
Kategorie: Spielfilm
Darsteller: Catherine Keener, Elizabeth Banks, Jane Lynch, Paul Rudd, Romany Malco, Seth Rogen, Steve Carell
Regie: Judd Apatow
Filmstudio: Universal Studios
Genre: Komödie
FSK: 12
Laufzeit: 127 Minuten
Erscheinungsdatum: 29.09.2005
Sprache: Deutsch
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Im ersten Jahrzehnt der 2000er und in den letzten Ausläufern der 90er Jahre gab es im Komödien-Sektor von Hollywood die Tendenz, Teenagern und Anfang-Zwanzig-Jährigen die schlechtmöglichsten Tipps und Hinweise in Bezug auf das Liebesleben zu erteilen, die man sich nur vorstellen kann. Dabei kam dann allerhand Zotiges an Unfällen heraus. Man denke an Hände, die ans Geschlecht geklebt werden (American Pie 2 (2001)) oder an Ejakulat, das versehentlich als Haargel benutzt wird (Verrückt nach Mary (1998)). Oftmals ist das filmische Ergebnis eine höchst fragwürdige, „Männlichkeit“-entstellende Orgie an Vulgärem und Perversem. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, die alles bereits Erwähnte mit einer Menge Improvisationstalent des Cast und Herz und Empathie gegenüber den Figuren aufwerten. Ein solches Beispiel ist Jungfrau (40), männlich, sucht… von Altmeister in diesem Bereich, Judd Apatow.
Inhalt des Films
Andy (Steve Carrell) arbeitet in einem Elektronikladen, fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit, hat eine Sammlung an originalverpackten Actionfiguren und ist zu allem Überfluss (oh, Schreck!) auch noch Jungfrau. Seine Kollegen David (Paul Rudd), Cal (Seth Rogen) und Jay (Romano Malco) kriegen das irgendwann heraus und planen ab diesem Zeitpunkt, alles zu unternehmen, damit ihr neuer Freund das erste Mal sein Schäferstündchen abhalten kann. Der will das anfänglich aber überhaupt nicht (was auch sein gutes Recht ist), doch spätestens nach einem Aufeinandertreffen mit Trish (Catherine Keener), ändert er tendenziell seine Meinung. Er verliebt sich in sie und versucht nun, seine erste anlaufende romantische Beziehung zu managen. Seine Kumpels von der Arbeit sind ihm dabei eher schlecht als recht eine Hilfe und Andy begibt sich in zahllose Situationen, die seinen Selbstwert und die Lachmuskeln des Publikums herausfordern.
Die Inszenierung
Mittlerweile ist zum Glück mehr gesellschaftliche Toleranz vorhanden, die es Menschen, die überhaupt nicht an sexuellem Kontakt interessiert sind, ermöglicht, dennoch romantische und feste Bindungen einzugehen. Damals allerdings, in den frühen 2000er Jahren und sowieso, wenn man sich in der Zielgruppe von Sex-Komödien befunden hat, war die Tatsache, eine „Jungfrau“ zu sein, für Männer eine erniedrigende und schambehaftete Tatsache. Man könnte jetzt denken, dass Jungfrau (40), männlich, sucht… genau diese Tatsache ausbeutet und sich schlichtweg über Männer ohne bisherigen sexuellen Kontakt lustig macht. Das ist meiner Meinung nach nicht ganz der Fall, auch wenn Apatows Film haarscharf an einer ebensolchen Herangehensweise vorbeifährt. Eher aber lacht der Film mit Menschen, die auf die eine oder andere Art sexuell verunsichert sind.
Dieses Lachen ist im (in der Extended-Version) fast zweieinhalbstündigen Film eine Form von Katharsis und eine Möglichkeit, dieses „peinliche“ Thema transparent und überraschend vielseitig für eine Hollywood-Produktion anzusprechen. Dagegen ist American Pie (1999) wirklich ein Exploitation-Film (was er wahrscheinlich so oder so ist). Ganz eindeutig profitiert Jungfrau (40) von einem brillanten Cast, allen voran selbstredend Steve Carell, der Andy wahnsinnig lustig, sympathisch und glaubhaft verkörpert. Aber auch die restlichen rumblödelnden Kollegen rund um Romano Malco und Seth Rogen sind so obszön, dass man auch lachen muss, wenn man von Obszönitäten nichts wissen will.
Fazit
Es ist letztendlich ein filmisches Testament für eine (kulturelle) Periode von Jugendlichen, die zum ersten Mal Alkohol trinken wollen, blink-182 hören und nur an Sex denken können. Vielleicht ein selbsterschaffenes isoliertes Universum aus Pop-Punk-Alltagswelten. Aber gerade deswegen ist es interessant, diese Welt auf einen 40-jährigen Protagonisten zu übertragen. Fast schon eine solidarische Filmbotschaft, die einem jüngeren Publikum mitteilt, dass es den Erwachsenen genauso geht und sie genauso bescheuert denken und handeln. Kulminiert kann man das anhand der Szene sehen, in der Andy in der Aufklärungsrunde auch seine Hand hebt, genau wie die Tochter seiner Freundin. Beide sind Jungfrauen, die eine ist 16, die andere 40 und es ist nichts Schamvolles daran. Es bedarf schlicht einer besseren Aufklärung.
Wenn man so will, ist es der Citizen Kane der zotigen Sex-Komödien, die man immer noch um 20 Uhr 15 auf RTL II bewundern kann.
3,5 von 5 verbrannten Popcornkörnern
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