
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Corbin Bernsen, Emma Fitzpatrick, Katie Parker, Patricia Heaton
Regie: Angela Gulner
Filmstudio: Tiberius Film
FSK: 16
Laufzeit: 85 Minuten
Erscheinungsdatum: 16.04.2026
Sprache: Deutsch
Was wäre der Film ohne komplizierte Mutter-Kind-Beziehungen? Das muss nicht einmal ödipal motiviert sein, wie in so ziemlich jedem Hitchcock-Film. Es kann auch spezifisch zugeschnitten sein, wie beispielsweise die vielschichtige Bindung von Mutter und Tochter. Die Streitigkeiten können mal komödiantisch aufgelockert werden wie in Mermaids (1990), mal können die Rollen sogar vertauscht werden wie in Freaky Friday (2003) und nicht selten ist die Mutter die Bedrohung für ihre Tochter wie in Mama von 2013. Abgesehen von Mutter-Tochter-Darstellungen, ist die Mutterfigur in ihrer Labilität ein beliebtes Thema im Horrorfilm. Ganz klassisch und sehr einflussreich in The Innocents (1961) oder zeitgenössischer in The Babadook (2014).
Dabei kommt es unter Umständen zu Überschneidungen mit möglicherweise übernatürlichen Bedrohungen, die es auf das Kind abgesehen haben und die die betroffene Mutter abwehren muss. Auch kann es vorkommen, dass das Kind in seinem gefährlichen Potential vor äußeren Instanzen bewahrt werden muss, wie in dem unterschätzten Son von 2021. Irgendwo zwischen diesen Achsen liegt das unabhängig produzierte Horrordrama The Beldham von 2024.
Inhalt des Films
Harper (Katie Parker) zieht zu ihrer Mutter Sadie (Patricia Heaton) ins Haus, in dem auch der „neue“ Freund der Mutter, Frank (Corbin Bernsen), wohnt und eine Pflegefachkraft, Bette (Emma Fitzpatrick). Harper bringt ihr Baby mit, allerdings benehmen sich alle Versammelten schnell so seltsam, dass man schon nach den ersten Minuten ahnt… Das Baby gibt es gar nicht, oder das, was Harper die ganze Zeit im Arm behält, ist irgendetwas Anderes. Da hilft es auch nicht, dass dieselbe darauf drängt, ihrer Mutter zu helfen und schlichtweg konstatiert, dass die Pflegekraft für ihre Mutter im Haus ist.
Es wird schnell klar: Harper hatte einen Unfall und muss aufgrund traumatischer Folgeschäden überwacht werden. Dabei helfen ihre Mutter, Frank und Bette, mit der sie sich allerdings eng anfreundet. Doch eine andere Präsenz scheint zwischen den Wänden zu wohnen und die Gestalt einer Hexe und Krähe anzunehmen. Harper wird von diesem übernatürlichen Phänomen terrorisiert, da die Hexe buchstäblich ihre Klauen nach dem Baby ausstreckt. Nun versucht die junge Mutter alles, um sich und ihr Kind zu schützen, doch niemand glaubt ihr und bald muss Harper feststellen, dass sie gefangen ist zwischen Fürsorge, Terror und Angst.
Die Inszenierung
Der Twist am Ende lässt natürlich alles in einem anderen Licht erscheinen. Harper ist eigentlich eine alte Frau und Sadie ihre Tochter. Bette wiederum ist Sadies Tochter und das Baby, das Harper die ganze Zeit im Arm behalten hat, ist das Baby, was sie in ihren jungen Jahren verloren hat. Vermutlich war sie sogar schuld am Tot des Kindes und die Hexe ist eine figurale Verkörperung ihrer verdrängten Schuld.
Das ist in der Tat eine Neuerung im Bereich des Twists, ohne den ja kaum noch ein Film auskommt. Entfernt erinnert die Wendung an The Skeleton Key (2005), in dem ebenfalls das Unheimliche des Alten im Menschen thematisiert wird. Das plötzliche Alt-Sein als ein zeitlicher Aspekt des Body-Horror kann zu mancherlei Gänsehaut-Moment führen. Oder eben zu Gelächter, wenn man an den kultig-trashigen Amityville: It’s About Time von 1992 denkt. In The Beldham lässt die Auflösung einen aber weniger gruseln, als vielmehr mitfühlen. Es ist ein filmischer Moment, der den Horrorfilm zum Drama werden lässt.
Fazit
Trotz der emotionalen und dramatischen Grundidee gibt es einige intensive und verstörende Horrormomente, die geneigte Fans nicht enttäuscht zurücklassen werden. Wie zum Beispiel eine Szene, in der Harper eine halb-verdaute Krähe erbricht. Oder klaustrophobische Szenen des Eingeschlossen-Seins und das Creature-Design der Beldham (eine Hexe) generell. Das interessierte Publikum erwartet in diesem Sinne Grusel, ergreifende Subtexte (wie auch Demenz und die Sichtbarmachung von „unsichtbaren“ indigenen Menschen in den USA) und eine solide, atmosphärische Kameraführung.
3 von 5 verbrannten Popcornkörnern.
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