
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Calum Worthy, Caroline Goodall, Eve Connolly, John Lynch
Regie: Freddy Macdonald
Filmstudio: Tiberius Film
Genre: Crime
FSK: 16
Laufzeit: 95 Minuten
Erscheinungsdatum: 02.04.2026
Sprache: Deutsch
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Mit dem Aufkommen des amerikanischen Independent-Films in den 1980er Jahren, hat sich auch das Kriminalfilm- bzw. Thriller-Genre maßgeblich verändert. So ziemlich alle Independent-Größen haben sich in diesem Bereich ausgetobt und die Grenzen desselben ausgelotet. Jim Jarmusch 1999 mit Ghost Dog, Spike Lee 1995 mit Clockers und seit Anbeginn ihrer Karriere die Coen-Brothers mit zahlreichen Beiträgen, von Blood Simple (1984) bis hin zu Fargo (1996). Insbesondere in den 1990er Jahren wurde das Crime-Genre nochmals revolutioniert, durch den mittlerweile viel zu überschätzten Quentin Tarantino (Reservoir Dogs von 1992 z.B.) und seinem engen Freund und Kollaborateur Robert Rodriguez (El Mariachi von 1992 z.B., der nicht mit Antonio Banderas ist). Bis in die heutige Zeit voller Netflix-Thriller, Amazon-Prime-Action-Trash und der 500. selbstreflexiven Krimi-Komödie lässt sich der Einfluss des Independent-Cinemas der 80er und 90er nachverfolgen. Ein weiteres Beispiel, bei dem man diesen Hintergrund stark spürt, ist Sew Torn – die Fäden des Verbrechens von 2024.
Inhalt des Films
In dieser schwarzen Kriminalkomödie (oh, welch Rattenschwanz das hat…) muss sich Barbara Duggen (Eve Connolly) damit auseinandersetzen, dass das Nähgeschäft ihrer Mutter bankrottgeht. Einst angefragt wegen den hauseigenen sprechenden Nähbildern, ist das Geschäft fast leerstehend und kaum besucht, denn Barbara muss es führen, seit sich ihre Mutter umgebracht hat. Entsprechend in Honigkuchenpferd-Stimmung ist Barbara auch, als sie einer unsympathischen Frau (Caroline Goodall) das dritte Hochzeitskleid nähen soll. Als bei diesem ein Knopf abfällt, und fast in einem Gitter verschwindet, beginnt die philosophische Anpassung der Viele-Welten-Interpretation. Diese wurde in Dialogen schon perfekt abgehandelt, nämlich in Richard Linklaters bravourösen Underground-Film Slacker (1990), der den Butthole Surfers endlich einmal eine Ehre erweist. Jede Entscheidung kreiert also eine parallele Realität (grob formuliert) und das wird in Sew Torn – die Fäden des Verbrechens symbolisiert durch verschiedenfarbige Fäden, die Barbara anfängt zu ziehen, als sie auf einer verlassenen Straße Zeuge eines missglückten Drogendeals wird.
Zwei Männer, blutend, auf der Straße, einer mit Motorradhelm, der andere jünger und mit Handschellen. Zwei Pistolen, außer Reichweite, ein Koffer voller Geld und aufgebrochene Kokain-Päckchen. Barbara in ihrem seltsamen kleinen PKW. Sie hält und überlegt. Ab diesem Zeitpunkt werden filmisch drei Möglichkeiten (eigentlich vier, aber um das Ende nicht vorwegzunehmen, wird die vierte Möglichkeit außenvorgelassen) vorgestellt. Barbara kann den Koffer an sich nehmen, einfach wegfahren oder die Polizei rufen. Jede dieser Entscheidungen schlägt Wellen, die tendenziell alle im Tod von Barbara und den anderen Beteiligten enden (und hallo The Butterfly Effect von 2004). Denn in allen Fällen verfolgt der Papi des angeschossenen Jungen sämtliche Übriggebliebenen psychopathisch und kompromisslos. Das klingt schon einmal sehr nach einer etwas groben Abwandlung von No Country For Old Men (2006) in einem Schweizer Dorf.
Die Inszenierung
Der Clou an der ganzen Sache ist, dass Barbara aus ausweglosen Situationen herauskommt, indem sie buchstäblich Fäden zieht. Dabei lässt sie Kevin aus Home Alone (1990) alt aussehen. Sie fesselt Leute mit Fäden, befördert sie durch die Gegend, erlangt Schlüssel für ihre eigenen Handschellen (angelegt von einer urkomisch inszenierten Polizistin), usw. Das ist in vielen Szenen wahnsinnig kreativ dargestellt, wirkt aber auch gleichzeitig völlig überflüssig, erzwungen und bedeutungslos.
Außer eben, dass es eine lebende Metapher ist. Aber dieselbe ist selbstbezogen und sagt deswegen nicht viel mehr aus, als dass sie eine Metapher ist. Die Bedeutung derselben wurde schon erwähnt und ist in einer Minute zu Ende gedacht. Allerdings ist aber die technische Umsetzung von Barbaras Fäden-Ziehen mit Sicherheit das, was dem Film den Stempel der Originalität eingebracht haben dürfte. Zu Recht wirkt die Darstellung spannend und innovativ und zeigt einmal eine andere Ressourcenhaftigkeit auf. Anders als zum Beispiel die Militärtaktiken eines John Rambo (Rambo von 1982). Oder die Spionage-Mittel eines Jason Bourne (The Bourne Identity von 2002).
Fazit
Der Plot und die Spannung des Geschehens (inhaltlich) kommen also recht kurz. Sie weichen der Spannung des Geschehens (dem Gezeigten) im technischen und formalen Sinne. Das kann sehr lohnend sein, wenn man auf Kreativität im Crime und in Action aus ist. Wenn man allerdings Authentizität in ihrer Gänze will, reißt bei Sew Torn – die Fäden des Verbrechens schnell der Faden…
2,5 von 5 verbrannten Popcornkörnern.
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