
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Dan Chupong, Petchai Wongkamlao, Primrata Dej-Udom, Pumwaree Yodkamol, Tony Jaa
Regie: Phanna Rithikrai, Prachya Pinkaew, Tony Jaa
Filmstudio: Splendid Film
Genre: Action
Serie: Ong-Bak
FSK: 18
Laufzeit: 300 Minuten
Erscheinungsdatum: 25.11.2011
Sprache: Deutsch
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Zwar gibt es im thailändischen Martial-Arts-Kino so einige bekannte Namen und Vertreter, die repräsentativ funktionieren können (Yanin Vismitananda, Dan Chupong, …). Aber es ist wohl unbestreitbar, dass Tony Jaa das Aushängeschild ist. Zusammen mit Phanna Rithikrai als Drehbuchautor und (Choreographie-)Regisseur und Petchai Wongkamlao als komödiantischen Side-Kick hat Jaa die Ong-Bak-Filmreihe (2003 – 2010) ins Leben gerufen und dadurch die thailändische Filmlandschaft für immer verändert! Nicht nur das, sondern durch die Darstellung von Muay Thai konnte sich das globale Martial-Arts-Genre bereichert wissen. Vorher dominierte hauptsächlich brachiales amerikanisches Kickboxen, ultra-versiertes Kung-Fu und gelegentlich ein bisschen Aikido, Karate und MMA (zu der Zeit aber auch noch sehr jung).
Tony Jaa durfte sich also zwischen Jean-Claude van Damme, Jackie Chan, Jet Li, Steven Seagal und Wesley Snipes wissen und den Gürtel des Filmstars anlegen. Wohingegen der erste Ong-Bak noch stark an Hong-Kong-Filme und Manga- und Anime-basiertes Tournament-stilisiertes Kino angelehnt ist, sind Ong-Bak 2 und 3 in einer Klasse für sich und zeigen thailändischen Nationalgeist und buddhistische Philosophie. In diesem Sinne soll nachfolgend ein Ranking erfolgen, das diese mittlerweile absolut kanonische Filmreihe ehren darf.
Platz 3: Ong-Bak 2
Der zweite Teil der Reihe zeigt Tony Jaa nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als Co-Regisseur und Co-Choreographen. Auch inhaltlich steht Ong-Bak 2 völlig losgelöst vom ersten Teil und erzählt die Geschichte von Tien. DIeser ist Fürstensohn und Tänzer, bald schon Waise, denn durch politische Unruhen wird seine Familie in einem Blutbad niedergemetzelt. Bei seiner Flucht wird Tien aufgegabelt und als Sklave gehalten, nur um an sadistischen Spielen teilnehmen zu müssen, wie zum Beispiel bei einem Kampf gegen ein Krokodil. Als er bei diesem Kampf unerwartet erfolgreich hervorgeht, gerät er in die Hände des Banditen Chernang (Sorapong Chatree).
Im Banditendorf angekommen, kann Tien endlich eine umfangreiche Kampfausbildung absolvieren, denn die Tanzkunst seiner Kindheit war vom verstorbenen Vater angeordnet gewesen. Was Tien dennoch dankend aufgenommen hat. Nach Jahren der Ausbildung und dem Eingeweiht-werden in Raubzüge, muss sich Tien, erwachsen geworden (Tony Jaa), als Anführer der Räuber beweisen – aus dem liebevollen und sanftmütigen Kind ist ein exzessiv-brutaler und rücksichtsloser Schurke geworden, der kampftechnisch jedem überlegen scheint. Diese Fertigkeiten macht er sich nun zunutze und plant ein Attentat auf den Fürsten, der einst seinen Vater hat umbringen lassen, Fürst Rajasena (Sarunyoo Wongkrachang). Nichtsahnend, dass sein Mentor Chernang der beauftragte Killer gewesen ist, endet der Film in einer schier endlosen Kampfschlacht, aus der Tien besiegt hervorgeht.
Beeindruckende Knie- und Ellenbogenkämpfe und eine unübersichtliche Story
Irgendwo zwischen historisch-politischen Spannungen, einer Entwicklungsroman-haften Erzählstruktur und atemberaubend-gewalttätigen Kämpfen ist auch noch eine Liebesgeschichte zwischen Tien und Prim (Primorata Dejudom) eingewoben. Ach, und es gibt eine Art übernatürlichen Krähenkämpfer, der als Erzrivale für den dritten Teil angedeutet wird. Der Plot von Ong-Bak 2 ist im besten Falle experimentell, da immer wieder über Analepsen die Vergangenheit von Tien geschildert wird. Leider sind diese Rückblenden scheinbar derart beliebig angeordnet, dass man das Rhythmusgefühl für den Film verliert. Was insbesondere bei Martial-Arts-Filmen ungünstig wirkt, da dieselben ja wie ein Tanz von stimmiger Choreographie und einer adäquaten Spannungskurve leben. So hat man in einem Moment ein historisch eingefärbtes Kinderschicksal und glaubt schon fast, man befindet sich in einem thailändischen Wuxia-Film. Im nächsten Moment prügelt sich Tony Jaa dann auf, unter und neben einem Elefanten (hoffentlich gab es eine Tierwohlaufsicht).
Doch die Kämpfe sind nicht zu übertreffen. Hervorzuheben ist vor allem das Finale, das gefühlt zwanzig Minuten nur aus brutalen und ideenreichen Mann-an-Mann-Duellen besteht. Tien kämpft sich mit den verschiedensten Waffen durch. Er benutzt aber auch die Ellenbogen, Knie, Fäuste, seine Schultern, es wird alles verwendet, was in irgendeiner Weise Schmerzen und Schaden zufügen kann. Man wird als Zuschauer also belohnt mit einer Menge blutig-gewürzter Schlagabtausch-Schlachten.
3 von 5 verbrannten Popcornkörnern.
Platz 2: Ong-Bak 3
Der dritte und bislang letzte Teil der einflussreichen thailändischen Kampfsport-Filmreihe setzt inhaltlich direkt an den zweiten Teil an und erzählt zunächst, wie Tien in Gefangenschaft beinahe zu Tode gefoltert wird. Dabei wehrt er sich anfänglich noch, was zu erneuten Ein-Mann-gegen-alle-Szenen führt, die trotz der Klischee-Schwere stark beeindrucken. Über etwas undurchsichtige Umstände wird Tien kurz vor der Exekution errettet und in ein Kloster seiner Heimat gebracht. Dort warten seine Jugendliebe Pim und Meister Bua (Nirut Sirichanya), um ihn zu pflegen, bzw. erst einmal vor dem Tod zu bewahren, der auch ohne Richtung über die Verletzungen eingetreten wäre. Wesentlicher Bestandteil des Heilungsprozesses ist Tiens Hinwendung zur Reinigung seiner Seele – und damit einhergehend die Klärung seines schlechten Karmas. Zunächst unfähig, sich zu bewegen, muss Tien gegen sein Ego, gegen Depression und Verzweiflung vorgehen. Dabei muss er lernen, die Bürde des schlechten Karmas, angesammelt in einem vorherigen Leben, zu tragen.
Parallel erringt der dubiose Krähenkämpfer (Dan Chupong) aus dem zweiten Teil die Herrschaft über Fürst Rajasena, indem er diesen köpft und seine Gefolgschaft brutal außer Gefecht setzt. Auch greift er das Dorf rund um Meister Bua und Pim an. Tien, zu dem Zeitpunkt wiederhergestellt und durch Meditation noch stärker geworden (…), will nun den Gegenschlag anzugehen. Dieser wird zunächst unter dem Schatten des schlechten Karmas demonstriert, also wenn Tien wie zuvor skrupellos und vernichtend vorgehen würde. Das Ergebnis sieht ziemlich schlecht aus, denn so gut wie jeder „Gute“ stirbt.
Allerdings kann man nur unter der verdunkelten Sonne einen halsbrecherischen Kampf rund um eine Elefantenhorde bewundern. Den Zuschauenden bleibt also überlassen, ob sie einen brutalen Tien wollen, der aber virtuos zwischen Elefantenrücken umherspringt, oder ob sie doch den innerlich reinen Tien bevorzugen. Dieser kombiniert nämlich seine erlernte Tanzkunst mit den Kampfkünsten der Räuber und der meditativen Ruhe von Meister Bua. Dadurch geht er siegreich hervor.
Übernatürliche Phänomene, spirituelle Ruhe und mehr Kämpfe
Es ist ganz offensichtlich, dass es wenige Zuschauende geben wird, die Ong-Bak 3 auf Anhieb toll finden werden. Der Plot ist über große Strecken buchstäblich inexistent und der spirituelle Pomp kann schnell abschrecken. Zudem sind die CGI-Effekte für alles Übernatürliche gehörig trashig und das Schauspiel ist leider in genau den Momenten schwächlich, wenn es am eindringlichsten sein soll. Was zu unfreiwilliger Komik führt. Trotz alledem beeindruckt die Gesinnung und die inszenierten Kämpfe ordnen sich adäquat und logisch in die Handlung ein, anders als im zweiten Teil.
Das Martial-Arts-Geschehen ist dennoch der selling point, auch wenn das Furiose und Ultrabrutale des zweiten Teils und das Grobe und Rohe des ersten Teils fehlen. Man merkt Tony Jaa die Leidenschaft am Projekt an (zusätzlich verstärkt durch aufschlussreiche Extras auf der Blu-ray). Diese Leidenschaft steckt im thailändischen Nationalbewusstsein, in der Hinwendung zum Buddhismus und Brahmanismus und den daraus entstehenden Ideen und Botschaften. Weiterhin sind die reduzierten, aber umso wirkungsvolleren Kampfszenen voller Hingabe (ohne zweiten Boden) und lassen manchmal sogar einen Hong-Kong-80er-Jahre-Jackie-Chan blass aussehen.
3,5 von 5 verbrannten Popcornkörnern.
Platz 1: Ong-Bak
Wenig überraschend. Der Film, der eine gänzlich neue Welle asiatischer Kampfsportfilme nach sich gezogen hat. Von Tom Yum Goong (Revenge of the Warrior) (2005) und allen weiteren Teilen bis hin zu Fighting Beat (2007) und den Folgetiteln. Das thailändische Actionkino mit der Konzentration auf Muay Thai wurde durch Ong-Bak (2003) maßgeblich verändert. Einmal mehr wurde das Tournament-Motiv im Actionkino generell verfestigt. Dabei ist der Plot nebensächlich. Was aber in diesem Fall kein Problem darstellt. Die Stunts, Kampfszenen und die sich immer steigernde Gewalt derart fesselnd und staubig-direkt sind, dass jeder unnötige weitere Inhalt nur behindern würde.
Ting (Tony Jaa) lebt in seinem Dorf friedlich und ist exzellent ausgebildet in der eben erwähnten Kampfart Muay Thai. Doch die Ruhe und Abgeschiedenheit des Dorfes werden gestört, als eines Tages von einem ehemaligen Bewohner (Wannakit Siriput) der Kopf des heiligen Buddhas des Dorfes gestohlen wird. Die Gemeinschaft, sehr gläubig, befürchtet schlimme Folgen für den dörflichen Frieden, weswegen sich Ting auf in die Hauptstadt macht, um den gestohlenen Kopf zurückzubekommen. Dort angekommen, trifft er auf einen weiteren ehemaligen Bewohner des Dorfes, Humlae, jetzt George genannt (Petchai Womkamlao). Dieser ist Betrüger und arbeitet mit seiner minderjährigen Partnerin Muay Lek (Pumwaree Yodkamol) zusammen.
Bei George kommt Ting zwar unter, wird von diesem aber bestohlen. Wodurch er mehr zufällig in einen illegalen Underground-Kampf gerät, bei dem er sich mehrfach als siegreich erweist. Dies ist der Anfang für weitere Kampfverflechtungen, so zum Beispiel muss Ting George vor der Bande von Peng (Chetwut Wacharakun) beschützen und gerät so in einen Zirkel aus Verbrechern, die auch verantwortlich für den Raub des Buddha-Kopfes sind. Um diesen zurückzuerlangen und um George und Muay Lek zu beschützen, muss Ting seine ganzen Fertigkeiten unter Beweis stellen, was zu zahlreichen großartigen Stuntkollagen und Faustkämpfen führt.
Das Grobe und nicht das Schöne
Ganz im Gegensatz zum hochproduzierten Edelglanzbild von Ong-Bak 2 und 3, besticht der erste Teil der Reihe durch ein grobkörniges, Independent-Film-anmutendes und staubiges Bild. Dieses und die offensichtlich hausgemachten Effekte und Stunts ohne Doubles oder Absicherung, schaffen eine Atmosphäre der Direktheit und des Ungeschönten. Die Kampfchoreographien sind exzellent, aber nicht übermäßig versiert oder verziert, was einen Grad an Realismus ermöglicht, der, gepaart mit absolut filmischen Übertreibungen eine einzigartige Kampfsportmischung kreiert.
Das Schauspiel und der Plot sind wenig überraschend eher mittelmäßig und geben paradoxerweise gerade dadurch der Körperkunst das nötige Rückgrat. Der Sinn hinter der ganzen Brutalität ist dennoch ausreichend genug motiviert: der Buddha-Kopf symbolisiert nicht nur Frieden, der durch Kampf erreicht werden soll. Weiterhin steht er für das Eindringen der urbanen Moderne in die ländliche Idylle, die durch Religiosität und Gemeinschaftsgeist geprägt ist. Auch ist die Narbe im Gesicht des Buddha und die Verwicklung in Drogengeschäfte eine klare Anklage gegen die Entweihung des Heiligen. Ting prügelt sich also nicht sinnlos durch Gegnerhorden, sondern will einen Zustand zurückerlangen, der national verankert ist. Sozusagen zurück zu den Wurzeln.
Fazit
Außerdem ist der Film ohnehin voller ikonischer Szenen. Wie das Intro mit einer Gruppe junger Thais, die auf einen Baum klettern, um eine Fahne zu erreichen und sich gegenseitig dabei kreativ von der Höhe treten. Auch ist Tings Videospiel-orientiertes Kämpfen im Underground-Ring legendär, wo ein Gegner durch einen stärkeren ergänzt wird. Was nicht zuletzt in den Tropen von Shonen-Manga begründet liegt. Auch wenn Tony Jaa verfolgt wird und auf der Straße zwischen zwei enormen Glasplatten hindurchspringt, oder am Ende den Erzfeind im Sprung mit den Knien durch Holzböden schmettert. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Getoppt wird dieser Film nur durch Tom Yung Goong, der mit der Einkaufszentrum-Szene übrigens auch auf YouTube mittlerweile fest im kollektiven Prügelfilm-Bewusstsein verankert ist und jeden Bud Spencer und Terence Hill Film leichenblass aussehen lässt.
4,5 von 5 verbrannten Popcornkörnern.
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