JFK – Tatort Dallas

10.09.2025 von Leonardo Beckert

JFK - Tatort Dallas

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Regie:

Filmstudio:

Genre:

FSK: 12

Laufzeit: 205 Minuten

Erscheinungsdatum: 20.12.1991

Sprache: Deutsch

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Anscheinend haben zentrale US-amerikanische Kulturschaffende doch mehr deutsche Moralphilosophie gelesen als gedacht. Der Gedanke, das Gerechte zu tun, egal ob eine Gegenleistung erfolgt, bzw. ob es Gewinn einbringt, erinnert stark an Kant. Wenn man das Gerechte als das Gute ansehen will, dann sollte man das Gute tun, um des Guten willen, intrinsisch motiviert. Also altruistisch oder tugendhaft handeln.

Parallelen erkennt man bei der Figur Atticus Fink in Harper Lees Romanklassiker Wer die Nachtigall stört von 1960. Dass der Wille eine an und für sich zu beurteilende Größe sein kann, zeigt wiederum Hemingways Der alte Mann und das Meer von 1952. Beide kanonischen Texte sind in ihrer philosophischen Struktur in Oliver Stones knapp dreieinhalbstündigem Polit-Thriller JFK – Tatort Dallas (1991) zu finden, Hemingways Novelle wird sogar zitiert. Ein Film, der die nachträgliche Investigation rund um das Attentat John F. Kennedys, geleitet von Jim Garrison, begleitet.

Die Handlung

Die Filmhandlung beginnt direkt im Anschluss an die Ermordung des ehemaligen US-Präsidenten, 1963. Schon früh steht scheinbar fest, wer der Täter ist: Lee Harvey Oswald (Gary Oldman). Derselbe wird kurz nach Bekanntgabe von einem Unbekannten in der Menge niedergeschossen, vor laufenden Kameras. Jim Garrison (Kevin Costner) hat schon zu Beginn seine instinktiven Zweifel, doch es vergehen zuerst drei Jahre, bis er sein Misstrauen ernst nimmt und seine Funktion als Bezirksstaatsanwalt dazu benutzt, die wahren Hintergründe der Ermordung aufzudecken.

Sein Team aus Investigatoren ist groß und gut aufgestellt und im Film hochkarätig besetzt mit z.B. Michael Rooker (bekannt aus Guardians of the Galaxy (2014) und Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)). Garrison selbst und seine Mitstreiter beginnen eine intensive Recherche rund um die Geschehnisse und werfen ihre untersuchenden Augen im Prinzip auf alles und jeden: CIA, FBI, das Weiße Haus, die Mafia, etc. Schnell stellen sich einige Hauptverdächtige heraus: Clay Shaw (Tommy Lee Jones), David Ferrie (Joe Pesci) und als wichtiger Zeuge Willie O’Keefe (Kevin Bacon). Da der Spielfilm eine Adaption von gleich zwei Büchern zum Thema ist, ist eine zufriedenstellende Zusammenfassung des Geschehens schwer, aber am Ende gipfelt die Suche nach der Wahrheit im Gerichtssaal.

Die Inszenierung

Der Cast des Films ist ungefähr so lang wie die Spielzeit, zwischendurch guckt Walter Matthau um die Ecke und Donald Sutherland geht mit Kevin Costner spazieren. Daher ist es kein Wunder, dass die zahlreichen Dialoge und die daraus resultierenden Auseinandersetzungen absolut fesselnd sind, weil großartig gespielt. Doch auch abgesehen vom Schauspiel, ist die detaillierte rechtliche Prozedur derart spannend im Inhalt und in der Inszenierung vom wunderbaren Oliver Stone, dass dreieinhalb Stunden beinahe zu wenig sind.

Dabei bleibt der Film aber nicht dokumentarisch in der Historie, sondern bleibt Film, eine quasi-literarische Parabel auf amerikanische, oder universale Werte. Die Wahrheit über eine politische Übermacht aufzudecken, zu zeigen, dass Shakespeares (übrigens auch historische) Dramen im Prinzip übertragbar sind auf das Jetzt, ist Ziel der Dramaturgie. Dieselbe nutzt Stone, um zusätzlich allamerikanische Tropen einzubauen: True Crime, Courtroom-Drama, Spionage, Patriotischer Thriller. Lustig ist auch, dass Costner vom russischen Spion im Pentagon (No Way Out (1987)) zum juristischen Patrioten wechselt, der sich mit der Möglichkeit von russischer Spionage rumschlagen muss.

Fazit

Im Genre des Polit-Thrillers, mit einer Laufzeit wie dieser und einer derart heiklen Thematik, die allzu leicht ausbeuterisch werden kann, wüsste ich nicht, was man an JFK – Tatort Dallas auszusetzen haben könnte. Ein famoser Film!

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