
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Anna Kendrick, Ben Affleck, J. K. Simmons, John Lithgow, Jon Bernthal
Regie: Gavin O' Connor
Filmstudio: Warner Bros
Serie: The Accountant
FSK: 16
Laufzeit: 128 Minuten
Erscheinungsdatum: 14.10.2016
Sprache: Deutsch
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Man könnte es auch unter Umständen den autistischen Batman nennen, was hier passiert. Ben Affleck ist durchtrainiert, verzieht keine Miene (wegen Neurodivergenz, nicht wegen geheimer Fledermausidentität), ist brillanter Scharfschütze und kann ganze Gegnerhorden via Pencat Silat und Waffenarsenal ausschalten. Weiterhin kommuniziert er digital mit einer unbekannten Vertrauensperson, besitzt einen geheimen Camper in einer Mietgarage und ist Mathegenie.
Gut, vielleicht hat sich Will aus Good Will Hunting (1997) auch in überraschende Richtungen weiterentwickelt. Oder Dustin Hoffmans Figur aus Rain Man (1988) hat einen bislang übersehenen dritten Bruder, der MMA-Champion ist. Die Möglichkeiten sind endlos und ja, HFA (High-Functioning-Autism) wird hier allzu glorios und 110% gefördert gezeigt, aber: The Accountant (2016) mit einem starken Affleck ist tatsächlich ein bewegender und überzeugender Actioner.
Inhalt des Films
Christian Wolff (Affleck) hat Autismus und einen Vater, der beim Militär ist. Auch hat er einen Bruder („Brax“ – Jon Bernthal) und eine Mutter, die ihre Kinder früh verlässt, weil sie mit Christians Entwicklungsstörung nicht umgehen kann. Der Vater hingegen kann zwar damit umgehen, aber sein Umgang ist höchst fragwürdig. Als Soldat trainiert er seine beiden Söhne, mit denen er häufig umzieht, brutal in Pencat Silat (eine Wohnstätte ist Jakarta). Sein Ziel, sie abzuhärten und auf die „normale“ Welt vorzubereiten, die für „unnormale“ Menschen keinen Platz hat, ist polarisierend und sollte vielleicht an dieser Stelle pädagogisch unkommentiert bleiben. Folge ist jedenfalls, dass Christian irgendwann als Erwachsener überaus fähig im Nahkampf, in der Waffenhandhabung und im kriminellen Buchführen ist und so auch sein Geld verdient, weswegen er (genau wie sein Vater, aber aus anderen Gründen) frequentiert den Wohnort wechselt.
Als er bei einer Firma landet, die robotische Prothesen herstellt, unter der Leitung von Lamar Blackburn (John Lithgow), entdeckt er Löcher in der Buchführung, also veruntreutes Geld. Dabei lernt er auch Dana Cummings (Anna Kendrick) kennen und zwischen den beiden entsteht eine, soweit es geht, Romanze. Leider wollen nun alle möglichen Auftragskiller sowohl Christian als auch Dana an den Pelz. Das geht natürlich nicht, weswegen the Accountant anfängt in Jason-Bourne-Manier Paroli zu bieten, um über allerhand Tricks und Kniffe davonzukommen. Am Ende, denn er muss es der Vollständigkeit halber zu Ende bringen, erwartet ihn dann eine überraschende Wiedervereinigung, die auch die Grundlage für den zweiten Teil bietet.
Die Inszenierung
Was mittlerweile auffällig ist: ohne gelungene und realistische Kampfchoreografien kommt ein Actionfilm heutzutage nicht mehr aus. Da Amazon Prime, Netflix und Konsorten neben Horror hauptsächlich auf Action setzen und die Sehgewohnheiten des Publikums sich über die Jahre auf immer deftigere und wirklichkeitsnahe Kampfhandlungen eingestellt haben, muss ein moderner Actionfilm glaubhaft sein. Oder zumindest in einer vermeintlichen Glaubwürdigkeit beeindrucken. Das asiatische Martial-Arts-Kino macht das schon ziemlich lange, aber in den USA konnte man in den 1990er Jahren noch Leuten dabei zusehen, wie sie unbeholfen zutreten und die Kugelfeuerwerke auch eher fantastisch ausgefallen sind. Manchmal ist das auch erholsamer als die ewig gleichen schier unbesiegbaren Helden der 2010-aufwärts-Haudrauffilme.
Deswegen sind die generischen und austauschbaren Schießereien, Nahkämpfe und Verfolgungsjagden in The Accountant auch eher die Schwachstellen des Films. Die Stärken liegen insbesondere in den ersten vierzig Minuten, die Christian Wolffs Persönlichkeit gewidmet sind, welche Ben Affleck bewegend nah transportiert. Leider sind in die Filmhandlung auch Szenen eingeflochten, in denen Regierungsbeamte ihr Interesse durchsetzen. Man hätte einen deutlich kürzeren, dichteren und dramatischeren Film haben können, hätte man das Hin-und-her von irgendwelchen Markenträgern einfach weggelassen. Die kriminelle Vergangenheit und das Wespennest, in das Christian stößt, hätten für Action und Thrill vollkommen ausgereicht, auch ohne ihm auf die Schliche kommenden CSIFBICIAler.
Fazit
Doch lässt sich festhalten, dass die zwischenmenschlichen Momente, das gewissermaßen Psychogramm-hafte Geschehen rund um den Protagonisten und einige Schlüsselaugenblicke VOR einer Schlägerei oder Schießerei durchaus beeindruckend ausfallen.
Ein letzter negativer Punkt ist die Tatsache, dass sowohl die Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen auf dem Spektrum, das Outcome durch militante „Förderung“ und die generell anliegenden Fähigkeiten stark idealisiert und romantisiert ausfallen. In der Realität können sich viele Menschen die Unterstützung nicht leisten, die Förderung wird versagt, weil keine Diagnosen ausfallen und die neuronalen Fähigkeiten gehen entweder in sekundäre Störungen über oder viele werden zwar in der Tat kriminell, aber nicht im Sinne eines Superhelden oder -schurken, sondern in sozial isolierender Weise.
3 von 5 verbrannten Popcornkörnern.
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