mit Anti-Kriegsfilmen wie Apocalypse Now (1979) vergleichen. Die Verteidigung des eigenen Lands, sowohl politisch als auch landwirtschaftlich, ist dabei aber eine Eigenart des Revisionist Western. Ein Genre, mit dem man sowohl The Revenant als auch The Last Front (2024) von Julien Hayet-Kerknawi bezeichnen kann. Der Tod der Individualität und Identität ist wiederum ein Merkmal von Antikriegsfilmen und auch diese Gattung lässt sich auf The Last Front übertragen. Filmtheoretisch kann man also einige Flickarbeit leisten, am Ende ist jedoch eine zufriedenstellende Einordnung möglich. Doch wie verhält es sich mit der erzählten Geschichte?
Inhalt des Films
Farmer Leonard (Iain Glen) ist verwitwet und lebt mit seiner Tochter und Sohn Adrien (James Downie) auf dem Land. Obwohl Leonard von den Erinnerungen an seine verstorbene Frau heimgesucht wird und Adrien sich in Louise (Sasha Luss) verliebt hat, die aus gutem Hause kommt (was dem Vater nicht gefällt), lebt die Familie verhältnismäßig sicher in der Nähe des Dorfkerns. Bis die Deutschen kommen, auf einem Plünderungsfeldzug durch Belgien.
Vertreten wird das kriegssuchende Volk von dem soziopathischen Soldaten Laurentz (Joe Anderson) und seinem Vorgesetzten/Vater Maximilian von Rauch (Philippe Brenninkmeyer). Als die Spitzhelme in die Nähe des Dorfes kommen, beginnt auch schon das Gemetzel. Laurentz erschießt vor den Augen von Leonard dessen Sohn und verwundet seine Tochter tödlich. Danach lässt er seine Luger P 08 aber nicht zur Ruhe kommen, sondern schlachtet buchstäblich mit der Hilfe seiner namen- und seelenlosen Kameraden fast das ganze Dorf ab. Bis sich Leonard mit einigen Helfern und Helferinnen entschließt, einen Gegenangriff zu starten, der schließlich in einem Gefecht im Wald kurz vor der französischen Grenze gipfelt.
Die Inszenierung
Folgt man Kriegsnarrativen, gibt es immer unterschiedliche Schicksale für die Individuen, die zu viel Tod und Grausamkeit miterleben mussten und die aktiv am Fortbestehen des Mordens beteiligt waren. Manche enden im Suizid, andere halten lange durch und bleiben einem gewissen Moralkodex treu und wieder andere enden im nachvollziehbaren Zusammensturz der empathischen Identität. Berühmte Beispiele für Figuren der letzten Art sind Oberst Kurtz (gespielt von Marlon Brando) aus Apocalypse Now oder Bob Barnes (gespielt von Tom Berenger) aus Platoon (1986).
Laurentz ist eine dieser Figuren und ein Antagonist, wie er im Buche steht. Er lässt Zivilisten (darunter auch Frauen und Kinder) exekutieren, tötet Priester und seine eigenen Kameraden und ist zusätzlich noch Säufer und wahnsinnig unsympathisch. Leonard hingegen scheint ein Mann zu sein, der für seine Familie sorgt und seine Familie verteidigt und am Ende auch rächt. Er sieht aus wie Bryan Cranstons ebenso netter Halbbruder und endet in der vorhersehbaren Selbstjustiz.
Was dem Film aber gelingt ist, beide Figuren von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten, sie nicht zu bloßen Schablonen verkommen zu lassen, sondern das Menschliche im Unmenschlichen und das Brutale an der Verteidigung der Familie ins Zentrum zu stellen. Laurentz hat zu viel getötet und hat zu viele Getötete gesehen, als dass es ihn noch groß kümmern würde, ob er ein Kind oder einen alten Mann erschießt. Und Leonard will nur in Ruhe gelassen werden und muss doch einen Vater und dessen Sohn ermorden, um mit seiner Familie in Frieden leben zu können.
Fazit
The Last Front funktioniert als unterhaltsamer und spannender emotionaler Film, gleichzeitig fordert er heraus, über Kriegsmoral und die Unterschiede zwischen Mord und Tötung nachzudenken. Drückt man hinsichtlich Pathos ein Auge zu, ist es ein überdurchschnittlich überzeugendes Seherlebnis.
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