No Country for Old Men

10.08.2025 von Leonardo Beckert

Kategorie:

Darsteller: , , , ,

Regie: ,

Filmstudio: ,

Genre: ,

FSK: 16

Laufzeit: 122 Minuten

Erscheinungsdatum: 09.11.2007

Sprache: Deutsch

Bei Amazon bestellen (Affiliate*)

Die Coen Brüder waren zusammen mit Quentin Tarantino, Spike Lee und Jim Jarmusch verantwortlich für einen wichtigen Schritt in der amerikanischen Filmgeschichte. Nach dem Aufkommen von New Hollywood in den späten 60ern, schafften es die genannten Regisseure in den mitt-80ern und Anfang der 90er Jahre, den Independent Film zu neuen künstlerischen Höhen zu tragen. Do The Right Thing (1989) von Spike Lee, Reservoir Dogs (1990) von Quentin Tarantino, Dead Man (1995) von Jim Jarmusch und Fargo (1996) von den Coen Brüdern gelang dabei zusätzlich etwas: Einen neuen Standard für Gewaltdarstellung im Kontext von inhaltlich komplexen Filmnarrativen zu setzen. Dieser Standard und die künstlerische Finesse gipfelten bei Ethan und Joel Coen mit dem Neo-Western No Country for Old Men (2007).

Die Handlung

Llewelyn Moss (Josh Brolin) findet bei einem Jagdausflug zufällig einen Koffer voller Geld. Rings um den Koffer liegen in der texanischen Wüste die Leichen von Drogendealern und deren zerschossene Fahrzeuge. Llewelyn nimmt den Koffer mit und unterschreibt damit sein Todesurteil. Zeitgleich mordet sich Anton Chigurh (Javier Bardem) psychopathisch und mit seltsamer Frisur durch die Gegend, auf der Suche nach ebenjenem Koffer. Sherriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) versucht währenddessen, die Morde, die sich kontinuierlich häufen, aufzuklären.

Damit sind die Spielfiguren größtenteils gesetzt, im tödlichen Spiel um Geld, Zufall und Schicksal. Die Handlung konzentriert sich stark auf die jeweiligen Figuren, verliert aber nie an Tempo, welches das Katz-und-Maus-Spiel von Llewelyn und Chigurh voraussetzt. Der Letztere jagt den Ersteren durch ganz Texas und darüber hinaus. Er selbst wird aber von Carson Wells (Woody Harrelson) verfolgt und alle miteinander versucht Sherriff Bell ausfindig zu machen. Jagd, Verteidigung und eine Menge Kollateralschäden sind die Folge, bis sich schließlich alles so auflöst, wie man es sich am wenigsten wünscht.

Die Inszenierung

Betrachtet man den Plot des Films strikt in Bezug auf die Sequenz-ablösenden Geschehnisse, handelt es sich um einen Western. Die Geschehnisse sind dabei aber von einer Natur (Drogengeld, Auftragsmörder, Kartell-Implikationen), die sich eher im Kriminalfilm à la Sicario (2015) finden lassen. Die Dialoge, Figurenkonstellation und Themenvielfalt (Gewaltmoral, Schicksal vs. Zufall, Gier und Bestimmung) gestalten sich jedoch schwarzhumorig und komplex, wie es der Independent-Film verlangt.

Man sieht sich als Zuschauer und Rezipient also vor der Herausforderung, wie man den Film einordnen soll und unter welchen Genre-Regeln man das Gezeigte bewerten und interpretieren kann oder möchte. Killer Chigurh ist teilweise derart schockierend porträtiert und die Morde erinnern symbolisch so an das Schlachten von Vieh, dass es fast wie ein Ausschnitt aus einem Horrorfilm erinnert. Ich denke dabei an Henry: Portrait of a Serial Killer (1986) oder an Mann beißt Hund (1992). Beide stellen Psychopathie, gepaart mit konkret subjektiven Moralphilosophien vor, die als unabwehrbar erlebt werden können.

Fazit

Letztlich behandelt No Country For Old Men eine Force Majeure, eingepackt in die Stilistik eines Western- und Kriminalfilms. Die Handlungselemente und Figuren-Motivationen erscheinen im Kampf gegen dieses unabwendbare Ende vergeblich, geradezu tragisch-lächerlich. Eine Atmosphäre der Gemeinheit und Grausamkeit entsteht, getragen von ausgewachsenen Pagenschnitten und weiten Aufnahmen, sowohl schöner, wie trister Wüstenlandschaft. Es zeigt sich am Ende, dass es kein Land (auch im Sinne der Nation) gibt für alte Männer. Männer, die einst ohne Waffe patrouilliert haben und Werte der Anteilnahme vertreten haben. Anteilnahme wird ersetzt durch die Einfachheit und Gesetzmäßigkeit des Geldes. Wer es hat und dem es nicht gehören sollte, wird nicht lange leben.

Inhaltlich und audiovisuell ein gar verstörendes Filmerlebnis, mit einer Botschaft, die in ihrem Pseudo-Nihilismus eher an die Gerechtigkeit des Zufalls erinnert als an die Diabolik des Schicksals. Und das macht es schlimmer.

* Affiliate-Link: Mit einen Kauf bei Amazon über diesen Link unterstützt du die Redaktion. Das Produkt kostet dich dabei nichts extra.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert