Rubber

19.11.2025 von Leonardo Beckert

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Darsteller: , ,

Regie:

Filmstudio: ,

Genre: ,

FSK: 16

Laufzeit: 85 Minuten

Erscheinungsdatum: 19.05.2010

Sprache: Deutsch

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Wie man dem Prolog von Quentin Dupieuxs (aka Mr. Oizos) Filmerstling Rubber von 2010 entnehmen kann, handelt es sich um eine Hommage an das „No reason“-Kino. Dabei soll es sich um Filme handeln, in denen (immer) ein wesentliches Moment der Grundlosigkeit zu finden ist. Das Ganze hat auch einen anderen Namen – „Non-sense“-Fiktion, zu finden in Literatur, Film, Theater, etc. Grundlosigkeit ist schwer zu beweisen, weswegen ich persönlich lieber auf „absurde Fiktion“ zurückgreife. Handlungen und Dialoge passieren scheinbar willkürlich und sind in der Kombination mit wesensfremden Elementen grotesk, skurril und schwer zu verstehen. Dabei aber besonders eines: lustig. Verwandt ist der Humorsalat mit Dadaismus, auch wenn diese Kunstströmung (meiner Meinung nach), sozusagen „ideologischer“ ausfällt, allerdings im besten aller Sinne. Rubber also bewegt sich irgendwo zwischen Non-sense, absurder Komödie und dadaistischem Horror. Aber: warum nur muss man den Witz erklären?

Inhalt des Films

Wie auch in seinem weitaus besseren Film Wrong (2012), gibt es in dem zu behandelnden Film keine allzu nachvollziehbare Handlung. Lässt man einmal die Vierte-Wand-Brüche und besonders komischen (…) Meta-Einlagen beiseite, geht es in Rubber um einen Autoreifen, der in der kalifornischen Wüste zum Leben erwacht, ein Bewusstsein entwickelt, bemerkt, dass er telekinetische Kräfte hat und anschließend zum Köpfe-sprengenden Killer wird. Polizist Chad (Stephen Spinella), sowohl selbst-bewusster (sich seiner selbst bewusster) Schauspieler als auch körperlicher Anteilnehmer versucht, den rollenden Mörder dingfest zu machen. Währenddessen bewirtet ein stets schmerzvoll dreinblickender Anzugträger (Jack Plotnick) eine Zuschauergruppe, gemischt im Alter und Geschlecht. Diese sieht mit Fernrohren den gleichen Film wie die „echten“ Zuschauer, mit dem Unterschied, dass sie selbst sich in einem Film befinden, rein physisch betrachtet in dem, der sich über die DVD abspielen lässt.

Die Inszenierung

Man hat es also mit der Handlungsebene zu tun (der Reifen rollt rum und lässt Köpfe explodieren). Dann mit der Zuschauerebene (die Gruppe, die mit Fernrohren zusieht und teilweise mit dem Geschehen interagieren kann). Die Ebene der wissenden Figuren (der Polizist, teilweise der Anzugträger, handelnde Figuren, die irgendwie wissen, dass sie Figuren sind). Die Ebene der Erläuterung (am Anfang und Ende auch der Polizist, der mit uns, den „echten“ Zuschauenden, spricht und den ganzen Witz erklärt). Außerdem noch die Referenzebene (Vergleiche mit ähnlichen Filmen) und die tatsächliche Seh-Ebene, also: DVD rein, gucken, DVD raus, ins Regal räumen. Das erscheint erst einmal kompliziert und verwinkelt, was es formal auch ist. Semantisch aber ist es eher nervig.

Absurdität ist eine Herausforderung und diese Herausforderung sollte besser ohne eine Gebrauchsanleitung daherkommen. Man stelle sich einen surrealistischen und fordernden Text wie Crash von J. G. Ballard vor, zu dem man ein Vor- und Nachwort (!) bekommt, welche einem genau auseinandersetzen, wie jede einzelne eigenartige Szene oder Passage zu verstehen ist. Ergebnis: Langeweile und das Gefühl, belehrt zu werden. Sozusagen ein hermetisches Kunstprodukt, das vom eigenen neunmalklugen Erschaffer erklärt wird. Man kann auch gerne an Alan Moores Watchmen denken, DEM Klassiker im Bereich Graphic Novel, aber auch DEM Werk, das alles so offensichtlich gestaltet, dass es auch wirklich jeder versteht. Würde man nicht Figuren oder noch schlimmer, den Autor, die Blaupausen des Geschehens verteilen lassen, hätte man viel gewonnen. Man müsste wirklich nachdenken.

Fazit

Einwenden kann man jetzt aber auch, dass ich selbst mit dieser Rezension den gleichen Fehler begehe, den ich dem Regisseur unterstelle: ich erkläre scheinbar das Filmerlebnis und raube somit den Spaß. Vielleicht sogar erscheine ich neunmalklug und witzlos, indem ich den Meta-Witz nicht Meta-Witz sein lasse. Vielleicht handelt es sich auch um einen Meta-Meta-Witz. Dann hätte ich verloren und ich würde meine Niederlage nur zu gern eingestehen. Ansonsten aber:

So gesehen ist die Handlungsebene und die Zuschauerebene in Rubber großartig provokant, eklektisch und irrwitzig. Alle anderen Ebenen zerstören aber aus meiner Sicht genau diesen Spaß. In diesem Sinne: fast witzig.

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