Johnny Handsome – Der schöne Johnny

01.07.2026 von Leonardo Beckert

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FSK: 16

Laufzeit: 94 Minuten

Erscheinungsdatum: 29.09.1989

Sprache: Deutsch

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Mickey Rourke und sein Gesicht, das ist eine ganz eigene Geschichte. Zuerst einmal sei gesagt, dass Rourke über Interviews, Social Media und Filmrollen das Bild eines sehr sympathischen und eben nicht einfachen Mannes vermittelt. Es sei an dieser Stelle tatsächlich darauf hinzuweisen, dass sich manchmal das Sichten von Talk-Show-Interviews lohnt. Denn Rourke verhält sich und spricht wie viele seiner Rollen mit einem gemeinsamen Nenner: dem rustikalen Charme eines Blue Collar Workers.

Mickey Rourke

Was hat das mit seinem Gesicht zu tun? Am Anfang seiner Karriere (9 1/2 Wochen (1986) / Angel Heart (1987)) war dieses durchaus ein Selling-Point, eben in Kombination mit seinem sonstigen taffen und „proletarischen“ Äußeren. Er hatte das, was man in einer bestimmten Zeit in den USA als „schönes Gesicht“ (handsome face) bezeichnet hätte. Nicht verwunderlich, dass er zum Beispiel auch in einer Charles Bukowski Verfilmung mitgewirkt hat (Barfly (1987)). Wegen aller erwähnten Punkte war es für die Öffentlichkeit und die Tratsch-Medien ein gefundenes Fressen, als in späteren Jahren ersichtlich wurde, dass Rourke Schönheitsoperationen für sinnvoll erachtet hat.

So etwas, also die Reaktion der Presse, entgeht einem schwer. Deshalb umso beeindruckender, dass er in Sin City (2005) eine Figur verkörpert, die ein „entstelltes“ Gesicht hat. Allerdings ist das nicht seine erste Filmrolle mit diesem Merkmal, was so einigem Zuschauer entgangen sein könnte. In Johnny Handsome – Der schöne Johnny von 1989 verkörpert er nämlich einen Kriminellen mit einem stark entstellten Gesicht. Es erinnert ein bisschen an das Proteus-Syndrom, das auch schon berühmterweise in David Lynchs Der Elefantenmensch (1980) verarbeitet wurde.

Inhalt des Films

John „Johnny“ Sedley ist kriminell und hat Gesichtsdeformationen. Als eine Art Mentor und Bezugsperson dient ihm Mikey (Scott Wilson), doch dieser wird bei einem missglückten Überfall von den angeblichen Partnern Sunny (Ellen Barkin) und Rafe (Lance Henriksen) erschossen. Johnny kommt daraufhin in die Strafarbeit, wird da aber niedergestochen und landet im Hospiz, wo er den zugewandten und an seinem Gesicht interessierten Dr. Fisher (Forest Whitaker) kennenlernt. Dieser gibt ihm eine Chance: er operiert in schmerzhaften und langwierigen Schritten Johnnys Gesicht, gibt ihm einen neuen Namen, eine neue Identität und eventuell ein neues Leben.

Doch das kommt einerseits auf Johnny und seinen Willen an, andererseits ist da noch Lt. Drones (Morgan Freeman), der ihn nicht in Ruhe lässt. Zwar findet Johnny Arbeit in einer Werft, wo er sich romantisch für Donna (Elizabeth McGovern) interessiert und auch gute Dienste zeigt. Doch schon bald gelüstet es ihn nach Rache an den Mördern seines einstigen Freundes.

Ein ungewöhnlicher Film

Man kann es auch einfach halten. Das erste Drittel des Films ist eine für Hollywood beeindruckende Außenseitergeschichte, die moralisch und empathisch differenziert und spannend ausfällt. Das zweite Drittel ist eine dann wieder generischere Variante der Wiedereingliederung, die zu scheitern droht und das letzte Drittel zeigt durch und durch das Produzenteninteresse für Action und Publikumsleckereien (Sexszenen, Schießereien, etc.). Vielfach wird der Film als Neo-Noir gehandelt, aber einige Aspekte sprechen positiv dagegen.

Es gibt zwar Crime und Intrigen, Geldwäsche, Femme Fatales, den Tod des Protagonisten usw. Aber das Ganze wirkt eher wie ein Gerüst, das das Rückgrat bildet für einen berührenden Character-Film. Es geht um Johnny Handsome, der vorher und nachher „hübsch“ ist oder einfach schon immer war. Es geht um seine Fehler, sein selbst gewähltes Schicksal und die Loyalität zu seinem Freund. Die logischen Folgerungen daraus sind Waffen, Messereinsatz und mehrere Kugeln im Körper, passenderweise auf einem Friedhof in New Orleans. Das hat was von Gothic oder es wirkt, als hätte Hubert Selby Jr. zusammen mit John Steinbeck einen Krimi geschrieben. Jedenfalls überzeugt Mickey Rourke auf ganzer Linie, man könnte sogar sagen, es sei eine seiner besten Leistungen als Schauspieler im ersten Karrierehoch.

Walter Hill inszeniert Johnnys Leidensweg souverän und sauber, fast schon „cool“ und ohne großartige Sentimentalitäten. Hervorzuheben ist dann noch Forest Whitaker als Dr. Fisher. Es brauch nur eine kurze Dialogzeile zu sein, doch wenn Whitaker sie ausspricht, hallt es noch mehrere Minuten nach. Überaus zu empfehlen!

4,5 von 5 verbrannten Popcornkörnern.

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