Monsieur Claude und seine Töchter

27.12.2025 von Leonardo Beckert

Kategorie:

Darsteller: , , ,

Regie:

Filmstudio:

Genre: ,

Serie:

Laufzeit: 93 Minuten

Erscheinungsdatum: 24.07.2014

Sprache: Deutsch

Bei Amazon bestellen (Affiliate*)

Unterschiedliche Religionszugehörigkeiten, sich unterscheidende Hautfarben, Lebensrealitäten, die scheinbar inkompatibel sind. Insbesondere in europäischen Großstädten wie Paris, London oder Berlin sind diese Punkte alltäglich von Relevanz. Selten können diese soziokulturellen Aspekte mit Humor behandelt werden, fast immer enden sie in Streitgesprächen, politischen Auseinandersetzungen und Freundschaftsbrüchen. Kunst im Allgemeinen und Film im Besonderen tendieren stets dazu, gesellschaftliche Verhältnisse zu spiegeln. Bei dem großen Thema Rassismus und zum Beispiel auch Antisemitismus ist der Spiegel zum Teil sowohl humoristisch als auch erschreckend, wie man an An American Werewolf in London (1981) oder Get Out (2017) beobachten kann. Doch auch rein komödiantisch kann man rassistische Alltagsgewohnheiten spiegeln, wie es Monsieur Claude und seine Töchter (2014) getan hat.

Inhalt des Films

Titel-gebender Claude Verneuil ist Notar und lebt konservativ-beschaulich mit seiner Frau Marie auf dem Land in einem ansehnlichen Haus. Das Ehepaar hat vier Töchter, die allerdings zum erheblichen Leidwesen von Claude und Marie mit einem jüdischen Geschäftsmann, einem muslimischen Anwalt und einem chinesisch-stämmigen Banker verheiratet sind, wobei die vierte Tochter (noch) ledig ist. Vorurteile und plumpe Diskriminierung füllen vorerst die Interaktionen und Konversationen der großen Familie, bis sich die Schwiegersöhne untereinander und insbesondere Claude irgendwann einkriegen. Die Harmonie scheint an Weihnachten gerettet. Doch dann kommt heraus, dass die vierte Tochter Laure einen Mann von der Elfenbeinküste heiraten wird, Charles, seines Zeichens katholisch und damit scheinbar prädestiniert für das Einverständnis der Eltern. Pustekuchen. Vorhang auf für allerlei weitere Komplikationen und die ebenso engstirnige Familie von Charles.

Die Inszenierung

Ob die Gewohnheiten von praktizierenden, französischen Juden, algerisch-stämmigen, muslimischen Franzosen und chinesisch-stämmigen, spezifisch erfolgreichen Franzosen realistisch inszeniert werden, erscheint zweifelhaft. Ob das nötig wäre, um adäquat ironisch damit umzugehen, erscheint durchaus möglich. Allerdings versucht Regisseur und Autor Philippe de Chauveron etwas Anderes, indem er bewusst überhöht und selbstreflexiv die Vorurteile zum Zentrum des Witzes macht und damit sozusagen über Selbstdarstellung kritisch und satirisch wird. Jedenfalls wenn man dem Film dahingehend eine gewisse Chance gibt. Das ist ein bewährtes satirisches Konzept, was wahrscheinlich die Band / das Künstlerkollektiv Laibach perfektioniert hat. Man lacht über rassistische Witze, wie die Figuren im Film darüber lachen und sich mit Klischees beleidigen. Da werden Beschneidung, Essgewohnheiten, soziale Verhältnisse und Körpereigenheiten bewitzelt. Der afrikanische Vater ist genauso vorurteilsbehaftet wie der französische und der muslimische Anwalt ist genauso ungerecht wie der jüdische Geschäftsmann.

Fazit

Doch vergessen darf man nicht, dass der Film sich als Romanze ebenso verkauft, wie als Komödie, dass er sich an Familien und an ein jüngeres Publikum richtet. Leider werden dadurch viele Ambitionen unfreiwillig zum sarkastischen Verwerter der infrage zu stellenden Botschaften. Ein bisschen wie die Red-Bull-Variante von Thomas Vinterbergs Das Fest (1998). Das soll so wahrscheinlich nicht sein. Man hat es also mit einem freiwillig und unfreiwillig lustigen Film über Familientraditionen und Rassismus zu tun, der unglaublich erfolgreich an der Kasse war und ist und in dem Asterix den Familienpapa spielt.

Das sollte eigentlich alles sagen.

2 von 5 verbrannten Popcornkörnern

 

 

* Affiliate-Link: Mit einen Kauf bei Amazon über diesen Link unterstützt du die Redaktion. Das Produkt kostet dich dabei nichts extra.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert